geschrieben hat , so ist mir das doch bedenklich . « Die Tochter sah bei dieser väterlichen Ermahnung sehr unzufrieden aus und bereitete sich zu einem nachdrücklichen Widerspruch vor , als der Inspektor mit einer Meldung eintrat . Gleich darauf verließ Frank mit ihm das Zimmer , und Fräulein Margarete blieb in einer höchst ärgerlichen Stimmung zurück , Assessor Hubert hätte gar nichts Schlimmeres thun können , als in einer solchen Stunde zu erscheinen , aber sein gewöhnlicher Unstern führte ihn natürlich gerade jetzt herein . Er war , wie immer , die Aufmerksamkeit und Artigkeit selbst , der Gegenstand seiner Wünsche aber zeigte eine so ungnädige Laune , daß er eine Bemerkung darüber nicht unterdrücken konnte . » Sie scheinen verstimmt , Fräulein Margarete , « begann er nach mehreren vergeblichen Versuchen , ein Gespräch anzuknüpfen . » Darf man den Grund wissen ? « » Ich ärgere mich , daß gewöhnlich gerade die bedeutendsten Menschen so sehr viel Schüchternheit und so gar kein Selbstvertrauen haben , « fuhr Gretchen heraus , die mit ihren Gedanken ganz wo anders war . Das Antlitz des Assessors verklärte sich förmlich bei diesen Worten . Bedeutende Menschen – Schüchternheit – kein Selbstvertrauen – ja freilich , er war damals mitten im Kniefall stecken geblieben und noch heute nicht bis zu einer Erklärung gekommen . Die junge Dame trug allerdings selbst die Schuld daran , aber es verletzte sie doch , daß er so wenig Selbstvertrauen zeigte . Das mußte unverzüglich wieder gut gemacht werden . Der Wink konnte gar nicht deutlicher gegeben werden . Gretchen sah schon in der nächsten Minute ein , was sie mit ihren unvorsichtigen Worten , die Hubert natürlich auf seine eigene Person bezog , angerichtet hatte . Sie brachte schleunigst ihre Geschichte des Germanentums vor ihm in Sicherheit , denn der Doktor hatte ihr das Versprechen abgenommen , dem Neffen seines litterarischen Gegners nichts davon zu verraten , und beschloß , ihre Uebereilung durch möglichste Ungezogenheit wieder gut zu machen . » Sie brauchen nicht mit einem solchen Polizeiblick um mich herum zu gehen , Herr Assessor , « sagte sie . » Ich bin keine Verschwörung , und das ist ja doch das einzige auf der Welt , was sie interessiert . « » Mein Fräulein , « versetzte der Assessor würdevoll , aber doch etwas verletzt , denn er war sich bewußt , schmachtend und durchaus nicht polizeigemäß geblickt zu haben , » Sie werfen mir meinen Amts- und Pflichteifer vor , und doch glaube ich mir gerade daraus ein Verdienst machen zu können . Auf uns Beamten lastet die ganze Sorge für die Ordnung und Sicherheit des Staates ; uns danken es Tausende , daß sie abends ihr Haupt ruhig niederlegen können ; ohne uns – « » Nun , wenn Sie allein für unsre Sicherheit sorgten , dann wären wir hier in Wilicza längst totgeschlagen worden , « unterbrach ihn das junge Mädchen . » Es ist nur ein Glück , daß wir Herrn Nordeck haben ; der schafft uns nachdrücklicher Ruhe als das ganze Polizeidepartement von L. « » Herr Nordeck scheint jetzt überall einer außerordentlichen Bewunderung zu genießen , « bemerkte Hubert empfindlich , » Auch bei Ihnen . « » Ja , auch bei mir , « bestätigte Gretchen . » Ich bedaure es aufrichtig , aber meine Bewunderung gilt nun einmal Herrn Nordeck und keinem andern . « Sie warf einen sehr anzüglichen Blick auf den Assessor , aber dieser lächelte nur . » O , dieser andre würde auch niemals das kalte , fremde Gefühl der Bewunderung beanspruchen , « versicherte er . » Er hofft auf ganz andre Regungen in einer verwandten Seele . « Gretchen sah , daß die Ungezogenheit ihr nichts half . Hubert steuerte unverwandt und unbeirrt auf die Erklärung los . Das junge Mädchen hatte aber gar keine Lust , ihn anzuhören ; es war ihr unangenehm , ihm ein Nein geben zu müssen , und sie fand es weit bequemer , das durch ihren Vater abmachen zu lassen . Deshalb fuhr sie mit der ersten besten Frage dazwischen , die ihr gerade in den Sinn kam . » Sie haben mir ja so lange nichts von Ihrem berühmten Onkel in J. erzählt . Was macht er denn jetzt ? « Der Assessor , der in dieser Frage nur ihre Teilnahme an seinen Familienangelegenheiten erblickte , ging bereitwillig darauf ein . » Mein armer Onkel hat in der letzten Zeit sehr viel Aerger und Verdruß gehabt , « berichtete er . » Es gibt an der Universität eine Gegenpartei – welches wahrhaft Große hätte nicht seine Neider und Feinde ! – an deren Spitze Professor Weber steht . Dieser Herr hascht förmlich nach Popularität ; die Studenten hängen mit blinder Vorliebe an ihm ; alle Welt spricht von seiner Liebenswürdigkeit , und mein Onkel , der dergleichen Kunstgriffe verschmäht und sich überhaupt nie um die öffentliche Meinung kümmert , wird von allen Seiten angefeindet . Jetzt hat die Gegenpartei , einzig ihm zum Aerger , einen ganz obskuren Menschen auf den Schild gehoben und unterfängt sich , dessen Erstlingswerk neben die Schwarzschen Schriften über den Germanismus zu setzen . « » Es ist wohl nicht möglich , « meinte Gretchen . » Neben die Schriften meines Onkels , « wiederholte der Assessor mit großartiger Entrüstung . » Ich kenne weder den Namen , noch die näheren Umstände . Mein Onkel liebt es nicht , sich in seinen Briefen über Einzelheiten auszusprechen , aber die Sache hat ihn dermaßen geärgert , und sein Konflikt mit dem Professor Weber ist zu einer solchen Höhe gediehen , daß er daran gedacht hat , seine Entlassung zu nehmen . Es ist natürlich nur eine Drohung ; man läßt ihn in keinem Falle fort . Die Universität erlitte ja durch sein Ausscheiden einen unersetzlichen Verlust , aber er hielt es doch für notwendig , einen Druck auf die betreffenden Persönlichkeiten zu üben . « » Ich wollte ,