auf wessen Seite hier die Schuld lag . Der Capitain hatte Recht mit seiner Annahme ; die Entdeckung ließ Cesario , anstatt ihn zurückzuschrecken , vielmehr aufflammen in leidenschaftlicher Parteinahme für die geliebte und gekränkte Frau . „ Nun denn , Signora , “ sagte er rasch , „ so steht es ja nur bei Ihnen , ob Sie einen Anspruch anerkennen wollen , den Reinhold auf eine Vergangenheit stützt , die nicht mehr existirt , und die er wohl selbst vernichtet hat . Sie allein haben darüber zu entscheiden , ob ich Ihnen noch ferner nahen , ob ich Ihnen auch in Zukunft ein Gefühl weihen darf , von dem ich offen bekenne , daß es mehr ist als nur die kalte Bewunderung eines Fremden , und das Sie eines Tages werden annehmen oder verwerfen müssen . “ Er sprach mit der ganzen Gluth einer lang zurückgehaltenen Empfindung , aber auch mit dem edlen unerschütterlichen Vertrauen eines Mannes , dem das Geliebte über allen Zweifel erhaben ist , und die Sprache war unzweideutig genug ; sie drängte unabweisbar zu einer Entscheidung , vor der die junge Frau zurückbebte . „ Ja wohl , Eleonore , Du wirst entscheiden , “ nahm jetzt auch Reinhold das Wort . Die Stimme klang auf einmal unnatürlich ruhig , aber der Blick , der unverwandt an dem Antlitze seiner Gattin hing , mit einem Ausdrucke , als sollte in der nächsten Minute das Urtheil über Leben und Tod von ihren Lippen fallen , zeigte besser , wie es um ihn stand . Eine Secunde lang begegneten sich die Augen der Beiden , und Ella hätte kein Weib sein müssen , hätte sie jetzt nicht gesehen , daß die vollste und vernichtendste Rache in ihrer Hand lag . Ein einziges Ja aus ihrem Munde rächte Alles , was sie je erduldet . Langsam wandte sie sich zu Cesario . „ Marchese Tortoni – ich bitte Sie , davon abzustehen – ich betrachte mich noch als gebunden . “ Eine kurze , inhaltschwere Pause folgte den Worten . Ella sah , wie in den schönen Zügen des jungen Italieners ein tiefer Schmerz mit dem Stolze des Mannes kämpfte , der nicht zeigen wollte , wie tief er getroffen war ; sie sah es , wie er sich , ohne ein Wort zu sprechen , vor ihr verneigte und sich zum Gehen wandte ; den Blick nach der andern Seite zu richten , dazu fehlte ihr der Muth . „ Cesario ! “ rief Reinhold , der wie in aufflammender Reue einen Schritt ihm nach that . „ Wir sind Freunde . “ „ Wir waren es , “ entgegnete der Marchese kalt . „ Sie begreifen doch wohl , Reinhold , daß diese Stunde uns trennt . Meine Beschuldigung gegen Sie muß ich allerdings zurücknehmen ; die Erklärung Ihrer Gemahlin spricht Sie frei davon – leben Sie wohl , Signora ! “ Er ließ die beiden Gatten allein . Keiner von ihnen sprach während der nächsten Minuten . Ella beugte sich tief über eins der duftenden Blumengewächse , und ein paar Thränen fielen herab auf die breiten glänzenden Blätter . Da streifte ihr Name wie ein zitternder Hauch an ihrem Ohre vorüber – sie schien es nicht zu hören . „ Eleonore ! “ wiederholte Reinhold . Sie hob das Auge zu ihm empor . Noch stand ein tiefer Schmerz in ihrem Antlitz , aber die Stimme klang schon wieder völlig beherrscht . „ Was habe ich denn gesagt ? Daß ich nie von der Freiheit Gebrauch machen werde , die Dein Schritt mir gab ? Das stand ohnedies fest von Anbeginn . Die Erfahrungen meiner Ehe schützen mich vor jeder zweiten . Ich habe ja mein Kind , und damit den Zweck und das Glück meines Lebens . Einer andern Liebe bedarf ich nicht . “ „ Du freilich nicht , “ sagte Reinhold mit zuckender Lippe , „ und mein Schicksal ist Dir ja gleichgültig . Du hast von jeher [ 590 ] nur Dein Kind geliebt , mich nie . Um seinetwillen konntest Du mit allen Vorurtheilen Deiner Erziehung brechen und eine Andere werden , für Deinen Gatten hast Du das nicht gekonnt . “ „ Hat er mir denn je Liebe gegeben , wie ich sie bei meinem Knaben fand ? “ fragte Ella mit verschleierter Stimme . „ Laß ’ das , Reinhold ! Du weißt , wer zwischen uns steht und ewig stehen wird . “ „ Beatrice ? Ich will sie nicht anklagen , obgleich sie mehr Schuld an meiner damaligen Entfernung trug , als Du vielleicht glaubst . Gleichviel , ich war immer Herr meines Willens – warum unterlag ich dem Zauber ! Aber wenn ich jetzt seinen Trug erkannt habe und mich davon losreiße – “ „ Willst Du sie verlassen , wie Du mich einst verlassen hast ? “ unterbrach ihn die junge Frau mit vernichtendem Vorwurfe . „ Meinst Du , daß das uns versöhnen würde ? Ich habe den Glauben an Dich verloren , Reinhold , und der wird mir nicht wiedergegeben , wenn Du jetzt noch eine Zweite opferst . Ich habe keinen Grund , diese Biancona zu schonen oder zu achten , aber sie liebt Dich ; sie hat Dir Alles geopfert , und Du selbst gabst ihr jahrelang ein unbestrittenes Recht auf Deinen Besitz . Wenn Du auch jetzt die selbstgeschmiedete Fessel zerreißen wolltest , uns trennt sie dennoch auf immer . Es ist zu spät ; ich kann Dir nicht mehr vertrauen . “ Es klang ein grenzenloses Weh aus den letzten Worten , aber zugleich eine unbeugsame Festigkeit . In der nächsten Minute hatte Ella das Zimmer verlassen . Reinhold war allein . Es war am Tage , welcher der Festlichkeit folgte , schon gegen Abend , als Capitain Almbach in das Empfangszimmer Reinhold ’ s trat . „ Ist mein Bruder noch immer nicht sichtbar ? “ fragte er den ihm begegnenden Diener . Dieser zuckte die