, als ihr möglich war . » Sie wissen mehr als ich – Ungnade ? Fräulein von Gerold sitzt am Krankenbett Ihrer Hoheit . « Frau von Berg schnappte nach Luft und rauschte in das Zimmer Ihrer Durchlaucht , von wo soeben ein wahres Sturmgeläute ertönte . 24. Die Herzogin schlief , im ganzen großen Gebäude herrschte Todesstille . In dem Zimmer des Rittmeisters von Rinkleben saß Baron Gerold , er hatte den liebenswürdigen Offizier gebeten , sich hier aufhalten zu dürfen , er wolle die nächste Nachricht von dem Befinden Ihrer Hoheit abwarten . Er hatte ein Buch genommen , aber ihm fehlte die Ruhe zum Lesen . Eine finstere Sorge lag über seinem Gesichte und eine qualvolle Unruhe ließ ihn unaufhörlich hin und her wandern . Herr von Palmer hatte seine Stube verriegelt , er befand sich in der denkbar schlechtesten Laune . Ein netter Tag , der heutige , wahrhaftig ! Als er diesen Morgen zum Vortrag in das Arbeitszimmer Seiner Hoheit trat , war ihm der Herzog mit einer ziemlich verwunderten Miene und einem offenen Briefe entgegengekommen . Es war ein vertrauliches Schreiben des Prinzen Leopold , seines Vetters , und enthielt die Frage , wie es zugehe , daß das Hofmarschallamt seit nahezu drei Jahren der Firma C. Schmidt in R. am Rhein keinerlei Zahlung mehr geleistet habe . Der Chef der Firma habe nun des Prinzen Vermittlung erbeten , da auf direkte Anfragen zwar stets neue Bestellungen , aber immer nur ausweichende Antworten betreffs der Rückstände eingetroffen seien . Ja , in dem letzten Schreiben sei mitgeteilt , daß bei fernerem Drängen die Lieferungen dem Hause entzogen werden würden . Herr von Palmer hatte gelächelt und gesagt , es liege ein grobes Mißverständnis vor , Seine Hoheit aber hatte sehr energisch den Wunsch ausgesprochen , diese Angelegenheit so bald wie möglich und bestens geordnet zu sehen . Es war sehr unangenehm , sehr ! Als ob solch Krämerpack nicht borgen müßte bis in alle Ewigkeit , wenigstens so lange bis Herr von Palmer nach einigen Jahren in der Lage sein würde , mit aller Ruhe irgendwohin abzureisen ! Es war doch ein Trost , diese Berg zur Seite zu haben . Wie glänzend hatte sie dieses » Unmöglichmachen « in Szene gesetzt , am Geburtstage des Prinzen ! Die alte Herzogin hatte Klaudine fallen lassen , das war ja unbezahlbar ! Der Mutter gegenüber würde selbst Seine Hoheit nicht den Mut finden , dieses Schäferspiel weiter zu treiben . Wundervoll ! Ganz wundervoll ! Durch das hohe , breite Fenster im Schlafzimmer der Herzogin fielen die letzten Strahlen der scheidenden Sonne . » Klaudine ! « flüsterte eine matte Stimme . Das Mädchen , das in tiefen , schweren Gedanken gesessen , erhob sich und kniete neben dem Bette der Kranken . » Wie geht es dir , Elisabeth ? « fragte sie . » Oh – es geht – es geht besser . Ich fühle , daß das Ende kommt – « » Elisabeth , sprich nicht so ! « » Ist jemand hier , der uns hören könnte ? « fragte die Herzogin . » Nein , Elisabeth , Seine Hoheit ist hinuntergegangen zu den kleinen Prinzen , die Kammerfrau ist mit der Krankenschwester im Nebenzimmer und Frau von Katzenstein bei der Herzoginmutter . « Die Kranke lag ganz still und folgte mit den Augen dem glühendroten Sonnenfleck auf dem Bilde an der Wand , der unmerklich höher und höher glitt , zuletzt noch auf dem Blattwerk des Goldrahmens funkelte und dann erlosch . » Warum hattest du kein Vertrauen zu mir ? « fragte sie plötzlich mit trauriger Stimme , » warum sagst du mir nicht offen alles , alles ? « » Elisabeth , ich hatte dir nichts zu verbergen . « » Lüge nicht , Klaudine ! « rief die Herzogin feierlich , » eine Sterbende soll man nicht belügen ! « Klaudine hob stolz den Kopf . » Ich habe dich nie belogen , Elisabeth . « Ein bitteres Lächeln flog über das bleiche , abgezehrte Gesicht der Kranken . » Du hast mich belogen mit jedem Blick ! « sagte sie entsetzlich klar und kalt , » denn du liebst meinen Gatten . « Ein wahrer Aufschrei unterbrach sie , und schwer lag Klaudines Kopf auf der roten Seidendecke des Krankenbettes . Was sie gefürchtet , was sie bis zur Gewißheit gefühlt hatte , das sagte ihr jetzt der Mund der Frau , die sie so treu , so innig liebte . » Ich mache dir ja keinen Vorwurf , Klaudine , ich will nur , daß du mir versprichst , nach meinem Tode – « » Barmherziger Gott ! « stöhnte das Mädchen und richtete sich wild empor . » Wer hat dieses entsetzliche Mißtrauen in dir geweckt ? « » Mißtrauen ? Wenn du noch fragtest : wer öffnete dir die Augen , um die entsetzliche Wahrheit zu erkennen ? Und er – liebt dich – er liebt dich ! « flüsterte die Herzogin weiter . » Ach Gott , es ist ja so natürlich ! « » Nein ! Nein ! « rief Klaudine außer sich und rang die Hände . » Ach , schweige doch « , bat die Kranke müde , » oder laß uns ruhig sprechen . Ich habe noch so viel zu sagen . « Klaudine war aufgestanden , ihr schwindelte . Was sollte sie tun , um zu beweisen , daß sie unschuldig sei ? Auf den Wangen der Kranken schimmerte es wieder so rot , sie atmete so schwer . » Elisabeth , nur dieses eine Mal noch glaube mir , vertraue mir « , flehte das Mädchen . Die Kranke richtete sich plötzlich auf . » Kannst du schwören « , fragte sie ruhig , » kannst du schwören , daß nie zwischen dir und dem Herzog von Liebe die Rede war ? Schwöre es , schwöre es bei dem Andenken an deine Mutter , und wenn