das ? “ „ Mein Sohn hat sich neben seinen Studien auch als Mechaniker ausgebildet , weil er sagt , daß dies für einen Naturforscher ein großer Vorschub sei und Fräulein von Hartwich , welche das zufällig erfahren hatte , übertrug ihm eine Reparatur an einem ihrer Geräte . Bei dieser Gelegenheit sah er , über welche Schätze sie verfügt . “ Johannes blickte sinnend vor sich hin : „ Hm — so viel ich weiß , ist das Vermögen der Hartwich nicht so bedeutend , um solche großartige Ausgaben von den laufenden Zinsen zu machen , — der Herr Oheim müßte denn seine ehemalige Mündel veranlaßt haben , das Kapital anzugreifen , was eine neue Gewissenlo ­ sigkeit wäre ! “ Nach kurzem Bedenken wandte er sich an den Schulmeister : „ Herr Leonhardt , eine Frage . Wenn ein Mensch eine Gegend von einem bösen , gefährlichen Tier befreien will , tut er besser , dies Tier mit List und Vorsicht in seinen Schlupfwinkeln auszuspü ­ ren , um es dann desto sicherer zu überfallen , oder soll er es durch Lärm und Gewaltmaßregeln zur Unzeit aufscheuchen und warnen , — damit es sich aus dem Staube machen oder zur Wehr setzen kann , be ­ vor man ihm zu nahen vermochte ? “ Der Schulmeister sah ihn befremdet an : „ Ei nun , ein kluger Mann wird sicherlich das Erstere tun . “ „ Das denk ’ ich auch . Nun sehen Sie — Herr Leonhardt , so will ich den Doktor Leuthold Gleissert in seinen Verstecken aufsuchen . Ich habe die Überzeugung , daß dieser Mann ein abgefeimter Bösewicht ist , aber es fehlt mir an Beweisen für diese meine persönliche Ansicht . Ich kann daher nicht eher offen gegen ihn auftreten , bis ich jene gesammelt habe , was natürlich ganz in der Stille geschehen muß . Hiezu , Herr Leonhardt , sollen Sie mir helfen , denn Sie kennen diesen Mann und sein Treiben gewiß besser , als wir Alle . Geben Sie mir Handhaben zur An ­ klage gegen ihn , damit es mir möglich werde , jenes auserlesene Wesen , seine Nichte , von seinem Einfluß zu befreien . “ „ Das will ich gerne “ , sagte Leonhardt . „ Doch lebt er so schlau verborgen , daß ich Ihnen schwerlich Mitteilungen von Gewicht werde machen können ! Das Einzige , was ich allenfalls überwachen könnte , sind seine Korrespondenzen ; denn , da wir im Orte keine Post haben , ist an meinem Hause eine Brief ­ lade angebracht , welche der Briefbote in meiner Stube zu entleeren pflegt . Ich kann also , wenn ich will , die Aufschriften aller im Kasten enthaltenen Briefe lesen . Vielleicht könnten Sie daraus einige Schlüsse ziehen . “ „ Sehr wohl “ , erwiderte Johannes , „ Sie werden mich durch solche Fingerzeige tief verpflichten . “ Er leerte sein Glas und erhob sich . „ Und nun ge ­ ben Sie mir Feder und Tinte , ich will zwei Zeilen an das Schloßfräulein schreiben . “ Der Schulmeister öffnete einen kleinen altmodi ­ schen Pult und legte alles Nötige zurecht . Johan ­ nes schrieb : Mein liebes und geehrtes Fräulein ! Werden Sie mir zürnen , wenn ich Ihnen Gelegen ­ heit gebe , sich auch innerhalb Ihrer weiblichen Grenzen auszuzeichnen , — ich , der sich diesen Mor ­ gen Ihren Unwillen zuzog , da er gegen das Überschreiten derselben eiferte ? In dem kleinen friedli ­ chen Hause des Schulmeisters Leonhardt wird sich bald eine Tragödie entwickeln , wo der materielle und geistige Beistand einer Frau , wie Sie , notwendig wird . Kommen Sie — sehen Sie sich die Leute an , die von Allen im Dorfe Ihrer Güte am würdigsten sind und sie am wenigsten suchten . Lassen Sie je ­ doch die Frau Leonhardt von den obigen Andeutun ­ gen nichts merken . Der arme Mann bedarf feiner Battistläppchen für seine kranken Augen und wagte es nicht , Sie darum zu bitten . Dies wird Ihnen zum Vorwande dienen , eine Beziehung zu den Leuten anzuknüpfen , — wenn Sie wollen — und ich weiß : Sie wollen ! Ich weiß , ich werde Gutes von Ihnen hören , wenn ich wiederkehre — und ich werde wiederkehren — wieder und immer wieder ! Ihr Freund von wenigen Stunden , aber fürs Leben . Johannes siegelte den Brief und gab ihn dem Schulmeister : „ Hier , Herr Leonhardt ist die Bittschrift um Battisttücher . Schicken Sie dieselbe der Hartwich zu . Sollte sie aber vielleicht selbst kommen , so bitte ich Sie und Ihre Gattin , meinen Namen zu verschweigen . Ich möchte dem Fräulein gerne noch einige Zeit unbekannt bleiben . Versprechen Sie es mir ! “ Das alte Paar gelobte Schweigen und nach freundlichem Abschied bestiegen die Herren den Wagen . Johannes nahm die Zügel und weit ausgreifend flog das feurige Roß dahin , als freue es sich der nervigen Hand , die es so leicht und sicher führte . Das alte Paar kehrte in das Haus zurück und beendete sein Mittagsmahl , denn es ging schon auf 12 Uhr , wo in den Dörfern die Nachmittagsschulen wieder beginnen , dann sandten sie den Brief an Ernestine und der Lehrer begab sich in das der Wohnstube gegenüber befindliche Schulzimmer , um seine Schützlinge zu erwarten . Mit dem Schlage Zwölf trampelten und trippelten die verschiedenen grö ­ ßeren und kleineren Füße der Dorfjugend durch den Hausflur und verschiedene Finger und Fingerchen hämmerten und tippten an die Türe , bis das be ­ dächtige „ Herein “ erscholl , welches abgewartet werden mußte ; denn Herr Leonhardt hielt gar sehr auf Zucht und Ordnung , und er wußte auch , sich in Respekt zu setzen . Die Stunden in der Schule waren bei den meisten Kindern die artigsten ihres ganzen Lebens . Es war sonderbar . Herr Leonhardt schlug kein Kind , er