2 ] [ 856 ] aber unter diesen Verhältnissen giebt ’ s keinen andern Ausweg ; ich nehme ihr Anerbieten an . “ „ Du wolltest – Du könntest das ? Du könntest zu ihr gehen , die mich betrogen hat , Großmama ? “ fragte der junge Mann und faßte nach ihrer Hand . „ Es bleibt mir nichts Anderes übrig ; ich mag nicht mit jenen Leuten dort unten Gemeinschaft haben ; ich will es nicht , und ich thue es nicht , “ beharrte sie . „ Dann ist es freilich besser , Du gehst , “ sagte er leise und wandte sich um . „ Das ist also der Dank für all meine Liebe ! Das ist die Erfüllung aller Hoffnungen die ich auf Dich gesetzt hatte ! “ stieß sie hervor . Incredibile ! „ Wenn ich mir denke , Du dort unten im Comptoir auf dem Schreibstuhl des Herrn Schwiegervaters ! “ fuhr sie athemlos fort , „ schreibend und Geschäftsbücher führend , Du , der Du die Aussicht auf eine glänzende Carriere so unsinnig um die Ohren schlägst – “ „ Ich müßte auch zufrieden sein , hätte mir mein Schwiegervater den Schreibstuhl angewiesen , aber er hat es besser mit mir gemacht , Lieschen bringt mir als Mitgift unser altes Familiengut zu , ich werde wieder Herr auf Derenberg sein . “ Er hatte langsam gesprochen und jedes Wort betont . Sie wandte sich mit einem Ruck herum ; ihre großen Augen sahen wie verschleiert zu ihm herüber , als glaube sie seinen Worten nicht . „ Theuer genug erkauft ! “ stieß sie dann mühsam hervor . „ Wieso ? “ „ Weil Du unaufhörlich an eine Frau gekettet sein wirst , die Deine Standesgenossen über die Achsel ansehen , und endlich , die Du nicht liebst , nie lieben wirst ! “ „ Wer sagt Dir das ? “ fragte er , und ein feines Lächeln spielte um seinen Mund , „ sollte das Letztere so unmöglich sein ? Ich dächte , Du wüßtest das Gegentheil aus eigener Erfahrung . Denke doch an den verschollenen Großonkel Fritz und die schöne Lisett ! – “ Die alte Dame antwortete nicht ; sie setzte sich mit einer heftigen Bewegung in den Lehnstuhl zurück , und ihre Finger zerknitterten den Brief Blanka ’ s , aber ihr Gesicht war bleich geworden , so bleich , wie die Spitzen ihrer Haube . „ Mein Schwager hat nie daran gedacht , jenes Mädchen zu heirathen , “ sagte sie endlich , „ darauf hin muß ich ihn in Schutz nehmen , es war so eine Liebschaft , wie Cavaliere sie zu Dutzenden zu haben pflegen ; die Kenntniß dieser Geschichte sollte Dich erst recht von dem unsinnigen Gedanken abhalten , ein Mädchen aus jenem Hause zu Deiner Frau zu machen ! “ „ O nicht doch , im Gegentheil ! Wenn mich etwas in meinem Beschluß noch bestärken konnte , so war es dies , ich mache dadurch in Etwas gut , was sinnloser Hochmuth und unedle Rache einst verbrach . “ „ Diese dunklen Andeutungen sind mir gänzlich unverständlich , “ unterbrach sie ihn , und erhob sich erregt , „ der Bruder Deines Großvaters war ein Mensch , der keine Direction über sich hatte , der ein lockeres , leichtsinniges Leben führte – er ist verkommen , Gott weiß wo ? Er war ein Heuchler , der seine frivolen Gesinnungen unter der Maske eines biederen ehrenwerthen Exterieurs vortrefflich zu verbergen wußte ; es thut mir leid , daß Du Dir eine Legende aufbinden ließest , in welcher dieser moralisirende Husarenofficier sammt jener Lisett die Rolle der Heiligen spielt . – Aber deshalb gerade , weil bereits einmal solch unpassende Beziehungen angeknüpft waren zwischen uns und Jenen dort unten , Beziehungen , die – Gott sei Dank ! – durch ein höheres Einsehen zerrissen wurden , deshalb wiederhole ich Dir , werde ich nun und nimmermehr das Mädchen als Deine Braut betrachten , nun und nimmermehr ihr je meine Hand reichen , und bestehst Du auf Deinen Willen – gut , so gehe ich – ich weiß jetzt wohin “ – sie hob den Brief Blanka ’ s empor ; „ und obgleich es mir schwer wird , diesen Schritt zu der zu thun , die Dich betrog , ich ziehe ihn doch vor gegenüber der Aussicht , mit dieser Person in einem Hause zu leben . “ Ihre Lippen bebten , und ihre Augen funkelten im Zorn . „ Gut , so geh ’ , Großmama ! Es thut mir leid , daß es so kommt , aber Du hättest das vollste Recht , zu sagen , ich sei kein Mann , ich sei ein weichlicher Träumer , dem das bischen Unglück den Arm gelähmt hat – wenn ich meinen Entschluß änderte ; ich kann es nicht als Mann von Ehre , ich will es nicht , weil ich nicht so thöricht sein werde , eine ganze Zukunft voll Glück von mir zu werfen . “ „ Du selbst heißest mich gehen ? “ fragte die alte Dame athemlos . „ Nein , Großmama , am liebsten sähe ich , daß Du in meinem Hause friedlich weiter lebtest , aber da Du mich vor die Wahl stellst : Dich oder sie – so kann ich nur aus vollster Seele sagen : ‚ meine Braut ! ‘ “ Er hatte laut gesprochen , und die Worte hatten einen ehrlichen , freudigen Klang . „ Gut , “ erwiderte sie , „ ich gehe , und wenn Du auf den Knieen vor mir lägest und Ihr Alle zusammen händeringend flehtet , ich sollte bleiben , ich werde dennoch gehen . Es ist schändlich ; es ist unerhört – “ Sie riß mit zitternder Hast an der Glockenschnur und begann verschiedene Fächer ihres Schreibtisches auszuziehen ; Briefe , Kästchen , kleine Schachteln flogen in wirrem Durcheinander hinaus . „ Meine Reisekoffer , “ befahl sie der