leicht geröteten Wangen im Zimmer hin und her . Als ich eintrat , verbarg sie schnell ein Papier in ihrer Tasche . Ich sah sie ganz entzückt an , schöner war sie mir noch gar nicht erschienen als in dieser Aufregung in dem leichten , weißen Hauskleide . Sie schien erfreut , mich zu sehen , und – Gretchen , was soll ich diese Szene ausmalen ! – ich sagte ihr , daß ich sie liebe . Zur Belohnung dafür erzählte sie mir , daß es definitiv gewiß sei , du wärst verlobt mit dem jungen Pastor , allerdings noch heimlich . Ich gestehe , ich erhielt einen Augenblick meine Besinnung zurück , ich starrte sie an , als phantasiere sie . Aber bald fühlte ich eine namenlose Verachtung für Dich , ich war wütend über Deine Untreue und vergaß ganz , daß ich ebenfalls treulos handelte . Eine häßliche , frivole , verzweiflungsvolle Stimmung erfaßte mich , ich konnte der schönen , eben noch so heiß begehrten Frau kein Wort mehr von Liebe sagen , und in beißender Rede ergoß sich meine Laune über sie , über Dich , über jeden , der mit mir sprach . Ich sah Dich dann nachher bei Tische neben dem vermeintlichen Bräutigam und hörte Dich das Lied singen , das Du einst an jenem Abend gesungen hast , wo ich Dir zuerst begegnete . Ich stürzte fort , ich wollte nichts hören und lief wie ein Wahnsinniger in dem dunklen Park umher . Ich verfluchte alle Weiber , ich haßte Ruth , ich haßte Dich noch mehr – da trafen wir uns . Ich höre noch Deine bebende , flehende Stimme , mit der Du meinen Namen riefst . Ich nahm mich gewaltsam zusammen – Du solltest nicht wissen , wie ich litt – und ging anfangs stumm an Dir vorüber , ich wollte Dir zeigen , wie grenzenlos ich Dich verachtete . Ich ritt dann , nach einer stürmischen Szene mit Bergen und dem Onkel , in der Nacht fort wie ein Verrückter , Bergen jagte mir nach – seine Fragen , seine Zusprache machten mich nur noch wütender . Zum Glück war ein Kommando auf einige Monate nach Potsdam zu stellen . Bergen vermittelte , daß ich es übernehmen durfte ; er blieb bei mir bis zur Abreise . Noch vorher kam Dein Brief . Ich warf ihn ungelesen ins Feuer . Bergen ahnte wohl , um was es sich handelte . Er fragte mich auch nach Dir , ich aber antwortete ihm nicht und verließ G. mit zerrissenem Gemüt . Kaum war ich in Potsdam angelangt , so traf bereits ein Brief meiner Cousine ein , dann noch einer und noch einer . Schließlich fand ich Gefallen an den kleinen , eleganten , kapriziösen Billetten . Ich antwortete zuerst nur kurz , dann länger , regelmäßig , und schließlich hatte mich die Schreiberin ebenso bezaubert wie in Person . Diese Briefe waren zuletzt Liebesbriefe in aller Form geworden , und als ich Weihnachten von meinem Kommando zurückkehrte , wußte ich schon , daß mich eine zärtliche Braut erwartete . Onkel und Tante waren hoch erfreut , nur Bergens betrachteten mich mißtrauisch . Hanna mied geflissentlich meine Nähe . Die Wahrheit zu sagen , der Gedanke war mir peinlich , ich könnte Dir begegnen . Ich hatte erfahren , daß Du keineswegs die Braut des jungen Pastors geworden warst . Es dämmerte mir bereits eine Ahnung auf , meine schöne Braut könne ein unredliches Spiel gespielt haben . Doch ein Blick auf diese zierliche Gestalt und dies strahlende Gesicht ließen mich jeden Zweifel vergessen . Einmal erzählte mir der reizende Mund unter allerhand Plaudereien auch von Dir , daß Dein geistlicher Freier sich urplötzlich von Dir zurückgezogen habe . Diese Äußerung zog eine Reihe von Gedanken nach sich . Ich glaubte zuerst , der junge Mann habe vielleicht von unserem früheren Verhältnis Kunde bekommen und sei deshalb zurückgetreten . Dann aber kam mir wie ein blendendes Licht der Gedanke : sie hat ihm einen Korb gegeben ! Ach , Gretchen , welch ein Rätsel ist doch das Menschenherz ! – Ich war treulos , ich liebte mit aller Glut eine andere , und doch , die Vorstellung , Du könntest mich noch lieben , könntest meinetwegen jenen abgewiesen haben , rief ein unsäglich wonniges Gefühl in mir hervor . Diese Vorstellung schwand nicht . Ich horchte mit Eifer auf jedes Wort , was auf Dich Bezug hatte , und dabei rückte die Zeit näher und näher , die mich für immer mit Ruth vereinigen sollte . Manchmal war ich in unbeschreiblicher Aufregung . Es gab Tage , wo ich stundenlang an meinem Schreibtische saß , mit leerem Briefbogen vor mir . Ich wollte an Dich schreiben , Dir sagen , wie alles gekommen , um Aufklärung bitten – und dann schien es mir wieder unmöglich . Ich warf die Feder weg und ging unter die Kameraden . Dort , wo man mich als Bräutigam der schönsten Frau beneidete , wo ich die Fragen nach dem Befinden der Gräfin beantworten , die Komplimente der älteren Offiziere über mein Glück , die begeisterten Reden über Ruths wunderbare Schönheit hören mußte , schalt ich mich selbst einen dummen Teufel und warf mit aller Gewalt die peinigenden Gedanken und Zweifel in den finstersten Winkel meines Herzens . Ich zwang mich , stolz und glücklich zu scheinen . Am andern Tage ritt ich dann zu meiner Braut , und wenn ich sie so vor mir stehen sah in all dem Zauber , dann glaubte ich selbst einen Augenblick , das Glück habe mir seine köstlichste Perle in den Schoß geworfen . Unter solchen Kämpfen und Zweifeln kam der Hochzeitstag . Nun gab es keine Umkehr mehr . – Am Tage vorher war ich in unsere , mit allem erdenklichen Luxus eingerichtete Wohnung , war in Ruths blaues , spitzenduftiges Boudoir getreten und hatte daran gedacht , wie ich mir früher dies alles so anders ausgemalt hatte