mit ihm vereint . Sagte ich nicht vor wenigen Tagen , ich habe Nichts weiter mit ihm zu thun , als meinen Gehalt von ihm zu empfangen ? Verbot ich mir nicht , ihn in einem andern Lichte anzusehen , denn als meinen Zahlmeister ? Lästerung gegen die Natur ! jedes gute , wahre und kräftige Gefühl , das ich besitze , sammelt sich instinktmäßig um ihn . Ich weiß , ich muß meine Empfindungen verbergen : ich muß meine Hoffnung unterdrücken : ich muß mich erinnern , daß er sich nicht viel um mich kümmern kann . Wenn ich sage , ich bin von seinerArt , so meine ich nicht damit , daß ich seine Macht , Einfluß zu üben , und seinen Zauber der Anziehungskraft besitze : ich meine nur : daß ich einen gewissen Geschmack und gewisse Gefühle mit ihm gemein habe . Ich muß also beständig wiederholen , daß wir auf immer getrennt sind — und doch muß ich ihn lieben , so lange ich athme und denke . “ Der Kaffee wird herumgereicht . Seit die Herren eingetreten , fin die Damen lebhaft wie Lerchen geworden : die Unterhaltung wird heiter und belebt . Oberst Dent und Herr Eshton unterreden sich über Politik , und ihre Frauen hören zu . Beide stolzen Wittwen Lady Lynn und Lady Ingram besprechen sich miteinander . Sir George , den ich , beiläufig gesagt , zu beschreiben vergessen , und der ein sehr wohlbeleibter und frisch aussehender Landedelmann ist , steht , die Kaffeetasse in der Hand , vor ihrem Sopha und mischt von Zeit zu Zeit ein Wort ein . Herr Frederick Lynn hat neben Maria Ingram Platz genommen und zeigt ihr die Kupfer in einem Prachtwerke : sie sieht und lächelt von Zeit zu Zeit , scheint aber wenig zu sprechen . Der große und phlegmatische Lord Ingram lehnt sich mit gefalteten Armen auf die Stuhllehne der kleinen und lebhaften Amy Eshton ; sie blickt zu ihm auf und plappert wie ein Zaunkönig : ihr gefällt er besser als Herr Rochester . Heinrich Lynn hat eine Ottomane zu Louisens Füßen in Besitz genommen ; Adele theilt dieselbe mit ihm : er versucht , französisch mit ihr zu reden und Louise lacht über seine Fehler . Zu wem wird sich Bianca Ingram gesellen ? Sie steht allein am Tisch , graziös über ein Album geneigt . Sie scheint zu warten , bis man sie aufsucht ; doch sie will nicht zu lange warten : sie sucht sich selber einen Gefährten . Nachdem Herr Rochester die Eshtons verlassen , steht er so einsam am Kamin , wie sie am Tische da ; sie wendet sich zu ihm und stellt sich an die andere Seite des Kamins . „ Herr Rochester , ich meinte , Sie wären kein Freund von Kindern ? “ „ Das bin ich auch nicht . “ „ Was bewog Sie denn , sich jener kleinen Puppe anzunehmen ? “ sagte sie , auf Adele deutend . „ Wo haben Sie sie aufgelesen ? “ „ Ich habe sie nicht aufgelesen , sondern man ließ sie in meinen Händen . “ „ Sie hätten sie in eine Schule schicken sollen . “ „ Ich konnte nicht so viel aufwenden ; die Kostschulen sind so theuer . “ „ Ei , Sie halten wohl gar eine Erzieherin für sie : ich sah eben eine Person bei ihr — ist sie fort ? O nein , da sitzt sie hinter dem Fenstervorhange . Sie müssen sie doch natürlich bezahlen , und das , dächte ich , müßte eben so viel kosten oder noch mehr , denn Sie müssen Beide noch obendrein erhalten . “ Ich fürchtete oder ich sollte sagen , ich hoffte — daß diese Anspielung Herrn Rochester bewegen werde , nach mir hinzublicken , und ich zog mich unwillkürlich weiter in den Schatten zurück ; aber er wendete seine Augen nicht zu mir . „ Ich habe den Gegenstand nicht überlegt , “ sagte er gleichgültig und gerade vor sich hinsehend . „ Nein — Ihr Männer denkt doch nie an Sparsamkeit und gesunden Verstand . Sie sollten Mama über das Kapitel der Erzieherinnen reden hören : Maria und ich haben zu unserer Zeit wenigstens ein Dutzend gehabt ; die eine Hälfte war abscheulich und die andere lächerlich — lauter Kobolde , nicht wahr , Mama ? “ „ Sprachst Du mit mir , mein liebes Kind ? “ Die junge Dame , welche die Wittwe als ihr Eigenthum in Anspruch genommen , wiederholte die Frage mit einer Erklärung . „ Meine Theuerste , “ antwortete die Mutter , „ nenne nur die Erzieherinnen nicht : das Wort macht mich nervös . Ich habe ein Märtyrerthum ausgestanden bei ihrer Unfähigkeit und ihren Launen : dem Himmel sei Dank , daß ich jetzt Nichts mehr mit ihnen zu thun habe ! “ Mistreß Dent neigte sich hier zu der menschenfreundlichen Dame hinüber und flüsterte ihr etwas ins Ohr : aus der darauf folgenden Antwort schließe ich , es sei eine Erinnerung gewesen , daß eine von dem verurtheilten Geschlecht zugegen sei . „ Um so viel schlimmer ! “ sagte Ihre Herrlichkeit , „ ich hoffe es wird ihr wohl thun . “ Darauf sagte sie in leiserem Tone , aber noch so laut , daß ich es hören konnte : „ Ich beobachtete sie : ich verstehe mich auf die Physiognomik , und in ihrem Gesichte sehe ich alle Fehler ihrer Klasse . “ „ Welches sind die , Madame ? “ fragte Herr Rochester laut . „ Ich will es Ihnen später allein sagen , “ versetzte sie mit furchtbarer Bedeutsamkeit mit ihrem Turban nickend . „ Aber meine Neugierde kann nicht so lange warten und fordert jetzt ihre Nahrung . “ „ Fragen Sie Blanca : sie ist Ihnen näher , als ich . “ „ O ! verweisen Sie ihn nicht an mich , Mama . Ich habe nur ein Wort über das