Paris und in französischen Königsschlössern zugebracht , wo die prunkvolle Tobsucht des Königs auf alle lebenden und toten Dinge seiner Umgebung abfärbte und aller höfische Brauch eine verrückte Schamlosigkeit atmete , für welche die Königin , Ludwigs Schwester Isabeau , das Vorbild stellte . Und als Herr Ludwig vor Jahren aus Frankreich flüchten mußte , hatte er diese Pfandstücke , für die er dem König und der Königin bayrisches Geld geliehen , nach Ingolstadt entführt - nicht adle mit gutem Recht . Seine Freunde nannten ihn drum einen klugen Kaufmann - sein Vetter Heinrich zu Burghausen sagte : » Der Ingolstädter Dieb ! « In diesem Schimmersaal , bei der Türe , die zur Tagstube des Herzogs führte , saß ein bejahrter Mann , der Kämmerer Wolfgang Graumann , Herrn Ludwigs getreuer Wolfl . Neben ihm , auf einem großen , roten Kissen , ruhten zwei schöne , starke Hunde , braun und weiß gefleckte Bärenfinder , die aus dem berühmten Jagdhundzwinger des bayrischen Oberstjägermeisters Kaspar Törring stammten und des Herzogs Begleiter auf allen Wegen waren . Der Einrösser machte seine Meldung , und Wolfl trat durch die Tür . Eine wohnliche Stube . Wertvolle Gemälde an den dunklen , mit goldbedrucktem Leder überspannten Wänden . Auffällig waren die vielen kleinen Statuetten von Bullenbeißern mit gefletschten Zähnen . Sie ersetzten die Spruchbänder , die in Herzog Heinrichs Stube zu Burghausen waren . Auf dem Marmorgesimse des französischen Kamines stand das größte dieser Bluthundbilder , ein schwerer Bronzeguß , auf dessen Sockel die lateinischen Worte zu lesen waren : » Memento , quia canis est ! « Nach der Heimkehr vom Konzil zu Konstanz , als ein von schweren Wunden Genesener , hatte Herr Ludwig bei der Aufstellung dieser Gedächtnisstatue lachend gesagt : » Wenn ich den Mörder Heinrich einmal gebunden da herein schleppe , muß er sich das übersetzen lassen : Vergiß nicht , was für ein Hund das ist ! Selber versteht er ' s nicht . « Die Stube hatte nur zwei winzige Fenster , bekam aber eine Fülle von Licht durch den neuen Erker , der aus einer Ecke des Raumes gegen die Donau hinausgebaut war . In diesem Erker hingen zierliche Goldkäfige mit fremdländischen Singvögeln , daneben ein größerer Flugkäfig mit kleinen grünen Papageien , die unter ruhelosem Gezwitscher allerlei wunderliche Maschinerien trieben , wenn sie Futter nahmen . Mit diesem steten Vogelgeschwätz und dem Traufengeplätscher des Regens mischte sich der Klang eines kunstvollen Lautenspiels . Der Musikus , in Scharlachfarbe gekleidet , ein Dreißigjähriger mit verschmitztem Geweht , saß in einem Polsterstuhl des Erkers , Peter Nachtigall , der Hoflautner des Herzogs , der Vertraute und geheime Briefbote bei seines Herrn verschwiegenen Zärtlichkeiten . In diesem sekreten Dienste hatte Peter Nachtigall viel zu tun , obwohl Herr Ludwig im Bart , der zu Paris seine beiden Gemahlinnen begraben hatte , schon im sechsundfünfzigsten Lebensjahre stand . In seinem stattlichen Wuchs und seiner strotzenden Lebenskraft sah der Herzog wie ein Vierziger aus . Sein Vater Stephan war ein zierliches Männchen gewesen und Ludwigs Mutter Taddäa Visconti , die Schwester von Heinrichs Mutter Maddalena , eine schlanke , feingelenkige Südländerin . Und dennoch hatte sich der Sohn solcher Eltern , das Bild des kaiserlichen Ahnherrn wiederholend , zu diesem prachtvollen , mit Stolz und Lachen begabten , ritterlich gestalteten Mannsbild ausgewachsen , während alles Kleine und Lebensdunkle der Eltern auf seine an Gesicht und Körper zierliche Schwester Isabeau gekommen war , die auf dem Throne von Frankreich saß als das übelste Weib ihres Landes . Am Pariser Hof hatte Ludwig , der sich Loys zu nennen liebte , den scharmanten Schliff französischer Sitten angenommen und sich geschult in französischem Mutwillen . Doch er hatte bei seiner Flucht aus Frankreich - neben einer kleinen , häßlichen französischen Narbe am Hals - auch eine zweifelhafte Schätzung des deutschen Wesens mit heimgebracht und eine weitgehende Skrupellosigkeit in der Wahl der Mittel bei seinen zahlreichen politischen Händeln . Es mischte sich in ihm viel Gutes mit viel Bedenklichem : ein reizbares und leichtsinniges Blut mit einem lebhaften , für alles Schöne empfänglichen Gemüt , harter Eigenwille mit rascher Barmherzigkeit , hochfahren des Wesen gegen seinesgleichen mit leutseliger Güte gegen Anne und Niedrige . Als Wolfl die Stube betrat , fand er den Herzog zu einer Stunde , die in Ludwigs großen , dunkelblauen Augen alles Gute seines Lebens glänzen machte . Neben dem reich geschnitzten Tisch , der viele Laden und Geheimfächer hatte , stand er hoch und stattlich , in einem lose gegürteten , aus Gold und Grün gewobenen Brokatrock , die rote , mit Hermelin verbrämte Sammetmütze über dem braunblonden , nur von wenigen grauen Fäden durchzogenen Haar . Der dunkelblonde , nach französischer Art geschnittene Vollbart umrahmte das kräftig gefärbte Gesicht mit der starken Nase und den roten , sinnlich geschwellten Lippen . Eine dicke Narbe ging schräg über die Stirn , und an den schön gepflegten Händen waren die Male schwerer Schnittwunden zu sehen - die Erinnerungszeichen an jene blutige Rächernacht zu Konstanz . Mit diesen Händen hielt Herr Ludwig in Zärtlichkeit die Hand eines schönen , zwanzigjährigen Jünglings umschlossen , der in dunklen Reisekleidern vor dem Herzog stand wie ein in Jugend erneutes Ebenbild des Fürsten : Jungherr Wieland , Sohn der schönen Jungfrau Canetta , der Tochter des herzoglichen Rates Wieland Swelher zu Neuburg . Ohne die Hand des Jünglings zu lassen , hob Herr Ludwig das Gesicht . » Mein guter Wolfl , was bringst du ? « » Ein Bote vom heiligen Peter zu Berchtesgaden ist eingeritten , Herr Lampert Someiner , mit einem Brief , der eilig ist . « » Keine Botschaft ist so eilig , daß sie der Reinlichkeit nicht Zeit gewähren könnte . « Herr Ludwig sah zum Fenster , vor dem der Regen versiegte . » Der Ärmste hatte böses Reisewetter . Man soll ihm ein heißes Bad richten . Laß ihn essen und trinken , was ihm schmeckt . Dann kleid ihn aus meiner Kammer ! «