ein schwarzer Tag mit Kreuzen steht der Tag im Kalender der Wasserkante , denn er hat viel Unglück und Haverei gebracht . Die Eiderdeiche waren an drei Stellen gebrochen , weite Strecken der Marsch standen tief unter Wasser , viel Vieh war in den Fluten ertrunken , Häuser waren abgedeckt , Scheunen waren umgeweht , starke Bäume waren entwurzelt . Auf Scharhörn war eine große , englische Bark gestrandet und mit Mann und Maus spurlos verschwunden , beim zweiten Feuerschiff war ein Lotsenschoner umgekippt , und dwars von der Kugelbake guckte der Mast einer gesunkenen Jalk aus dem Wasser , Cuxhaven aber lag bis an den Leuchtturm voll haverierter Schiffen . Von Finkenwärder wurden noch sieben vermißt , fünf Kutter und zwei Ewer , darunter Klaus Mewes . Tag für Tag lauerten sie am Deich auf sie und sprachen von nichts anderm als von ihnen : alles andere mußte zurücktreten , bis sie Gewißheit über das Schicksal der sieben Fahrzeuge , der einundzwanzig Menschen hatten . Um den sie sich am wenigsten sorgten , das war Klaus Mewes , denn ein Mann wie Klaus Mewes , ein Fischermann wie kein zweiter , mit dem großen , seetüchtigen Ewer unter den Füßen und guten , befahrenen Leuten an Bord , der blieb nicht so leicht , der mußte ja wiederkommen ; der hatte schon viele , schwere Stürme bestanden und sich immer oben gehalten . Mehr bangten sie um den andern Ewer mit den geflickten Segeln und um die Kutter mit ihren blutjungen , dreisten Schiffern und den wenig befahrenen , butenländischen Leuten : die mochten ihre Last gehabt haben , nicht aber Klaus Mewes . Es kam aber anders , als sie dachten , denn der alte Ewer und die Kutter kamen nach und nach alle binnen , wenn auch kein Fahrzeug ohne Haverei war . Nur der eine Ewer , Klaus Mewes , wollte sich nicht wieder angeben , weder auf der Weser noch auf der Elbe . Tag um Tag verging , und aus Tagen wurde eine Woche , wurden Wochen , und Klaus Mewes kam nicht wieder . Drei Sonntage tat Bodemann von der Kanzel herab Fürbitte für ihn und die beiden Leute , und er betete stark und ergreifend , daß es wie ein großes Weinen durch die Kirche ging , denn der Untergang dieses großen , fröhlichen Seefischers ging ihm sehr nahe . Wer mag noch Fischer sein , wenn solche Männer bleiben , dachte er . Dann mußte die Hoffnung aufgegeben werden : Klaus Mewes war verschollen . Sie mußten es endlich glauben , daß sie seine Flagge nicht mehr flattern sehen würden , daß er nicht mehr lachenden Gesichts den Deich entlangkommen konnte , daß Kap Horn nicht mehr bei den Hochzeiten aufspielte , und daß Hein Mück nicht mehr mit den Mädchen tanzte . Was für ein Mann Klaus Mewes gewesen war , merkten die meisten erst jetzt ! Gut und fröhlich war er gewesen , jedem hatte er ein freundliches Wort gegönnt , auf Fische war es ihm nie angekommen , wo er helfen konnte , da hatte er geholfen , mit Rat und Tat , vielen war er in ihrer harten Fischerei ein Trost gewesen , der junge , lustige Fischermann , der lachend gefahren war , singend gefischt hatte und jubelnd aufgekommen war . Bei ihm an Bord hatte die Lebensfreude das Wort gehabt ; er war ein Seefischer aus Lust gewesen , nicht aus Gewohnheit , Zwang oder Not , wie so manche es waren . Auf dem Neß war es nun wirklich so , wie Klaus Mewes damals auf den Watten gesehen hatte : alle Fenster waren dicht verhängt , und vor der verschlossenen Tür , auf den Stufen , auf der Bank und auf den Kastellen standen der Hahn und die Hühner und warteten hungrig auf ihr Futter . Im Hause war es halb dunkel , kein Sonnenstrahl kam mehr in die Stuben , die Klaus Mewes mit seinem Lachen erfüllt hatte . Verhängt waren der Spiegel und das große Bild des Ewers . Gesa schlich nur noch wie ein Gespenst durch die totenstillen Räume . Meistens saß sie in der dämmerigen Küche und starrte vor sich hin oder sie weinte . Ihre Tür schloß sie zu , denn sie wollte keinen Menschen sehen . Die vielen Frauen , die Tag für Tag kamen , nach ihr zu sehen und sie zu trösten ( denn nun Gesa schwarze Kleider trug und Witfrau geworden war , galt sie für eine Finkenwärderin ) , mußten gewöhnlich umkehren , ohne sie gesehen und ihren Kaffee geschmeckt zu haben . Auf dem Deich ließ sie sich selten sehen , denn sie konnte den Anblick des vielen Wassers nicht mehr ertragen , konnte keine Ewer mehr vorbeisegeln sehen , ohne daß ihr die Augen übergingen . * * * Und Klaus Störtebeker ? Der saß wohl bei ihr , in der dunkeln Küche , und weinte mit ? Nein , das tat er nicht ! Er weinte nicht , denn er glaubte nicht , daß sein Vater untergegangen war , daß der Ewer nicht wiederkommen konnte , daß er Kap Horn und Hein Mück und Seemann nicht wiedersehen sollte ! Sein Vater war nicht weg , der lebte und fischte noch ! Der kam wieder , ganz gewiß kam er wieder , die Reise dauerte diesmal nur etwas länger , weil sie so viel vor Wind hinter Wangeroog liegen mußten , aber wieder kam er ganz gewiß , er hatte es ja selbst gesagt . Felsenfest war das Vertrauen des Jungen auf dieses Wort seines Vaters , und unerschütterlich war sein Glaube . » Störtebeker , dien Vadder is bleben « , sagten die andern Jungen zu ihm , aber er schüttelte ruhig den Kopf und antwortete : » Wat weet ji dorvan af ? « - » Doch , Vadder hett dat seggt ! « - » Denn segg dien Vadder man , dat is ne wohr . Vadder kann