der Verstorbene auch noch nach seinem Tode auf die Indianer , besonders aber auf die Apatschen und die ihnen verwandten Völkerschaften äußerte . Die beiden Enters hörten nur zu . Sie sprachen nicht , kein Wort , aber man sah ihnen an , wie ganz und gar sie bei der Sache waren . Das freute mich . Sie hatten wahrscheinlich von Seiten ihres Vaters und seiner Genossen so viel Feindseliges über mich und Winnetou gehört , daß es ihnen gar nichts schaden konnte , jetzt einmal etwas Besseres und Richtigeres zu erfahren . Der » junge Adler « fühlte in seiner Feinsinnigkeit , welche stillen Absichten ich während dieses Gespräches mit dem Brüderpaar verfolgte , und er ging auf diese Absichten ein , indem er mich in dem Bestreben , ihren Haß in Achtung umzuwandeln , unterstützte . Das Abendessen brachte hierin eine nur kurze Unterbrechung Als es vorüber war , griff Pappermann nach einer der Zigarren , von denen er sich aus Trinidad einen Vorrat mitgenommen hatte . Die beiden Enters zogen , dies sehend , ihre kurzen Pfeifen und die Tabaksbeutel aus den Taschen . Sie schauten fragend zu dem Herzle herüber und bekamen die gewünschte Erlaubnis bereitwillig zugenickt . Der » junge Adler « rauchte nicht . Er behauptete , nur bei Beratungen zu rauchen , und zwar nur aus dem Kalumet , sonst nicht . Was mich betrifft , so weiß man , daß ich sehr , sehr stark rauchte . Ich gestehe sogar ein , daß ich der stärkste von allen Rauchern war , die ich kennen gelernt habe . Jetzt bin ich es nicht mehr . Es sind nun fünf Jahre her , da bat mich das Herzle , nicht mehr so viel zu rauchen . Sie meinte , ich habe meinen Lesern noch außerordentlich viel zu sagen und müsse also trachten , so lange wie möglich zu leben . Da legte ich die Zigarre , die ich im Munde hatte , weg und sagte : » Das ist die letzte gewesen im Leben ; ich rauche nie wieder ! « Warum hätte ich meiner Frau nicht gehorchen sollen ? Sie hatte doch Recht ! So stand ich also nun auf demselben Punkte wie der » junge Adler « : Höchstens nur noch bei indianischen Beratungen zu rauchen , und zwar aus dem Kalumet , sonst nie ! Trotzdem fällt es mir nicht ein , die anregende Wirkung einer guten , verständig genossenen Zigarre oder Pfeife zu leugnen , und ebensogut ist mir sehr wohl bekannt , daß unsere alltägliche Phantasie am liebsten und wohl auch am bequemsten auf Tabakswölkchen aus der Tiefe in die Höhe steigt . Das Gedächtnis scheint geöffnet und die Seele zur Mitteilung bereitwilliger zu werden . Das beobachtete ich jetzt auch am » jungen Adler « . Er rauchte zwar nicht selbst , aber seine Hand spielte mit den Ringeln und Ringen , die der neben ihm sitzende Pappermann seinen Lippen entgleiten ließ . Er sog den Duft von dessen Zigarre mit Behagen ein und schien hierdurch eine ganz andere Gedankenrichtung und Ausdrucksweise zu bekommen . Es ist gewiß mehr als sonderbar , daß der freie Indianer niemals zum Gewohnheitsraucher wird und doch , oder vielleicht grad deshalb den besseren und feineren Wirkungen des Nikotin zugänglich ist . Er raucht nur in besonders wichtigen und heiligen Augenblicken . Der » junge Adler « besaß ein reiches Innenleben ; aber er war schweigsam . Heut trat er zum ersten Male , seit ich ihn kannte , ein wenig aus sich heraus , aber auch nur vorsichtig , und so nach und nach . Von sich selbst sprach er nicht , sondern ausschließlich nur von Winnetou , und ich hatte das Gefühl , daß es der Einfluß des narkotischen Duftes war , der ihm die Lippen öffnete . Das Herzle benutzte diese Gelegenheit zu einer Frage , deren Beantwortung ihr schon seit unserem kurzen Aufenthalt am Kanubisee auf dem Herzen lag . Der junge Apatsche hatte soeben von dieser unserer Begegnung mit der schönen Aschta gesprochen , da fragte meine Frau : » Ich sah den Stern auf ihrem Gewande , und ich sehe ihn auch hier bei Euch . Was ist es mit diesem Stern ? Und was ist es mit Winnetou und Winnetah ? Oder dürft Ihr es nicht sagen ? Ist es ein Geheimnis ? « Er schloß für kurze Zeit die Augen . Dann öffnete er sie wieder und antwortete : » Es ist kein Geheimnis . Jedermann darf es hören . Ja , wir wünschen sogar , daß alle Welt es erfahre und dasselbe tue wie wir . Aber soll ich grad hier davon sprechen und grad jetzt ? « Während dieser Worte berührte sein Blick die beiden Enters . Ich verstand ihn und erwiderte : » Warum nicht ? Es gibt kein Hindernis . « » So sei es ! « Er schloß die Augen wieder und dachte nach . Dann begann er : » Ich wollte , ich dürfte in der Sprache der Apatschen zu euch reden ; denn diese Sprache bildet das Gewand , in welchem das , wovon ich spreche , mir in das Herz gestiegen ist . Die Sprache der Bleichgesichter wirft häßliche Falten um diese Gestalten meines Innern . « Er hatte die Augen noch geschlossen gehalten . Jetzt schlug er sie auf und fuhr fort : » Es gibt in weiter , weiter Ferne von hier ein Land mit dem Namen Dschinnistan . Nur uns , den roten Männern , ist es bekannt , den Weißen aber nicht . « Man kann sich meine Ueberraschung denken , als ich diesen Namen und diese Worte aus diesem Munde hörte . Dem Herzle ging es ebenso . Sie griff rasch nach meiner Hand , als ob sie eine Stütze brauche , um nicht schnell mit der Mitteilung herauszuplatzen , daß er sich über unsere Unwissenheit in hohem Grade irre . » Dschinnistan ? « fragte ich . » Ist dieses Wort