deiner Burg gestoßen , die langen Haare dir abgeschnitten , das Kränzlein zerzauset , den frommen Leib aber bei Trommeln und Pfeifen auf soldatisch geschändet ... oh , oh ! « Verzweifelt rang der Prediger die Hände . Auch uns ging das Unglück der edeln Stadt so zu Herzen , daß wir weinend niederknieten , hinstarrend nach den glutig rauchenden Trümmern . Jetzo fiel des wunderlichen Predigers Blick auf uns . Er betrachtete uns eine Weile , und da er unsere Trauer erkannte , sprach er mit Gebärden des Mitleides : » Weinet nicht ! Glaubet nur ! Der Glaube versetzet Berge . Gebet acht , ihr klagenden Leute von Israel ! Und auch du , blutige Erde , du rauchiger Himmel , gebet acht und seid Zeugen des Wunders . « Und die Arme gen Magdeburg ausgereckt , predigte der irre Mann im Prophetentone : » Eli , Eli , in deinem Namen tue ich kund : Dies Mägdlein ist nicht tot - es schläft nur ! Drum stille ! Schlafe dich aus , bleich Töchterlein ! Balde kommt ja dein Tröster , so deine Hand ergreifet : Stehe auf und wandle ! Und auferstehen wird die Magd . Drum getrost , Kinder Israels ! Hoffet , hoffet ! Der Herr segne euch und behüte euch ! « Zum Segen breitete er die Arme , wandte sich dann und ging mit gefalteten Händen , als ob er von kirchlicher Amtierung abträte . Wir starrten ihm nach , und für ein Weilchen sah ich im Geiste die Stadt aufs neue herrlich erstanden . Dann besann ich mich auf die eigenen Nöte und erwog die mißlichen Umstände , in die wir beide trotz unsrer vorläufigen Rettung geraten waren . Und wie der Geier seine Fänge um die Beute schlägt , ergriff mich die Sorge um Leibesnotdurft und Leben . Düster betrachtete ich mein Feuerrohr . Es war vorerst zum Schießen untauglich ; desgleichen Theklas Pistol . Uns fehlte ja das Pulver . Umherspähend gewahrte ich in der Ferne eine Staubwolke , aus der es blitzte wie Gewaffen . Sogleich flüchtete ich mit Thekla in das Weidengebüsch , so sich am Elbufer erstreckte . Hier blieben wir liegen , lauschend auf jedes Geräusch und in unseren nassen Kleidern bebend . Verworren Kommandorufen drang an mein Ohr ; dann ward es still , und lange Zeit hörte ich nur das Weidenlaub im Winde säuseln , dazu die Lerchen ins glimmende Morgenrot trillern . Still wurden unsere Seelen . Wir schauten einander ins Auge und ergaben uns einem sanften Gekose . Nicht lange , so nahm ich wahr , wie meiner Liebsten die Augen zufielen . Bettete also ihr Haupt in meinen Arm , und sofort entschlummerte sie . Wiewohl mein Herz an ihrem lieblichen Anblick sich weidete , und wiewohl ich gegen die Angriffe der Müdigkeit ankämpfte , sank mir doch immer wieder das Kinn auf die Brust , bis mich die Mattigkeit ganz überwältigte . Das achte Abenteuer Wie die kaum Getrauten sich mußten trennen Da ich das Auge wieder auftat , lag Thekla noch immer in festem Schlaf , und hoch vom Himmel schien die warme Sonne . Hunger und Durst plagte mich . Sanft , um meine Frau nicht zu wecken , zog ich den Arm unter ihrem Nacken herfür und bettete ihren holden Kopf in den Rasen . Was nun ? Ich gedachte der Oblaten , die ich beim Verlassen der Kirchengruft zu mir gesteckt . In meiner Tasche waren sie vom Elbwasser zu Brei verwandelt , doch immer noch brauchbare Nahrung . Behutsam erhub ich mich und schlich durch die Weidenbüsche zum Strome . Eine Leiche trieb auf ihm . Obschon ich mit Ekel zu kämpfen hatte , legte ich mich aus Ufer und trank von dem Wasser . Hierauf pflückte ich Sauerampfer , der in Menge auf der Uferwiese grünte . Da er nicht übel mundete , pflückte ich Hände voll und legte den Vorrat bei der noch schlafenden Gattin nieder . Endlich erwachte sie , fuhr schreckhaft empor und blickte wild umher . Begütigend streichelte ich ihre Hand : » Danken wir dem Himmel , daß er uns so weit bewahret hat ! « Thekla antwortete mit einem stummen Nicken und faltete die Hände . Hierauf bot ich meiner Liebsten von dem Sauerampfer und vom Oblatenbrei , und sie aß . Da sie auch zu trinken begehrte , hätte ich ihr gern den abscheulichen Anblick der mit Leichen treibenden Elbe erspart , wußte aber nach Verlust meines Hutes keinerlei Mittel , Wasser zu transportieren . So blieb mir nichts übrig , als mein arm Weib zum Strome zu führen . Gierig hingekauert , schöpfte sie mit den Händen und trank mehrmals . Plötzlich aber krächzte dicht bei uns am Ufer eine Krähe , Thekla wandte ihren Kopf hin , ward plötzlich bleich und spie das eben Genossene wieder aus . Dort lag nämlich auf dem Sande , noch halb im Wasser , eine entkleidete Leiche , deren Fleisch die Krähen speiseten . Meinen Arm um Thekla gelegt , führte ich sie hinweg , und stöhnend vor Gram saßen wir wieder im Dickicht . Wie ein hilflos Kind weinte Thekla , und auch auf meinem Herzen lastete die ganze Schwere unseres Mißgeschicks . Ach wären wir doch beim Oheim in Schreiberhau geblieben ! Wie still und glücklich lebten wir dann ! Meine Gedanken erratend , ergriff Thekla meine Hand , die Augen voll Tränen : » Verzeih , Johannes , daß ich dich verleitet , dein friedlich Gebirgsdörfel zu lassen , um eine heimlose Jungfer durchs Elend zu geleiten . « Die teure Hand streichelnd , entgegnete ich : » Das war mein freier Entschluß . « Und nun starrten wir vor uns hin . An einer Weidenrute hingen Maikäfer , vom Laube sich mästend . Ein garstiger Anblick . Würde uns in unserer Verlassenheit etwas anderes übrig bleiben , als diesen Käfern ähnlich Kraut zu speisen ? Endlich sammelten wir unsere Gedanken und überlegten , was