ahnen ! Hm ! Ich weiß , Sie können schweigen . Sagen Sie nichts ! Kein Wort ! Aber auch nicht , daß dieser Mongole mir gefällt ! Raffley würde sonst gleich denken , daß er die Wette gewinnen werde ! Fällt mir aber gar nicht ein ! Nicht einmal im Schlafe ! Bin Englishman , Sir . Wette nur dann , wenn ich ganz sicher weiß , daß ich gewinne . Muß Euch also bitten , ja nicht daran zu zweifeln ! « Hiermit wendete er sich von mir ab und ging nach seinem Stuhle . Die Verschiedenheit der Anredeworte bei ihm ebenso wie bei Raffley erklärt sich aus dem Umstande , daß sie sich bald der englischen und bald der deutschen Sprache bedienten . Im Deutschen wurde » Sie « im Englischen aber » you , « also » Ihr « gesagt . Es kam im lebhaften Gespräche sogar nicht selten vor , daß ein Satz in der einen Sprache angefangen und in der anderen zu Ende gesprochen wurde . Man war das so gewöhnt , daß man nicht einmal mehr darüber lächelte . Vielleicht hatte Raffley darauf gerechnet , daß sich irgend Etwas ereignen werde , was geeignet sei , das Urteil seines Onkels über den Chinesen umzustimmen ; aber nach dem , was ich jetzt gehört hatte , schien ein solches Ereignis gar nicht nötig zu sein . Wir befanden uns ja erst einige Stunden in See , und doch sprach der Governor schon jetzt in einer Weise von ihm , welche er selbst gewiß für unmöglich gehalten hatte . Raffley saß mit Tsi beisammen . Sie waren in ein Gespräch vertieft , welches ich schon aus Höflichkeit und sodann auch aus dem Grunde nicht stören wollte , weil ich wünschte , daß der Englishman den Chinesen nicht nur achten , denn das tat er schon , sondern auch lieb gewinnen lerne . Mary war wieder auf das Deck ihres Salons gestiegen . Sie konnte so hoch und so ganz vorn sitzen , weil sie nicht zur Seekrankheit geneigt war . Ich wollte sie fragen , ob ich mich zu ihr gesellen dürfe , doch forderte sie mich selbst dazu auf , als sie mich kommen sah . » Ich möchte Ihnen Etwas erzählen , « sagte sie ; » Etwas , was ich den Anderen nicht mitteilen will , weil sie meinen Vater vielleicht falsch beurteilen würden . « » Wohl den Grund , warum man ihn gefangen nahm ? « fragte ich , um ihr die Ausführung ihrer Absicht zu erleichtern . » Ja . Er war so gut , so lieb , so mild geworden , fast ganz so , wie Mutter ihn gern hatte . Da kam die Krankheit , welche ihn mürrisch machte , ihm die Lebensfreude raubte und seine Empfindlichkeit verdoppelte . Je schwächer er körperlich wurde , desto mehr gab er sich Mühe , geistig kräftig aufzutreten . Ich will den Vater ja nicht tadeln ; er war ja krank ! Er sprach wieder von Heidentempeln und von Säulen . Die vier indochinesischen Träger , welche wir mit in die Berge nahmen , hatten keine Religion . Sie hörten ihn an und gaben ihm Recht , weil sie von ihm bezahlt wurden . Ich warnte ihn ; er aber hörte nicht auf mich , weil er überzeugt war , daß er ihre Bekehrung in kurzer Zeit vollenden werde . Die Bergmalaien stellten sich feindlich zu uns . Niemand nahm uns auf . Wir fanden kein Unterkommen , bis wir ganz hoch oben ein Kampong36 erreichten , dessen Bewohner mit den Weißen noch so wenig in Berührung gekommen und also so friedlich gesinnt waren , daß sie uns gastfreundlich aufnahmen und uns , nicht für Geld , sondern aus reiner , dort gewohnter Gastlichkeit , Alles boten , was in ihren Kräften stand . Wie froh war ich darüber ! Aber diese Freude währte nur einen einzigen Tag . « » Die Malaien von Sumatra sind in den Küstengegenden und ziemlich weit in das Land hinein Muhammedaner , « bemerkte ich . » Welcher Religion gehörten die Bewohner dieses Kampong an ? « » Der des Konfuzius . Es stand ein Tempel da , nur von Holz gebaut , aber mit mühsamen Schnitzereien verziert und im Innern reich vergoldet , was man der Armut dieser Leute eigentlich nicht zutrauen sollte . « » Sie sind nicht wirklich arm , sondern nur bedürfnislos . Die überreiche Natur bietet ihnen Alles , was sie brauchen , umsonst . Und was die Vergoldung betrifft , so wird das Gold ja auf Sumatra selbst gefunden . Die Berge des Innern , wo Sie waren , bestehen aus vorkarbonischem Schiefer , welcher von goldhaltigen Quarzgängen durchzogen ist . Aber bitte , erzählen Sie weiter ! « » Ich hatte gehört daß in chinesischen Ortschaften , wo es keine besonderen Gasthäuser gibt , die Fremden in den Tempeln aufgenommen werden . Ganz dasselbe war hier in diesem sumatranischen Kampong der Fall . Man führte uns in den Tempel , welcher zwei Abteilungen hatte , die eine für die Opferungen und die andere für die Besucher . In dieser letzteren sollten wir wohnen . Ich wollte , man hätte uns lieber in die allerkleinste Hütte gesteckt ! « » Ah , ich errate ! Heidentempel ! « » Ja . Ihre Vermutung ist leider richtig . Die guten Menschen schleppten Alles herbei , um es uns so bequem wie möglich zu machen ; sie brachten mehr als reichlich Speise und Trank , und man sah ihnen an , daß sie es gern taten . Verstehen konnten wir sie zwar nicht , weil wir nicht malajisch sprachen . Unsere Träger übersetzten uns , was gesprochen wurde , so gut sie eben konnten . Aber von dem Augenblicke an , wo wir uns in dem Tempel befanden , bemächtigte sich des Vaters eine Aufregung , welche mir Angst bereitete . Er sprach von nichts als vom Zertrümmern , vom