so wurde seine Stimme plötzlich heiser und rauh , wie er fortfuhr , daß er keinerlei Empfindungen von Hans wünsche , denn er selbst habe vielleicht nur einen gewissen Neid auf ihn , weil er für sich immer an der Seite stehen werde und bittere Urteile aussprechen , indessen andre sich zu handelnden Menschen bildeten ; aber im Grunde wolle er ja dieses Leben ; und nach einem Jahrzehnt werde Hans ihn immer noch hier in dieser Ecke sitzen sehen und in der gleichen Weise sprechen wie jetzt , und werde inzwischen eine neue Anzahl jüngerer Freunde mit ihm zusammengekommen sein und nach ihrer bestimmten Zeit ihn wieder verlassen haben , und so werde es gehen , bis er zu alt sei für junge Freunde . Alles das sei ihm ganz klar , und es müsse wohl so sein ; nur grüble er vergeblich , welches doch der Grund eines solchen Zustandes sein möge ; aber wahrscheinlich habe auch der bezauberte Merlin nicht gewußt , aus welchem Grunde er in seiner Rosenhecke träumen müsse . So zeigte Krechting doch wider seinen Willen seine Schwachheit , und dadurch bewies er , daß er in Wahrheit eine Liebe zu Hans gehabt , die sich freilich nie geäußert hatte . Aber Hans verspürte das Nichtgesagte , und eine wunderliche Wehmut befiel ihn , eine Art Gefühl , als trenne er sich von einer warmen und treuen Heimat , um auf das hohe Meer zu gehen , und doch wußte er , daß Krechting ganz recht hatte , und es war besser für beide , daß sie sich in Freundschaft und Ruhe trennten , denn sonst wäre bald ein Streit zwischen ihnen ausgebrochen , und sie hätten sich gegenseitig tiefe Wunden geschlagen zum Abschied . Inzwischen hatte Weiland noch mehrmals seine Stadt gewechselt , weil er überall durch die Nachforschungen der Polizei und auch durch Ausweisungen vertrieben wurde , bis er endlich nach gut zwei Jahren in Süddeutschland einen ruhigen Aufenthaltsort fand , zu dem er hoffte , seine Familie nachkommen zu lassen , die er in der ganzen Zeit nicht gesehen ; und schon begann sich sein Gemüt wieder zu erheitern durch die Hoffnung auf ein friedliches und anständiges Leben . Zu Hause aber war seine Frau mit jenem Zimmerherrn , von dem schon berichtet , immer näher gekommen . Das war eine ganz ruhige und einfache Entwicklung gewesen , deren Ende beiden unerwartet kam ; denn der einsame und stille Mann , der bei seinen Arbeitsgenossen in der Fabrik und im Wirtshaus nicht Gelegenheit hatte , von dem zu sprechen , was ihn bedrückte , fand in der engen und sauberen Küche der Frau , wo das Kindchen auf der Erde spielte und sich auch wohl an seinem Knie hochrichtete , eine Wärme und Zuneigung , und so berichtete er sein Leben und hörte ihre Geschichte , die sie unter häufigem Weinen erzählte , und bald teilte sie ihm aus ihres Mannes Briefen mit von den vielen fehlschlagenden Hoffnungen und Versuchen , und er tröstete sie und freute sich an der Entwicklung des Kindes ; dann machten sie ab , daß die Frau für ihn kochen sollte , und mit der Zeit besorgte sie alle seine Angelegenheiten , und wie sie nun immer mehr wirtschaftliche Dinge gemein bekamen , die besprochen werden mußten , zu den andern Angelegenheiten , die sie sonst schon besprachen , da geschah es , daß er die ganze Zeit über , wenn er zu Hause war , bei ihr in der Küche saß . Sie schrieb in ihren Briefen an ihren Mann vieles von dem Fremden und rühmte ihn sehr , bis ihr endlich ihr Mann einmal in neckischem Tone antwortete , sie solle sich nur nicht in den andern verlieben , denn er selbst sei doch so lange von Hause fort . Über diesen Scherz wurde sie sehr nachdenklich , und wie sie sich alles überlegt hatte , sagte sie zu dem Fremden , daß die Leute im Hause Übles reden könnten , wenn sie so oft zusammen seien , deshalb scheine es besser , wenn er nicht zu häufig zu ihr komme . Aber schon hatte die Gewohnheit einen zu tiefen Eindruck gemacht , und wenn der Mann abends nach Hause kam , hatte sie immer etwas , das sie mit ihm bereden wollte , und so kam sie jetzt zu ihm auf sein Zimmer . Aber doch hatte sie nun ein Bewußtsein , daß sie etwas tat , das nicht recht gehörig war , und deshalb fing sie an , sich selbst Entschuldigungen zu machen ; auch erwähnte sie des Fremden nicht mehr in ihren Briefen . Ihre Hauptentschuldigung aber , die sie sich machte , war die , daß sie noch jung sei und ihr Leben genießen wolle ; denn in dieser kindischen und offenherzigen Art wissen die Leute sich ihre Vergehen darzustellen . Und auch der Fremde , der ein braver und ordentlicher Mensch war , hatte bis dahin aus allem kein Arg gehabt ; aber nun , wie ihn die Frau öfter besuchte und in ihrem geheimen Schuldbewußtsein einen wunderlichen und verführerischen Reiz ausübte , den sie vorher gar nicht gezeigt , da kam auch er zu Nachdenken und Verlangen ; und so steigerten sich beide unbewußt immer gegenseitig , bis der Mann eine leichte Zärtlichkeit wagte , die zwar anfänglich zurückgewiesen wurde , aber wie es denn geschieht , in solcher Art , daß er Mut bekam für einen neuen Versuch , und bald ahnten sie jeder , daß sie auf brüchigem Eis wandelten . Hierüber war der Frühling ins Land gekommen , und die beiden verabredeten sich zu einem Ausflug am Sonntag und fuhren mit der Bahn in einem überfüllten Zuge zu einem der Orte , nach dem sich diese Ausflüge richten , gingen dort im Walde , der von vielen Menschen belebt war , dann aßen sie in einer Wirtschaft zu Abend und kehrten am Ende zum Bahnhof zurück , um nicht allzu spät wieder in Berlin zu