auch den ganzen hintern Teil des Rosses bedeckte . Sollte diese so in die Augen fallende Gestalt etwa der fromme Würdenträger sein ? Der Demütige ? Der Mann mit den leisen , weichen , geräuschlosen Sohlen ? Indem ich mir diese Frage vorlegte , betrachtete ich auch die Andern , welche völlig schmucklos ritten und natürlich dienstbare Personen vorstellen sollten . Einer von diesen hielt sich ganz am Ende . Er trug einen sehr gewöhnlichen Taki-Anzug , saß aber auf einem Pferde , welches meine ganze , übrige Aufmerksamkeit in Anspruch nahm . Die Entfernung war zu groß , als daß ich Einzelheiten bemerken konnte , aber dieser Adel in der Haltung , diese Lebensfülle in jeder Bewegung , diese graziöse Sicherheit des Schrittes und dieses spannkräftige Selbstbewußtsein trotz der Schenkel und Zügel , das war mir genug zu der Annahme , daß es das beste , das wertvollste Pferd von allen fünfzehn sei - - ein Hellbrauner mit zwei weißen Vorderstiefeln ! Der Trupp bog nach dem Wege zum hohen Hause ein . Weil hierdurch die Entfernung sich stetig verringerte , bekam ich dieses Pferd immer deutlicher zu sehen , und indem ich es auf einen Kaufwert von ganz sicher wenigstens neuntausend Mark deutschen Geldes abschätzte , sagte ich mir , daß der Daraufsitzende unmöglich zu den Sijas36 gehören könne . Es waren also sonderbarer Weise zwei Personen , welche mir nicht als das vorkamen , für was man sie allem Anscheine nach halten sollte . Der Weißverschleierte und der letzte Reiter waren beide höchst wahrscheinlich in ihrer äußern Erscheinung darauf berechnet , uns zu täuschen . Der Eine sollte höher , der Andere niedriger erscheinen , als er eigentlich stand . Die Würde des Ersteren konnte mir gleichgültig sein , die des Letzteren aber nicht . Wenn von diesen Leuten einer überhaupt mehr war , als er zu sein schien , so hatte ich gewiß alle Veranlassung , mit meiner Vermutung nicht nur bis zur nächsten , sondern gleich bis auf die höchste Stufe zu steigen : Der vermeintliche Reitknecht war der Scheik ul Islam selbst ! Indem mir diese Gedanken durch den Kopf gingen , sah ich Tifl , welcher drüben auf dem Wege erschien , um aus irgend einem Grunde hinab nach dem Duar zu gehen . Er wußte nichts von der Ankunft dieser Leute und blieb darum überrascht stehen , als er sie erblickte . Als sie ihn erreichten , sprach er auf sie , und da war es mir höchst interessant , zu bemerken , daß ihn die voranreitenden Vornehmen von sich ab und auf den letzten Reiter verwiesen . Das war ein Umstand , durch welchen meine Vermutung fast zur Gewißheit erhoben wurde . Er winkte den Andern zu , weiter zu reiten , und blieb bei Tifl halten . Dieser Wink verriet mir , daß er der eigentlich Befehlende sei . Sie sprachen eine kleine Weile miteinander ; dann ließ der Fremde seinen Hellbraunen wieder vorwärtsgehen , und Tifl kehrte um und schritt , sich lebhaft mit ihm unterhaltend , an seiner Seite , bis beide hinter der letzten , obersten Biegung des Weges verschwanden . Wie gut , daß ich hierher gegangen war , um zu rekognoszieren ! Ich hatte dadurch erfahren , daß es dem Scheik ul Islam höchst wahrscheinlich beliebte , mit uns schauspielern zu wollen , und war nun also auf die beabsichtigte » Komödie der Irrungen « , falls sie wirklich versucht werden sollte , wohl gefaßt ! Da ich nicht den geringsten Grund hatte , diese Gäste auf die Idee zu bringen , daß man vor Freude über ihr Kommen außer sich sei , so beeilte ich mich nicht im geringsten , sondern blieb noch eine ganze Weile auf meinem Platze sitzen . Und wie gut das war , stellte sich heraus , als ich Schritte hörte , welche sich sehr eilig der Laube näherten , hinter der ich lag . Zwei Personen traten ein . » Niemand hat uns gesehen ; das ist gut ! « hörte ich Tifls Stimme sagen . » Er fragte , ob es einen Ort gebe , wo er unbemerkt mit dir sprechen könne . Darum eilte ich , dich hierher zu bringen . Nun schicke ich auch ihn . « Nach diesen Worten ging er wieder fort . Wer war die Person , die sich nun allein in der Laube befand ? Ich sollte nicht lange zu warten haben , es zu erfahren . Es kamen wieder Schritte , eilig , aber leise , vorsichtig schleichend und wie auf weichen Sprungfedern fußend . » Du bist die ungläubige Türkin Pekala ? « wurde gefragt . » Ja , « antwortete sie , die Falschheit ihrer Religion unbedacht mit bestätigend . » Und wer bist du ? « » Wie ich heiße , brauche ich nicht zu sagen ; aber ich bin der Freund dessen , der sich deinen Aschyk nennt . « Da schlug sie die Hände klatschend zusammen und rief aus : » Der Freund meines Aschyk ! Wie mich das freut ! Wer hätte gedacht , daß - - - « » Nicht so laut ! « unterbrach er sie gebieterisch . » Kein Mensch darf wissen , daß ich ihn kenne und daß ich mit dir sprach - - - du Liebliche , du Blühende ! « fügte er in plötzlich ganz weichem , schmeichelndem Tone hinzu . » Ich will dir aber beweisen , daß ich dich und ihn und eure Liebe kenne . Er wird nächsten Sonntag kommen , eine Stunde vor Mitternacht , und du wirst an einem hoch aufgerichteten Mauersteine auf ihn warten . Erkennst du hieran , daß ich sein Vertrauter bin , sein Freund und also auch der deinige ? « » Ja , ich vertraue dir , « versicherte sie . » Du hast gewiß auch so ein edles Männerherz wie er und weißt , was ein edles Frauenherz bedeutet ! « Es war ein Räuspern zu hören ,