Grunde dieses eures Wunsches fragen . « » Welchen Wunsch meinst du ? « erkundigte ich mich . » Hanneh bat mich , in jede Hand eine brennende Fackel zu nehmen und langsamen Schrittes , ohne ein Wort zu sagen , vorwärts zu gehen . Sie versprach mir , daß ich die Ursache dieses Verlangens dann später erfahren werde ; jetzt dürfe man es mir nicht mitteilen , weil sonst die dabei gehegte Absicht sehr leicht zu verfehlen sei . Ich thue nie etwas , ohne zu wissen , warum ich es thue ; in diesem Falle aber will ich gegen diesen Grundsatz handeln , weil ich weiß , wie sehr ich euch zur Dankbarkeit verpflichtet bin . « In diesen seinen Worten lag die indirekte Mitteilung , daß Hanneh in ihrem weiblichen Scharfsinne so vorsichtig gewesen war , ihm über die Vorgänge der letzten Stunden nichts mitzuteilen . Das war gut . Ebenso hätte es mich befriedigt , wenn sie das Verlangen , von welchem er sprach , noch nicht an ihn gestellt , sondern gewartet hätte , bis sie unseres Einverständnisses sicher gewesen wäre . Sie war um eine Erklärung ihres Wunsches verlegen gewesen , hatte keine gefunden und sich so allein auf seinen guten Willen verlassen müssen . Das war mir nicht lieb , konnte aber nun nicht geändert werden . Jetzt sagte sie zu mir : » Du hörst , Effendi , daß ich alles wohl vorbereitet und eingeleitet habe , und da mir Halef sagt , daß auch ihr fertig seid , so brauchen wir mit dem Beginne wohl nicht länger zu warten . « Indem ich mich nicht fragte , ob diese liebe Ungeduld des Ewig-Weiblichen etwa eine spezielle Eigenschaft nur der Orientalinnen sei , antwortete ich : » Ja , wir können sofort die Probe machen , ob der Erfolg , den du erwartest , sich einstellen wird . « » Ich zweifle nicht daran , Sihdi . Wir können also gehen ? « » Wir ? Du meinst damit auch dich ? « » Ja . Der Plan ist von mir , und so möchte ich auch gern dabei sein , wenn meine Gedanken zur Wirklichkeit werden . Hast du etwas dagegen ? « » Eigentlich ja . Was wir vorhaben , ist nicht Frauensache . Aber ich will dich nicht um das Vergnügen bringen , auf welches du dich freust , erwarte aber , daß du stets an meiner Seite bleibst ! « » Ich verspreche dir , dies zu thun ! « » So besorg die Fackeln , Halef ! Zehn Haddedihn bleiben mit Kara Ben Halef hier , zur Bewachung derer , welche dort am Feuer liegen . Die anderen gehen mit uns ; sie nehmen die Gewehre nicht mit , weil diese hinderlich sein würden , doch die Messer . Ich habe meinen Stutzen , welcher wohl genügen wird , etwaigen Andrang von uns fernzuhalten . Ich mit dem Münedschi und du mit Hanneh , wir gehen voraus ; die andern folgen hinter uns und thun nichts weiter als das , was wir ihnen sagen ! « Diese Weisungen gab ich deshalb , ohne die Mekkaner zu nennen , weil der Blinde noch nicht wissen durfte , daß sie sich und gar als Gefangene , bei uns befanden . Kurze Zeit darauf waren wir unterwegs . Halef führte seine Hanneh , ich den Münedschi am Arme ; die Haddedihn folgten uns mit leisen Schritten . Es war ein eigentümliches Unternehmen ; ich fühlte etwas wie Scham in mir . Die Anregung dazu hatte allerdings nur von einer Person kommen können , welche mit der Natur noch so direkt in Berührung stand , wie eben unsere Hanneh , und dabei doch so schlau berechnend war wie sie . Ihre Hoffnung stand auf dem Aberglauben der Beni Khalid , und da ich wußte , wie groß er bei den Beduinen im allgemeinen ist , so hatte ich keinen Grund , anzunehmen , daß er grad bei diesem Stamme kleiner sei . Wir kamen , ohne von irgend etwas auf- oder abgehalten zu werden , bei der Stelle an , von welcher aus ich vorhin mit Halef die Beduinen beobachtet hatte , und sahen , daß keine Veränderung inzwischen eingetreten war . Es bekam jeder seine Weisung in Betreff dessen , was von ihm gefordert wurde , und ich muß sagen , daß es unter den Haddedihn keinen gab , der die Sache als ernsthaft oder gar als gefährlich aufgenommen hätte ; sie machte vielmehr ihnen allen Spaß . Sie stellten sich hinter uns im Dunkeln auf , den Augenblick erwartend , an welchem sie den Befehl zum Zuspringen erhalten würden . Vor ihnen stand der Münedschi , mit dem Gesichte nicht etwa ganz genau dahin , wohin er gehen sollte , sondern ein wenig nach rechts gerichtet . Warum das ? Darum : Wer sich in einem wegelosen Wald verläuft und immer wieder an die Stelle kommt , von welcher er ausgegangen ist , der weiß wohl kaum , weshalb sein Weg einen Kreis bildete . Ganz dasselbe kann einem in der Wüste , in der Prärie , auf jeder pfadlosen Strecke begegnen , wenn die Sonne nicht scheint oder es keine Sterne giebt und man die Zeichen nicht kennt , aus denen die Himmelsrichtung zu ersehen ist . Die Kreislinie , welche man läuft , wird stets nach links gerichtet sein , und zwar deshalb , weil bei den meisten Menschen der Schritt des rechten Fußes oder Beines ein wenig länger als derjenige des linken ist . Dadurch wird der Körper mehr und mehr nach links gedreht , während man doch überzeugt ist , in schnurgerader Richtung zu gehen . Jeder Westmann , jeder Beduine , jeder mit der Wildnis vertraute Mensch weiß ganz gut , wie sehr schwer es ist , auch nur eine halbe Stunde lang einen genau linealen Weg zurückzulegen , wenn die natürlichen Richtungszeichen fehlen . Der Münedschi sollte nach dem ersten Feuer der Beni