dummes Gerede . Ernestine schrie er an , sie solle sich auf der Stelle packen , er werde den Teufel tun ! Überhaupt wolle er mit der ganzen Geschichte nichts zu schaffen haben . Ernestine schien gerade keine allzu große Angst vor dem Zorne des Bruders zu haben . Sie war von zu Hause her gegen das Wüten der Männer abgebrüht . Sie ließ ihn austoben . Dann meinte sie mit ruhiger Miene , sie wisse auch noch im Dorfe eine Anzahl anderer Mädchen , die gern mitgehen würden , besonders wenn sie wüßten , daß sie unter Gustavs Aufsicht kämen . Der Bruder erwiderte ihr , es falle ihm gar nicht ein , mit einer Herde Gänse ins Land zu ziehen ; da möchten sie sich einen anderen dazu aussuchen . Aber die kleine Ernestine ließ sich nicht so leicht werfen . Ein Plan , der sich einmal in diesem Köpfchen festgesetzt hatte , wurde auch zu Ende geführt . Der Bruder möge ihr nur den Kontrakt geben , den er von dem Agenten bekommen habe , das übrige solle er ihre Sache sein lassen . Sie werde schon für die Unterschriften sorgen . Gustav hatte sich die Sache in der vorigen Nacht hin und her überlegt . Pauline hörte sein Seufzen und unruhiges Wälzen neben sich . Der Agent hatte ihn mit seinem Vorschlage einen wahren Feuerbrand in die Seele geworfen . Vielleicht war hier eine Gelegenheit , sein Glück zu machen ! Und auf der anderen Seite : war nicht die Verantwortung eine allzu große ? Würde er sich der Aufgabe gewachsen zeigen ? - Das waren Fragen , die er allein nur entscheiden durfte ; er konnte Pauline keine Erklärung geben . Als seine junge Schwester jetzt vor ihn trat mit ihrer unbefangenen Sicherheit , da kam es ihm vor , als sei das der Anstoß , auf den er nur gewartet habe , um sich über seine eigene Verzagtheit hinwegzusetzen . Es war vielleicht das beste so ! Er übergab dem Mädchen den Kontrakt des Agenten . Mochte die Sache nun gehen , wie sie gehen wollte ! - Schon am Tage darauf erschien Ernestine wieder vor dem Bruder . Sie hatte nicht weniger als elf Mädchen gewonnen . Und wenn man ihr ein paar Tage Zeit lasse , meinte sie , mache sie sich anheischig , noch ein halbes Dutzend anzuwerben . Gustav wußte anfangs nicht recht , ob er sich über diesen Erfolg freuen solle . Jedenfalls stand jetzt fest , daß er das begonnene Unternehmen weiterführen mußte . Er befand sich , ohne sich des Sprunges recht versehen zu haben , auf einmal jenseits des Grabens . Die Mädchen waren ihm also sicher . Es galt nun , die Männer , welche der Kontrakt verlangte , zu schaffen . Es sollten , den Vorarbeiter eingeschlossen , ihrer vier bis fünf sein . Gustav sann hin und her . Er überschlug alles , was er von jungen Leuten im Dorfe kannte . Kaum einer war da , dem er Lust und Befähigung für seine Zwecke zutraute . Aber es war merkwürdig ! Als ob sich so etwas durch die Luft wie ein Ansteckungsstoff mitteilen könne ! Kaum zeigte sich Gustav heute auf der Gasse , da redeten ihn die Leute auch schon auf sein Unternehmen an . Das Gerücht hatte sich bereits vergrößert . Er suche dreißig Mädchen - einer sprach sogar von fünfzig - mit denen er nach Sachsen gehen wolle . Auch einzelne spöttische Mienen bekam er zu sehen . Es war noch in zu frischem Gedächtnis , wie er neulich dem Agenten entgegengetreten war . Und nun war er zu einem Helfer eben dieses Mannes geworden ! Das mußte man mit in den Kauf nehmen ! Aber es wurmte ihn im geheimen , daß mancher ihn nun für wankelmütig oder doppelzüngig halten mochte . Nun boten sich ihm auch ganz ohne sein Dazutun , zwei junge Leute an . Der eine war auf einem der benachbarten Rittergüter Stallbursche gewesen und jetzt ohne Stellung , der andere wies sich als gewesener Schmiedegeselle aus , ebenfalls arbeitslos . Bei dem Stallburschen war Gustav zweifelhaft , ob er ihn mieten solle . Der junge , kaum siebzehnjährige Mensch mit seinen langen , knabenhaft mageren Gliedmaßen sah nicht gerade wie ein strammer Feldarbeiter aus . Aber er bat so inständig , angenommen zu werden , versprach , sein Möglichstes an Fleiß zu leisten , daß Gustav ihm schließlich den Willen tat . Der Schmiedegeselle machte den Eindruck eines kräftigen , handfesten Burschen . Zu Gustavs nicht geringer Überraschung trat auch Häschke an ihn heran und wollte angeworben sein . Seit jenem Abende , wo er den ehemaligen Kameraden auf den Bauernhof gebracht , hatte Gustav nicht mehr viel von ihm gesehen . Er hatte sich schon gewundert , daß dieser Sausewind so viel Seßhaftigkeit an den Tag legte ; denn über zwei Wochen war er jetzt schon in Halbenau . Und als er Häschkes Fleiß und Betriebsamkeit von den Seinen rühmen hörte , wollte er seinen Ohren kaum trauen . Was war denn auf einmal in diesen Menschen gefahren , daß er so gänzlich umgetauscht erschien ! Als Häschke jetzt mit diesem Ansinnen kam , lachte ihn Gustav anfangs aus . Das war wohl gar ein schlechter Witz dieses Tausendsasas ! Aber Häschke drang allen Ernstes darauf , angeworben zu werden . Gustav hielt ihm vor , daß Feldarbeit gar nicht sein Beruf sei . Häschke erwiderte , er verändere seine » Religion « gar gerne einmal , und er wollte mit Gustav » mang die Zuckerrüben « gehen . Gustav wollte den ehemaligen Kameraden nicht abweisen . Schließlich war Häschke ein fixer Kerl und offener Kopf . Er hatte schon mancherlei gesehen von der Welt und mochte sich in schwierigen Verhältnissen wertvoll erweisen . Gustav begab sich mit dem Kontrakte , unter dem nun schon eine ganz stattliche Anzahl von Unterschriften prangte , zu dem Agenten , der jetzt , nachdem er die