er liebe Ruth , und wenn das vermessen und hoffnungslos sei , dann woll er fort , und zwar lieber heut wie morgen ... Und nun hielt er inne , gewärtig dessen , was Obadja sagen würde . Der aber schwieg beharrlich und schien nur durch Blick und Handbewegung andeuten zu wollen , daß Lehnert weitersprechen möge . Da fiel denn auch alle Furcht von ihm ab , und er ließ sein Herz nicht bloß reden , sondern ihm auch die Zügel schießen . Er wisse wohl , daß er ein schlechter Mensch und des Glückes , das er begehre , durchaus unwürdig sei . Aber er wisse auch , daß die Gnade groß sei , so groß wie seine Reue . Wen Gott erwählt habe ( das seien Obadjas eigene Worte ) , der könne straucheln und fallen , aber er falle nur , um durch Gott selbst wieder aufgerichtet zu werden . Er hoffe , daß dies auch sein Los sein werde . Selbstgerecht und gewalttätig sein , das seien die Fehler seiner Jugend gewesen und die Wurzeln des Verbrechens , um dessentwillen er seine Heimat habe meiden müssen , aber er glaube sagen zu dürfen , das alles liege jetzt weit zurück , und seit dem Tage , der seine Bekehrung gebracht , steh es fest in ihm , daß die Reinheit und der Friede das einzige Heil seien . Das Friedenslied , das damals gesungen worden sei , das hab ihn bekehrt , und wenn nicht das Lied , so die Stimme . » Und wenn nicht die Stimme , so Ruth « , lächelte Obadja . Aber Lehnert sah das Lächeln nicht . Er hörte nur heraus , was freundlich darin klang , und wiederholte mit Unbefangenheit : » Ja , Ruth ... « , sie sei es , der er alles schulde , und sie werd ihm auch dann noch das Glück bedeuten , wenn er es , ihm nur zu begreiflich , in diesem Augenblicke für immer hinschwinden sähe . Denn Ruth , das wiss ' er nur zu gut , sei weit über ihn hinaus , eine Herrentochter und eine Lady , während er in Not und Armut und in noch Schlimmerem großgezogen sei . Das heimatliche Haus habe nichts für ihn getan und die Schule nicht viel , und alles , was er sei , das habe zu Gutem und Schlimmem das Leben aus ihm gemacht . Er sähe hinauf zu Ruth . Aber seine Liebe sei groß und gleich groß sein Wille , sie glücklich zu machen . Sein Wille und hoffentlich auch seine Kraft . Und nun sah er Obadja fest an und erwartete sein Urteil . Der Alte schwieg aber und begegnete seinem Blicke mit nichts als freundlicher Ruhe . Dann erhob er sich , ging auf Lehnert zu und sagte : » Weiß Ruth davon ? « » Nein . « » Nun , dann gedulde dich , Lehnert ! Es ist Rahel , um die du wirbst ... Ich werde dir Antwort sagen . « Einunddreißigstes Kapitel » Gedulde dich ! Ich werde dir Antwort sagen . « Hundertmal wiederholte sich ' s Lehnert , und als Obadja am andern Morgen die Andacht gehalten und wie herkömmlich ein Bibelkapitel gelesen hatte , hoffte Lehnert , daß nun das Wort , das über sein Leben entscheiden sollte , gesprochen werden würde . Aber das Wort blieb aus , und er verzehrte sich tagelang darüber , daß es ausblieb . Er wurde wie krank im Gemüt und mied es nach Möglichkeit , mit Ruth und mehr noch mit Obadja zusammenzutreffen . Als aber , ohne daß ein Wort laut geworden wäre , das neue Jahr angebrochen war , war er entschlossen , mit dem Elend ein Ende zu machen und sich wieder in sein altes Leben zurückzufinden . Das wär ihm nun freilich einfach unmöglich gewesen , wenn die Haltung Obadjas irgend etwas gezeigt hätte , was auf Mißstimmung oder gar auf Übelwollen und Ablehnung hätte gedeutet werden können . Aber eher das Gegenteil war der Fall . Keine Begegnung verging , ohne daß Lehnert wenigstens einen freundlichen Blick erhascht hätte , was noch wuchs , als Obadja sich überzeugte , daß in der Tat keine Heimlichkeiten zwischen den jungen Leuten existierten und Ruth ohne jede Ahnung von dem Schritte war , den Lehnert getan hatte . So kehrte denn ein gewisser Zustand der Ruhe , wenigstens äußerlich , zurück , und Lehnert , wenn er jetzt , was nur zu oft geschah , seines Weihnachtszwiegespräches mit Obadja gedachte , verzichtete darauf , diesem Zwiegespräch nur das zu entnehmen , was ihm paßte , sondern erinnerte sich daran , daß der Alte hinzugesetzt hatte : » Es ist Rahel , um die du wirbst . « Das war , das sah er jetzt ein , mit gutem Bedachte gesagt worden , und jedenfalls zu dem Zweck , ihn wissen zu lassen , daß es einer langen Probezeit bedürfe . Ja , der frühere Zustand der Ruhe kehrte zurück , und als der Winter auf die Neige ging und der Frühling anbrach , wurden die Feldarbeiten , sowohl von Nogat-Ehre wie vom Vorwerk aus , wohin Kaulbars und Frau zurückgekehrt waren , im ganzen Umfange wiederaufgenommen . Überall gab es ein Pflügen und Säen , und Lehnert , bei Beaufsichtigung der Arbeit , war oft bis halben Weges nach Darlington oder auch , nach der andern Seite hin , bis an den Abhang der Berge hin in Tätigkeit . Auch Toby war mit Uncas viel draußen , um auf Hühner zu jagen , welche Form der Jagd der Alte , trotz prinzipieller Bedenken , gelten ließ , ja geradezu begünstigte , da zu seinen kleinen Schwächen , ganz nach Patriarchen- und Kirchenfürstenart , auch die gehörte , den Freuden der Tafel nicht abgestorben und speziell in bezug auf Bekassinen ein Feinschmecker zu sein . Eine dieser Jagden auf Hühner hatte sich an einem schönen Märztage bis an eine fast