vorbereitet hatte , daß er nur wenig werde schreiben können , so hat Friedrich doch jede Gelegenheit benützt , ein paar Worte an mich zu richten . Mit Bleistift , zu Pferd , im Zelt - in flüchtiger , nur mir leserlicher Schrift , so schrieb er die aus seinem Notizbüchelchen herausgerissenen , für mich bestimmten Blätter voll . Manche hatte er Gelegenheit abzuschicken , manche gelangten erst später , erst nach dem Feldzug in meine Hände . Bis zur Stunde habe ich diese Andenken aufbewahrt . Das sind keine sorgfältig stilisierten Kriegsberichte , wie sie Zeitungskorrespondenten ihren Redaktionen , oder Kriegsschriftsteller ihren Verlegern bieten , keine mit Aufwand strategischer Fachkenntnisse entworfene Gefechtsskizzen , und keine mit rhetorischem Schwung ausgeführte Schlachtgemälde , in welchen der Erzähler immer bedacht ist , seine eigene Unerschrockenheit , Heldenhaftigkeit und patriotische Begeisterung durchleuchten zu lassen . Alles dies sind Friedrichs Aufzeichnungen nicht , das weiß ich ; was sie aber sind , das vermag ich nicht zu bestimmen . Hier folgen einige : - - - - - - - - - - - - - - Im Bivouak . » Ohne Zelte ... Es ist ja eine so laue , herrliche Sommernacht - der Himmel , der große gleichgültige , voll flimmernder Sterne ... Die Leute liegen auf dem Boden , erschöpft von den langen , ermüdenden Märschen . Nur für uns Stabsoffiziere wurden ein paar Zelte aufgeschlagen . In dem meinen stehen drei Feldbetten . Die beiden Kameraden schlafen . Ich sitze an dem Tisch , worauf die geleerten Groggläser und eine brennende Kerze stehen . Beim schwachen flackernden Schein der letzteren ( es weht von dem offenen Eingang ein Luftzug herein ) schreibe ich Dir , mein geliebtes Weib . Auf mein Lager habe ich den Puxl hingelegt ... war der müd ' , der arme Kerl ! Ich bereue fast , ihn mitgenommen zu haben ; der ist auch , was die unseren immer von der preußischen Landwehr behaupten : » an die Strapazen und Entbehrungen eines Feldzugs nicht gewöhnt « . Jetzt schnauft er wohlig und süß - ich glaube er träumt , wahrscheinlich von seinem Freund und Gönner Rudolf Grafen Dotzky . Und ich träum ' von Dir , Martha ... Zwar bin ich wach ; aber täuschend , wie ein Traumbild , sehe ich Deine liebe Gestalt in jener halbdunklen Zeltecke , auf einem Feldstuhl sitzen ... Welche Sehnsucht ergreift mich , dort hinzugehen und mein Haupt in Deinen Schooß zu legen . Ich thu ' es aber nicht , weil ich weiß , daß dann das Bild zerflattern würde ... Ich trat einen Augenblick hinaus . Die Sterne flimmern gleichgültiger als je . Auf dem Boden huschen verschiedene Schatten : es sind Nachzügler . Viele , Viele , blieben unterwegs zurück ; jetzt haben sie sich , vom Wachtfeuer angezogen , hierher geschleppt . Aber nicht Alle - Manche liegen noch in einem entfernten Graben oder Kornfeld . Das war aber auch eine Hitze , während dieses forcierten Marsches ! Die Sonne brannte , als wollte sie uns das Hirn zum Sieden bringen ; dazu der schwere Tornister , das schwerere Gewehr auf den wundgewetzten Schultern ... und doch , es hat Keiner gemurrt . Aber hingefallen sind ein paar , und konnten nicht wieder aufstehen . Zwei oder drei erlagen dem Sonnenstich und blieben gleich tot . Ihre Leichen wurden auf einen Ambulanzkarren geladen . Die Juninacht , so mond- und sterndurchleuchtet , so warm sie auch ist , ist doch entzaubert . Man hört keine Nachtigallen und keine zirpenden Grillen ; man atmet keine Rosen- und Jasmingerüche . Die süßen Laute werden durch die scharrenden und wiehernden Pferde , durch die Stimmen der Leute und das Geräusch der Patrouillenschritte unterdrückt ; die süßen Gerüche durch Juchten-Sattelzeug- und sonstige Kasernenausdünstungen überduftet . Aber das ist noch Alles nichts : noch hört man nicht festende Raben krächzen , noch riecht man nicht Pulver , Blut und Verwesung . Das Alles kommt erst - ad majorem patriae gloriam . Merkwürdig , wie blind die Menschen sind ! Anläßlich der einst » zur größeren Ehre Gottes « entflammten Scheiterhaufen brechen sie in Verwünschungen über blinden und grausamen , sinnlosen Fanatismus aus , und für die leichenbesäeten Schlachtfelder der Gegenwart sind sie voll Bewunderung . Die Folterkammern des finsteren Mittelalters flößen ihnen Abscheu ein - auf ihre Arsenale aber sind sie stolz ... Das Licht brennt herab , die Gestalt in jener Ecke hat sich verflüchtigt - ich will mich auch zur Ruhe legen , neben unseren guten Puxl . « - - - - - - - - - - - - - - - Auf einem Hügel oben , in einer Gruppe von Generälen und hohen Offizieren , mit einem Feldstecher am Auge : das ist die an ästhetischen Eindrücken ergiebigste Situation in einem Kriege . Das wissen auch die Herren Schlachtenmaler und Zeitungsillustratoren : bewaffneten Auges rundschauende Feldherren auf einer Anhöhe werden immer wieder gezeichnet - ebenso oft , wie die an der Spitze ihrer Truppen auf einem möglichst weißen , hochtrabenden Pferde voranstürmenden Führer , welche , den Arm nach einem rauchenden Punkt des Hintergrundes ausgestreckt , den Kopf zu den Nachsprengenden umgewendet , offenbar rufen : » Mir nach , Kinder ! « Von der Hügelstation herab sieht man wahrlich ein Stück Kriegspoesie . Das Bild ist großartig und genügend entfernt , um wie ein richtiges Gemälde zu wirken , ohne die Schrecken- und Ekelhaftigkeiten der Wirklichkeit : kein fließendes Blut , kein Sterberöcheln - nichts als erhaben prächtige Linien- und Farbeneffekte . Diese auf der langgestreckten Straße sich fortschlängelnde Heersäule , dieser unabsehbare Zug von Fußvolkregimentern , von Kavallerieabteilungen und Batterien ; dann der Munitionstrain , requirierte Bauernwagen , Packpferde und hinterher noch der Troß . Noch gewaltiger gestaltet sich das Bild , wenn auf der unter dem Hügel ausgebreiteten Landschaft nicht nur die Fortbewegung eines , sondern der Zusammenstoß zweier Heere zu sehen ist . Wie da die blitzenden Klingen , die