Wer is der Herr ? « knurrte Toni . » Setz du dich hnein . « » Ich weiß « , höhnte der Alte , » dir is nit unlieb , mich drein z ' sehn , dösmal aber schickt sich ' s wohl besser für dich da rückwärts . « Toni erwiderte nichts , er schwang sich hinten auf den Wagen und saß mit herabbaumelnden Beinen , den Rücken dem Vater und dem Weibe zugekehrt , und fort ging es . Helene war , als der alte Sternsteinhofer der Hütte ihrer Mutter zuschritt , herausgeflüchtet nach ihrem Garten und hatte lauschend in der Laube gestanden , ohne daß sie aus den einzelnen Lauten , die von dem kurzen Wortwechsel herüberdrangen , oder aus den zeitweise vor dem Hause hörbaren Schluchztönen klug zu werden vermochte ; die Deutung des Vorganges blieb somit ganz ihrem bösen Gewissen überlassen , und ein solches schließt meist überraschend schnell und richtig . Sie hörte den Wagen fortrasseln ; noch blieb sie , wie gebannt , gleich reglos an der nämlichen Stelle , plötzlich machte ein klägliches Kindergeschrei im Hause sie zusammenschrecken , sie huschte nach der Küche und lugte scheu um den Türpfosten in die Stube , da sah sie den kleinen Hans Nepomuk heulend neben dem großen stehen , der wie tot am Boden lag . Sie stürzte hinzu , hob den Mann auf , brachte ihn zu Bette und begann ihm Stirne und Schläfen mit Essig zu waschen ; während sie noch um ihn beschäftigt war , ließen sich leise Tritte und ein ächzendes Atemholen in der Küche vernehmen , nach einer Weile zeigte sich hinter dem Türspalt das verstörte Gesicht der alten Zinshofer . » Jesus , Maria « , stöhnte sie , » was für ein Unglück ! « » Sei still « , flüsterte Helene . » Geh fort , geh in Gottsnam tort ! Ich will allein mit ihm sein , wann er wieder zu sich kommt . « » Dürft nit graten sein . « Helene zuckte ungeduldig mit dem Fuße , besann sich aber , damit aufzustampfen . » Wann ich dir aber sag , geh « , rief sie weinerlich , » so geh . « » Ich geh dir schon . Du weißt , bei der Hand bin ich , wenn d ' mich brauchst . « Helene rief nach der Türe : » ' s Kind nimm zu dir ! « Sie schob den kleinen Muckerl der Alten zu , und als sie an das Bett zurückkehrte , da erwachte der Mann , und als er ihrer ansichtig wurde , da streckte er abwehrend die Arme aus . » Weg , weg « , keuchte er , » weg du von mir . « Es kostete dem Weibe einige Anstrengung , mit beiden Händen seine sträubende Rechte zu erfassen und festzuhalten . » Muckerl , sei kein Narr , weil andere närrisch tun ! Der alte Sternsteinhofer is mir zeither feind , und die Bäuerin eifert wohl und bildt sich , Gott weiß was , ein - « Der Holzschnitzer kehrte sich der Wand zu . » Muckerl « , kreischte Helene , » das leid ich nit . Anhörn mußt mich ! « Sie rüttelte heftig an seinem Arme . » Schau mich an ! « Da wandte er langsam sein fahles Gesicht nach ihr . Jeder Tropfe Blutes war aus selbem gewichen , durch die Starre und Schlaffheit der Züge erschien es eingesunken , verzerrt , entstellt , nur die Mundwinkel zuckten kaum merklich , aber aus den im feuchten Glanze schimmernden Augen schoß ein stechender , durchdringender Blick : Was gilt noch die Red ? Und in diese Augen starrten nun mit leerem , nichtssagendem Blicke die des Weibes , dem es nur galt , die Lider nicht sinken zu lassen , wenn sie auch in leisem Krampte zuckten , und mit einer Stimme , so seelenlos im Ausdrucke und so rauh im Tone , als löse sich die klebende Zunge vom Gaumen , sagte es : » Weißt , ich war dir treu ! « Schmerz und Zorn , in einer Grimasse , verzogen dem Manne das Gesicht ; sein zornmütiges Lächeln nahm sich wie blöde aus , und er lallte , als er sprach : » Wann d ' dein Weiberehr auch gwahrt hättst - frag ich nit darnach ! Derweis treu is bald eine , auch was kein Herz hat , wie du keins für mich ; weiß nit , ob für ein andern ! - Gdacht hast , ich würd nimmer lang im Weg sein - wie ' s der von der Sein denkt ! - und daß d ' dadrauf wartst , darein liegt d ' Untreu , ob du ' s etwa nit mehr hast erwarten können - das vermag nit ärger weh z ' tun - weiß mer mal , daß unter einm Dach ' s eigene Weib ein ' n baldigen Tod wünscht ! « Helene brach in Tränen aus . » Was weinst ? « fragte er , sich emporrichtend . » Dazu , denk ich , wär wohl an mir die Reih ; aber den Gefallen erweis ich dir nit und die Freud mach ich dir nit ! « Er warf sich hinüber , den Kopf in die Pölster vergrabend , und schluchzte auf . Das junge Weib faßte mit beiden Händen ihn an den Schultern an . » Rühr mich nit an ! « schrie er emporschnellend . » Ausweinen will ich mich ! Fort ! Hinaus ! Schließ die Türen , draußen afm Torstaffel is dein Platz . Hab acht , daß niemand nah kommt und merkt , was da herum und herin vorgeht . Ich will kein Gefrag und kein Gespött . « Er winkte ihr heftig zu gehen . Sie kehrte sich ab und schritt hinaus , sie schloß die Türen hinter sich und setzte sich auf die Steinstufe vor dem Hause . Unbeweglich , die