Schreiber haben wie noch nie einer war . Er kann besser Deutsch , als Ihr und Luiser zusammen , schreibt wie gedruckt , ist klug wie der Tag und ein treuer Mensch . Und der Rabbi wird nichts dagegen haben . « » Gut , drei Gulden . Wer ist ' s ? « » Roseles Pojaz . « » Der ? « rief der Winkelschreiber . In der Tat , das war ja ein kluger Mensch , und lesen konnte er auch . Aber für Sender brauchte er doch nicht dem Marschallik einen Vermittlerlohn zu zahlen . Den konnte er sich selbst schaffen . » Das ist nichts für mich « , sagte er . » Ein Sterbender ! Und gottlos ist er auch . Und ob er schreiben kann , weiß ich nicht . « Der Marschallik lächelte . » Ich hab ' s ja nur für Euch und Frau Rosel gut gemeint . Sender selbst will lieber fort - er hat auch schon was ... Reden wir nicht mehr darüber . Also kein Geschäft , Reb Dovidl , weder das große noch das kleine . Lebt gesund ! « » Das große ist ja in Ordnung « , rief Dovidl und sprang auf ihn zu . » Dreißig Gulden . Abgemacht . « Er hielt ihm die Hand hin , und Türkischgelb schlug ein . Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte , blieb der Marschallik stehen und lüpfte den Hut . » Reb Itzig « , sagte er verehrungsvoll , » das habt Ihr gut gemacht ! Will Sender hier bleiben , nun kann er ' s und braucht als Apotheker keinen Schwur zu leisten . In acht Tagen läßt Dovidl die Mutter zu sich bitten und bietet ihr ' s an . Und alle können zufrieden sein , auch Dovidl , denn der ist ja glücklich , daß er mich um die drei Gulden betrogen hat . « Er irrte nur insofern , als Morgenstern schon zwei Tage darauf um Frau Rosel sandte . Seine Aussichten auf die Kollektur waren gewachsen ; und nun wollte er sich den Schreiber jedenfalls sichern . Aber Frau Rosel konnte nicht abkommen ; es war der erste Tag , den Sender außer Bette verbrachte , und sie mochte ihn nicht verlassen . Regungslos saß der Genesende im Lehnstuhl am Fenster , ließ den Blick über die Straße und das Stückchen Getreidefeld schweifen , das er überblicken konnte , und atmete tief - der Sonnenschein , die warme Frühlingsluft taten ihm so wohl - und daß er lebte , lebte ! Noch war die dumpfe Betäubung im Hirn nicht ganz gewichen ; wie ein Spinnennetz lag es über seinen Gedanken , und wenn er sich klar machen wollte , was alles geschehen , und sich ausmalen , wie es nun werden sollte , empfand er einen leisen Schmerz in den Schläfen . Aber wozu denken ? Lieber atmen und wieder atmen - tief und immer tiefer - und die Glieder im Sonnenschein dehnen - die Hand nach einem Blättchen der Linde vor dem Fenster strecken , das Blättchen abreißen und fallen lassen , die Hand zur Faust ballen und sich freuen , daß er dies alles konnte . Die Hand zitterte , und wenn auch der Druck und die Stiche in den Lungen aufgehört , so mußte er doch noch zuweilen husten , aber daran lag ja nichts . » Sie werden gesund « , hatte ihm gestern der Regimentsarzt zum Abschied gesagt , da er nun weiter mußte , » und brauchen keine sonstige Medizin als Essen und Stillsitzen . Und noch eins : keine traurigen Gedanken ! « Der Genesende nickte vor sich hin , immer und immer wieder , und atmete und lächelte : Traurige Gedanken ? Es gab nur ein Unglück auf der Welt : sterben müssen - und er lebte ja und wurde gesund . Aber essen - der Arzt hatte recht - essen , wo nur die Mutter so lange blieb ? Aber da trat sie ja ein , den Teller in der Hand und lächelte ihm zu . Er aß gierig - welch köstliche Suppe das war , nur etwas wenig . Aber die Mutter sagte : » In zwei Stunden bekommst du wieder einen Teller « , und so lehnte er sich geduldig in den Stuhl zurück und blickte in das Grün der Linde und sah zu , wie Sonne und Schatten im leisen Windhauch über das Laub huschten , bis er die Augen schloß und einschlief . Am nächsten Tage fühlte er sich schon viel kräftiger . Da konnte er die Jacke selbst knöpfen und stützte sich bei dem Gang ans Fenster auf den Arm der Mutter nur , weil sie es so wollte , er hätte den Lehnstuhl fast selbst erreichen können . Und heute konnte er auch schon ein ganzes Zweiglein des Lindenbaums an sich heranziehen und die winzigen Knöspchen betrachten , aus denen einst die weißlich-grünen , duftigen Blüten brechen sollten . Und jenes Haschespiel zwischen Licht und Schatten konnte er länger verfolgen als gestern , ohne müde zu werden . Während er so hineinstarrte , flog ihm brummend ein Maikäfer an die Nase . Schwups ! - da hatte er ihn . Aber nachdem er die glänzenden Flügeldecken und die feinen Fühlfäden betrachtet , legte er ihn sacht auf das Fensterbrett und freute sich , wie rasch er davonflog . Auch der Käfer und alles , alles wollte leben und sich der Sonne freuen , wie er selbst . Einmal schob sich eine Wolke vor die Sonne , aber sie wich bald wieder . Es mußte ja schön bleiben , immer , denn Licht und Wärme taten ihm wohl , und er mußte ja gesund werden ... Und darum war auch am dritten und vierten Tage der Himmel blau , und es wurde immer schöner auf der Erde . Denken ? nein , denken mochte er auch heute nicht . Aber in einem hielt er '