mir , und doch - doch bin ich so glücklich ! « rief er mit zitternder Stimme . » Jetzt erkenne ich erst ganz , welch ein Juwel mir zuteil wurde und welch einen Dank ich abzutragen habe . Ach , meine Antonie , es wird niemand dein Herz zwingen - niemand hier im Kreise ! Frei und ungehindert mußt du der Stimme in deinem Innern folgen ; ach , wer erkennt besser als ich , wie - wie étrange und delikat der Standpunkt ist , auf den dich ein hartes Geschick uns und der Welt gegenüber stellte . Ach wohl , mein teures Mädchen , folge hier und immer dem Zuge deines Herzens , es wird dich jederzeit das Richtige lehren . « Er war noch lange nicht fertig . Es war sehr gefährlich , ihn zum Wort gelangen zu lassen , denn fürs erste hörte er nicht wieder auf . Er redete mit tränenvoller Stimme weiter von berechtigten Gefühlen , von süßschmerzlicher Gegenwart und hoffnungsreicher glanzvoller Zukunft . Er schlug einen vortrefflichen Seifenschaum und seifte sämtliche Anwesende in einer Art ein , die , ihn zu seiner jetzigen Lebensstellung vollberechtigt erscheinen ließ . O er spielte trefflich den hochgebildeten Mann und ließ den reichen nur in den feinsten , aber grade darum anlockendsten Abschattungen hervortreten . Er freute sich so unendlich um des Kindes willen , sich aus Not , Elend und Niedrigkeit zu solcher wundervollen Lebenshöhe aufgeschwungen zu haben , und er ließ die Autorität , die er hätte in Anwendung bringen können , so zart verschleiert im Hintergrunde durchblicken , daß er auf jedem Punkte - zum zweiten Male sei es gesagt - im elegantesten , aber auch undurchdringlichsten Harnisch erschien . Zuletzt bat er in noch zartern Tönen und überquellenden Herzensklängen um ein kurzes Einzelgespräch mit Antonie und würde nicht darum gebeten haben , wenn man es ihm hätte verweigern können . Willenlos trat Antonie Häußler wieder zu ihm hin ; der Pastor von Krodebeck erhob sich von dem Stuhl , auf welchem vorhin Jane Warwolf saß , und wankte , sein Taschentuch erst auf das linke und dann auf das rechte Auge drückend , zur Tür . Vernichtet bot der Ritter dem Fräulein von Saint-Trouin den Arm , und der Junker von Lauen stürzte wie ein Verrückter ins Freie und stöhnte : » Oh , wenn mir doch jetzt ein Mensch begegnete , dem ich die Seele aus dem Leibe prügeln könnte ! Oh , wenn mir doch jetzt mein Freund Buschmann begegnete ! « Vierundzwanzigstes Kapitel Der Edle von Haußenbleib nahm , wie die gnädige Frau sich ausdrückte , mit dem Lauenhofe » vorlieb « . Er war so gütig und griff zu , auch da , wo er seinen Gefühlen einen Zwang antun mußte . Er saß bei Tisch neben seiner Antonie , der einzige , welcher , seiner Wehmut zum Trotz , Appetit entwickelte , und bedauerte nur , daß sein gütiger und vortrefflicher Gastfreund , der Herr Pastor , nicht auch an dem freundlichen Mahle teilnehmen konnte . Die übrigen wußten wenig zu sagen und konnten noch weniger essen . Es war ein schöner , stiller , warmer Abend ; die Erde sah auf den Mond , als ob Höhenrauch und Regenwolken gänzlich unbekannte Begriffe für sie seien , und die Bewohner des Lauenhofes blickten teilweise auch zum Monde empor . Sie gingen nämlich nach dem Abendessen im Garten spazieren - es war wirklich eine wunderschöne Herbstnacht . Der Edle hatte natürlich wiederum den Arm Antoniens unter den seinigen gezogen und führte sie langsam durch die hellen Gänge , als ob er seit zwanzig Jahren jede Nacht verstohlen über die Mauer geklettert sei , um sich Ortskenntnis zu verschaffen . Er plauderte nunmehr ganz munter - er war sehr heiter - er war ausnehmend vergnügt und in der Tat ungemein unterhaltend . Selbst Hennig , welcher grollend hinter dem Alten und seiner Enkelin drein zog und Blätter und Zweige von den Büschen abriß und sie entweder grimmig in den Weg streute oder sie noch grimmiger zerkaute , mußte mit immer stärkerem Interesse ganz gegen seinen Willen aufmerken . Da sprach der vielerfahrene , weitgewanderte Greis , mit einem Blick auf den guten , ehrlichen Mond , von der schönen Stadt Wien , und wie herrlich man dort lebe . Hohe Dinge redete er von seinem Leben dort und den noch höheren Personen , welche ihn daselbst der Ehre ihrer Bekanntschaft würdigten . Dann erzählte er von Italien , und jetzt fing der Mond an , wirklich sein ehrlich , breit Gesicht zu einem Grinsen zu verziehen . Von Venedig , Mailand , Padua , Mantua usw. schwärmte er , und seltsamerweise mit der höchsten Begeisterung von der herrlichen Stadt Verona . Der Name schien ihn jedesmal in eine mildere Ekstase zu versetzen . Von Romeo und Julia , vom Dietrich von Bern schien er wenig zu wissen ; aber desto mehr wußte er von der trefflichen strategischen Lage des Ortes und über das Fort San Felice und das Kastell San Pietro zu sagen . Fast zärtlich sprach er von der dreifachen Verteidigungslinie der Stadt , von all den wunderbaren Massentürmen , Terrassen , den bastionierten Fronten , Revers- und Traversalmauern , Ausfallsrampen und dem Brückenkopfe am neuen Arsenale : es war kaum zu glauben , daß dieser Mann einst an jedem Sonnabendabend die Krodebecker Bauern für den sonntäglichen Kirchengang rasiert hatte ! Er wußte ausgezeichnet gut Bescheid in Verona , und wer ihn hörte , der mußte , wie er sich auch sträubte , endlich daran glauben , daß die Veroneser über diesen ihren zweiten Dietrich von Bern in einem fortwährenden Taumel von Entzücken und Dankbarkeit schwammen . Kein Mensch auf Erden meinte es so gut mit den Veronesern wie der Edle von Haußenbleib , und wiedermal drückte der Edle das Taschentuch auf die Augen , wenn er an die gratitudine und riconoscenza der braven Leute dachte . » Ich habe sie schon dreimal mit verproviantieren helfen ! « rief