ein anderer ihn zu ersetzen versprach ! Auch an ihren Bruder dachte kein Mensch mehr . Wenn nur das Rad vorwärts ging , um den Treiber kümmerte man sich nicht viel . Mit keinem Worte wurde des bisherigen Knechtes gedacht ; das tat dem Mädchen so weh , daß es , obwohl für die spät gekommene Köchin sicher nicht die rechte Zeit zum Reden war , in immer offeneren Andeutungen an das frohe Zusammenleben mit Jos und an seine Verdienste um den Hof erinnern mußte . Hans sah sie dabei recht unfreundlich an , die Stigerin aber schnitt bald mit der trockenen Bemerkung : » Andere Leute sind auch wieder Leute « , jede weitere Erörterung ab . Ja , was gab es auch Wichtigeres , als daß das Nachtessen im rechten Augenblick auf dem Tische stand und gedüngt und gemäht wurde , wenn der Mond im rechten Himmelszeichen stand ! Das Mädchen ward recht böse auf die alte , harte Frau , während es Hansen , der nichts anderes daheim lernen konnte als selbstsüchtige Rücksichtslosigkeit , nach Kräften zu entschuldigen suchte . Aber auch das wollte ihr nicht recht gelingen . Denn so ein böses Gesicht hatte der Jos doch nie verdient , und ihr sollte es denn doch hoffentlich auch nicht gelten . Freilich war der Hans aus Liebe zur Bequemlichkeit gut und böse , wie es die Umstände gerade mit sich brachten ; aber wenn ihre Erinnerung auch an sein Gewissen geklopft haben sollte , so durfte er sie nicht mit einer neuen Ungerechtigkeit abweisen . Noch in ihrem Schlafkämmerlein machte die Sache ihr Kopfarbeit . Wenn sie allenfalls , was ihr immer wahrscheinlicher wurde , nach der morgigen Beichte diesen Dienst verlassen mußte , so konnte ja die Stigerin wenigstens Hansen damit schnell trösten , daß doch andere Leute denn auch wieder Leute seien . Sie malte sich ' s schon lebhaft aus , wie es dann sein werde , und fand fast einen Trost darin , daß es ihr dann gehe wie dem guten Jos , ja daß sie , der die Verleumdung schon überall den Boden unterwühlt , noch tiefer als er falle , aber doch keinen Menschen mitreiße . Keinen ? Nicht den Vater , der den hübschen Jahreslohn , den sie gewiß nur hier erhielt , so grausam nötig brauchte , seit er selber kaum noch etwas verdienen konnte ? » Nein « , rief sie laut , » er soll nicht mit mir fallen ! Lieber will ich mich an den Dornstrauch der Arbeit festhalten , wie blutig mir die Hände dabei auch werden mögen . Wenn einmal solche Bedenken mich hielten , dann wär ' ich wahrhaft nicht besser , als der Kaplan gesagt hat . Erst will ich den Frieden mit mir selbst . Den gibt es morgen auf die oder jene Art , und dann - oh , dann bin ich wieder zu allem fähig und stark ! « Und nun konnte sie sich niederlegen und ruhig schlafen , wie sie seit Wochen nicht mehr geschlafen hatte . Kein beunruhigender Traum quälte sie mit den Gedanken und Fragen , welche sie in der letzten Zeit bei Tag und Nacht beschäftigen und ihr keine frohe Stunde mehr lassen wollten . Ihr hohes Bett mit dem zum Platzen vollen Laubsack stand hart neben dem Fenster , welches sie offen gelassen hatte , um eher von den Klängen der Avemariaglocke geweckt zu werden . Aber sie erwachte noch vorher , und das galt ihr für ein gutes Zeichen . Vielleicht hatte sie der Schutzengel so ungewöhnlich früh geweckt . Hurtig stand sie auf und hätte sich kaum schneller ankleiden können , wenn ' s gleich an eine Feuersbrunst gegangen wäre . Nur die letzte Arbeit , das Ordnen der großen blonden Zöpfe , nahm ungewöhnlich viel Zeit in Anspruch , und immer noch war sie nicht zufrieden mit sich selbst , obwohl sie vor keinem Spiegel stand , aus dem sie einen Grund zu weiteren Anstrengungen hätte ersehen können . Jetzt erst fragte sie sich , was sie denn eigentlich nun zu beichten habe . Sie wollte losgesprochen werden von der inneren Unruhe , die sie quälte . Es mußte klar werden , ob ihr Gewissen oder Launenhaftigkeit sie vor einer Verbindung mit dem reichen Burschen immer noch zurückschrecken lasse . Ja , sie wollte eben gar nicht beichten , nur um Rat fragen beim Beichtvater . Und doch sollte sie sich auch anklagen , sollte losgesprochen werden . Ihr Gewissen ward von etwas recht furchtbar schmerzlich gedrückt , aber sie konnte diesem Etwas keinen Namen geben , wußte weder , woher es kam , noch , warum es da war , sondern nur , daß es etwas recht Sündhaftes sein müsse , weil sie noch nie ein innerer Vorwurf so gequält hatte . Sollte sie vielleicht sagen , daß sie sich über Hansen zuweilen noch recht ärgern könne ? Richtig war das , obwohl sie ihn für einen herzguten Kerl hielt , den man gern haben müsse , wenn man ihn recht kenne . Ja , Hans war ihr trotz allem nicht recht - vermutlich , weil sie ihn eben ganz nach ihrem Kopfe haben wollte . Da steckte es ! Das Gute an ihm war seine Güte gegen sie und die Ihrigen . Es fehlte nur noch , daß er sich nicht ganz von ihr beherrschen ließ ! Der Kaplan hatte daher ganz recht in seiner Predigt . Die Sache steckte schon viel tiefer , als sie bisher selber glaubte . Schon meinte sie , klar zu sehen , und nun gleich sollte alles das wieder heraus , wieviel anderes dabei auch mitgerissen werden möchte . Sie war mit den Zöpfen fertig und spitzte schon den kleinen Mund , um das Licht auszublasen , als der Glockenschlag der alten Schwarzwälderuhr sie erschreckte . Wie war das möglich ? Das Mädchen war über sich selbst erstaunt und hielt die Hand gegen die Wärme des Lichts , um sich zu überzeugen