in Jochhausen Ähnliches gehört zu haben - nach seiner eigenen Äußerung zu schließen und nach denen des Kutschers und des Bedienten , die ihn begleiteten . « Während er so sprach , gingen sie die Treppe hinab . Unten in der Halle standen der Portier , der Koch , zwei Bedienten und ein paar Stubenmädchen und unterhielten sich eifrigst von den Dingen , die da kommen sollten . » Was geht hier vor ? « fragte Regina ernst . Aber ehe jemand antwortete , flog die Türe des Salons auf und die Baronin Isabelle stürzte , von ihrem Kammermädchen und von Corona begleitet , in die Halle und umfing mit krampfhaftem Weinen Regina . Nun sprach die ganze Dienerschaft auf einmal , was man alles tun müsse : das Hoftor und die Fensterladen schließen ; die äußeren Türen verrammeln ; Geld , Silberzeug und sonstige Kostbarkeiten zusammenpacken und dann übersetzen nach Engelberg ; die Gewehre aber sämtlich vor dem Hof niederlegen , damit jeder Vorwand zum Einbruch in das Schloß entfernt sei . » Welche Feigheit ! « rief Regina . » Ach Gott , ja ! nach Engelberg ! « seufzte die Baronin . » Und Onkel Levin ? « sagte Regina . » Nein ! ich bleibe - und ich denke , wir bleiben alle , ruhig jeder bei seinem Geschäft und mit geöffneten Fenstern und Türen - ganz wie gewöhnlich . Kommt irgend jemand mit irgend einer Anfrage , so rufe man mich . « » Regina ! « rief die Baronin , » Du wolltest Dich weiß der Himmel welchen Beleidigungen aussetzen ? O nimmermehr leid ' ich das ! « » Liebe Tante , ich bin die älteste Tochter des Hauses und muß in meines Vaters Abwesenheit dessen Stelle vertreten . Ich tue meine Pflicht , Gott ist mit mir , und es wird keinem Menschen einfallen mich zu beleidigen , « sagte Regina sanft und fest . » Kind , « sagte die Baronin in grenzenloser Aufregung , » Kaiser und Könige sind vor diesen Mannern der Volkssouveränetät gewichen und haben ihnen ihre Rechte abgetreten - und Du willst ihnen ein paar Gewehre verweigern : das ist unerhört kühn . « » Wollen Kaiser und Könige ihre Arsenale von dem souveränen Volk erstürmen lassen : so ist das ihre Sache ; allein in dem unseren hat es nichts zu tun . Überdies find ' ich , daß wir gerade so gut zum souveränen Volk gehören , wie irgend ein Blousenmann . « Regina sagte dies alles so einfach und heiter , daß sich die allgemeine Aufregung etwas legte - nur nicht bei der Baronin . Sie rang die Hände und rief klagend : » Was fangen wir an , wenn sie mit dem einbrechenden Dunkel kommen ? « » Halten Sie Windlichter bereit , « sagte Regina zu den Dienern . » Die werden ganz festlich die Audienz beleuchten , welche wir den Herren von der Blouse auf dem Perron geben werden , wenn sie heute kommen ; was ja ganz ungewiß ist . « » Gewiß kommen sie heute , « jammerte die Baronin ; » gewiß benutzen sie des Vaters Abwesenheit . « » Sollten sie davon unterrichtet sein ? « fragte Regina . » Versteht sich ! ich ließ sogleich die Fahne einziehen . « Regina lächelte und sagte zu den Dienern : » Also wenn jemand in den Hof kommt , so rufe man mich ; aber bei Zeiten , denn draußen will ich mit dem souveränen Volk sprechen - nicht hier in der Halle . Und Niemand zeige den ungebetenen Gästen Unruhe oder Mißtrauen . « » Liebste Regina , ich fasse gar nicht Deine übermenschliche Verwegenheit , « sagte die Baronin . » Die Leute kommen vielleicht , um das Schloß an allen vier Ecken anzuzünden und Du willst mit ihnen Gespräche führen ! « Regina nahm die Baronin unter den Arm , führte sie in den Salon zurück und sagte : » Wer soll denn sonst mit ihnen sprechen , liebe Tante ? man muß ihnen doch Bescheid geben und unsere Leute könnten sich verwirren lassen . « » Daß der Rentmeister auch gerade jetzt auf vierzehn Tage Urlaub nahm ! der ist redefertig und dreist ! « seufzte die Baronin . Regina erwiderte nichts , sondern ging in das Zimmer ihres Vaters , das zur Rechten neben dem Salon lag . Es war sein Schreibzimmer ; sie ging hindurch ; auch durch sein Schlafzimmer . Die dritte Türe , welche sie öffnete , war die der sogenannten Gewehrkammer , ein sehr geschmackvoll eingerichtetes kleines Arsenal , die Wände mit Eichenholz getäfelt und die verschiedensten Arten von Waffen trophäenmäßig darin aufgehängt . Eine Sammlung von Pistolen und eine andere von Dolchen enthielt alte , seltene und manche sehr kostbare Exemplare , welche sich der Graf mit vieler Mühe und großen Kosten verschafft hatte . Seine Gewehrkammer war seine Liebhaberei und noch weit mehr die seiner Söhne , die , wie alle junge Männer , eine wahre Leidenschaft für Waffen hatten . Und dies sollt ' ich plündern lassen ? Nimmermehr ! sprach Regina bei sich selbst . Sie verschloß die Türe , nahm den Schlüssel , ging in den Salon zurück und sagte : » Jetzt bekommen die Goldfische im Basin einen eisernen Kameraden . « Die Baronin starrte sie an ohne sie zu sehen und fragte ganz stumpf , als Regina auf die Terrasse ging , zu Ernest gewendet : » Was sagt sie ? « was will sie ? « » Sie wirft den Schlüssel der Gewehrkammer in das Bassin , « entgegnete Ernest , der mit größter Freude Regina beobachtete . » Ist Ihnen je ein junges Mädchen von solcher Löwenkühnheit vorgekommen , mit einem Trupp Blousenmänner es aufnehmen zu wollen ! « flüsterte die Baronin mit versagender Stimme : » Gräfin Regina hört alle Tage in heiliger Messe beten : Adjutorium nostrum in nomine Domini , « erwiderte Ernest . » Da sie