der eine Vermittelung ersuchte . Ja Friedrich kam hauptsächlich mit hierher , um , wenn nicht die Hülfe des Reichs , doch die der einzelnen Fürsten und Städte wie des Adels zu gewinnen , die zu dem schwäbischen Bund und dem Löwlerbund gehörten , welche beide gestiftet waren , die willkürlichen Fehden im Reiche niederzuhalten und sich untereinander gegen übermüthige Lehensherren oder ungehorsame eigenmüthige Reichsvasallen beizustehen , gleicherweise wie die Städte und ihre Bürger gegen die Bedrückungen und Raubanfälle des Adels zu schützen . Jetzt war es Friedrich , der nicht nachgeben mochte und auch Vergangenes nicht vergessen konnte und gegen Regensburg drohte , das Albrecht befestigte : » Ob man die Stadt auch ganz zumauere , will ich doch hinein , und sollt ich durch ein Spältlein schlüpfen . « - Neben ihm ritt der goldlockige König Max . Noch ebenso heldenhaft und schön war seine Erscheinung , wie vor zwei Jahren , wenn auch vielleicht die Sorgen , die ihn jetzt bedrückten , vornehmlich die Sorgen um die immer noch nicht beendeten Flandrischen Händel , die der heldenhafte Herzog Albrecht von Sachsen , seit Jahr und Tag fast ohne alle Reichshülfe gelassen , mit einem kleinen Heer in den immer wieder aufständigen Provinzen allein zu schlichten suchen mußte , und dann um die neue Ungebühr , die ihm der König von Frankreich erwiesen - wenn auch diese Sorgen vielleicht ein paar Furchen auf seiner Stirn gezogen , welche die Krone mehr drückte als der Helm des Ritters , den er mit größerem und froherem Stolze trug , als jene . Er grüßte noch ebenso leutselig wie bei seinem ersten Einzug , und gewann sich noch ebenso alle Herzen , wie damals , die durch eine edle ritterliche und huldvoll um sich blickende Erscheinung zu gewinnen waren . Unter seinem Gefolge erblickte man auch einige Nürnberger , die mit ihm gezogen waren , ihm ihr Schwert zu weihen und im Kampfe für ihn sich ihre Sporen zu verdienen . Darunter befand sich Stephan Tucher in strahlender Rüstung , deren stählerne Schilder durch goldene Einfassungen miteinander verbunden waren ; ein weißer Federbusch wehte von dem glänzenden Helm . Sein Schwert hing an einer rosenfarbenen Schärpe mit silbernen Fransen - war es blinder Zufall oder bewährte Treue , daß er doch so Ursula ' s Farben trug ? Sein Antlitz glänzte von Heiterkeit und Gesundheit - etwas wettergebräunter war es geworden - aber sonst lächelte es gerade so stolz und selbstgefällig wie vordem . Gleich hinter dem König ritt sein treuer Bruder und lustiger Rath Kunz von der Rosen , der ihn , seit ihn einmal Kerkermauern von seinem Herrn getrennt , nie wieder verlassen hatte . Er war es auch , der , da der Zug sich dem Stadtthor näherte , plötzlich voraussprengte und durch ein Seitengäßlein reitend sagte : sein Pferd sehne sich nach dem Stall und er nach der Herberge , so wollten sie sich beides ohne Ceremonienmeister suchen . So durch enge Gäßchen trabend , die eigentlich den Reitern verboten waren , gelangte er vor Scheurl ' s Haus unter der Veste , als der Herr desselben mit andern Rathsherren und Edlen nach der andern Seite hin dem König entgegen zog , um ihn feierlich in sein Haus zu führen . Kunz konnte recht wohl berechnen , daß er auf diese Weise , indem er sich nicht nur einen Umweg , sondern auch alle aufhaltenden Empfangsfeierlichkeiten ersparte , um eine halbe Stunde früher als der König selbst in die für ihn bereitete Wohnung kam . Er wollte sich den Spaß machen , vor ihm einzutreffen , die Hausfrau vielleicht durch verfrühtes Kommen noch in den letzten Vorbereitungen zu stören , oder sich dann gleich selbst als Hauswirth zu geberden und Herrn Scheurl in seiner eigenen Wohnung gleich einem fremden Herrn zu empfangen . Dergleichen Späße waren nun einmal seine Weise und gehörten in der damaligen Zeit mit zu den Hauptbelustigungen . Der Thorweg , welcher , an einer andern Seite als die Hausthür befindlich , in den Hof des Scheurl ' schen Hauses führte , stand weit geöffnet , eben so die Thüren der Ställe , und Alles war bereitet , darin mindestens ein paar Dutzend Pferde aufzunehmen . Aber kein Stallknecht ließ sich sehen , alle Leute waren davon gelaufen dem kaiserlichen Zuge entgegen . Kunz sprang vom Pferde , führte es am Zügel an eine gefüllte Krippe , streichelte es . und sagte zu ihm , indem er es anband : » Nun sieh , für Dich ist der Tisch gleich gedeckt ; Du wirst eher und besser bedient als Kaiser und König , und auch als sein lustiger Rath ; ich muß sehen , ob ich auch ein so gutes Quartier finde wie Du . « Er ging über den Hof in die weite Hausflur , schüttelte den Schnee von seinen Füßen und dachte , indem er mit seinen nassen gewaltigen Reiterstiefeln auf die schönen weichen Teppiche von venetianischer Weberei trat , die sich die marmornen Treppen herunterschlängelten und an den Stufenfugen mit blitzenden Metallhaltern befestigt waren : » Nun , das laß ich mir gefallen ! Am Ende hat Aeneas Sylvius doch recht , wenn er behauptet , daß kein Potentat so schön wohne wie die Bürger von Nürnberg und Augsburg , und wenn mein Herr an seine Worte denkt , die er einmal als Jüngling sprach , da ihm der geizige Vater einige Münzen geschenkt und darüber schalt , daß Max keine bessere Anwendung davon mache , als sie an andere Knaben zu vertheilen : » Ich will kein König des Geldes werden , sondern eines Volkes und derer , die Geld haben - so erfüllt es sich wenigstens einmal bei den Nürnbergern : die haben Geld , was sonst ein rarer Artikel im lieben deutschen Reich , besonders am kaiserlichen und königlichen Hofe und auch anderwärts - den reichen Jörge ausgenommen , der in der Schatzkammer zu Burghausen mehr Gold und Silber birgt , denn jemals eine Kaiserkrone eingebracht . «