ich war nicht von dem Verlangen belebt wie damals , das Wesen und die Art meines Gastfreundes zu erforschen , dies lag entweder aufgelöst vor mir , oder war nicht zu lösen . Das einzige war , daß wieder Getreide außerhalb des Sandplatzes vor den Rosen ruhig und unbewegt stand ; aber es war eine andere Gattung , und es war nicht zu erwarten , daß es in der Nacht im Winde sich bewegen und am Morgen , wenn ich die geklärten Augen über die Gegend wendete , vor mir wogen würde . Als die Nacht schon sehr weit vorgerückt war , ging ich von dem Fenster , und obwohl ich jeden Abend gewohnt war , ehe ich mich zur Ruhe begab , zu meinem Schöpfer zu beten , so kniete ich doch jetzt vor dem einfachen Tischlein hin und tat ein heißes , inbrünstiges Gebet zu Gott , dem ich alles und jedes , besonders mein Sein und mein Schicksal und das Schicksal der Meinigen , anheim stellte . Dann entkleidete ich mich , schloß die Schlösser meiner Zimmer ab , und begab mich zur Ruhe . Als ich schon zum Entschlummern war , kam mir der Gedanke , ich wolle nach Mathilden und ihren Verhältnissen eben so wenig eine Frage tun , als ich sie nach meinem Gastfreunde getan habe . Ich erwachte sehr zeitig ; aber nach der Natur jener Jahreszeit war es schon ganz licht , ein blauer , wolkenloser Himmel wölbte sich über die Hügel , das Getreide unter meinen Füßen wogte wirklich nicht , sondern es stand unbewegt mit starkem Taue wie mit feurigen Funken angetan in der aufgehenden Sonne da . Ich kleidete mich an , richtete meine Gedanken zu Gott , und setzte mich zu meiner Arbeit . Nach geraumer Zeit hörte ich durch meine Fenster , welche ich bei weiter fortschreitendem Morgen geöffnet hatte , daß auch am äußersten Ende des Hauses gegen Osten Fenster erklangen , welche geöffnet wurden . In jener Gegend wohnten die Frauen in den schönen , nach weiblicher Art eingerichteten Gemächern . Ich ging zu meinem Fenster , schaute hinaus , und sah wirklich , daß alle Fensterflügel an jenem Teile des Hauses offen standen . Nach einer Zeit , da es bereits zur Stunde des Frühmahles ging , hörte ich weibliche Schritte an meiner Tür vorüber der Marmortreppe zugehen , welche mit einem weichen Teppiche belegt war . Ich hatte auch , obwohl sie gedämpft war , wahrscheinlich , um mich nicht zu stören , Gustavs Stimme erkannt . Ich ging nach einer kleinen Weile auch über die Marmortreppe an dem Marmorbilde der Muse vorüber in das Speisezimmer hinunter . Der Tag verging ungefähr wie der vorige , und so verflossen nach und nach mehrere . Die Ordnung des Hauses war durch die Ankunft der Frauen fast gar nicht gestört worden , nur daß solche Vorrichtungen vorgenommen werden mußten , welche die Aufmerksamkeit für die Frauen verlangte . Die Unterrichts- und Lernstunden Gustavs wurden eingehalten wie früher , und ebenso ging die Beschäftigung meines Gastfreundes ihren Gang . Mathilde beteiligte sich nach Frauenart an dem Hauswesen . Sie sah auf das , was ihren Sohn betraf , und auf alles , was das häusliche Wohl des alten Mannes anging . Sie wurde gar nicht selten in der Küche gesehen , wie sie mitten unter den Mägden stand und an den Arbeiten Teil nahm , die da vorfielen . Sie begab sich auch gerne in die Speisekammer , in den Keller oder an andere Orte , die wichtig waren . Sie sorgte für die Dinge , welche den Dienstleuten gehörten , in so ferne sie sich auf ihre Nahrung bezogen oder auf ihre Wohnung oder auf ihre Kleider und Schlafstellen . Sie legte das Linnen , die Kleider und anderes Eigentum des alten Herrn und ihres Sohnes zurecht , und bewirkte , daß , wo Verbesserungen notwendig waren , dieselben eintreten könnten . Unter diesen Dingen ging sie manches Mal des Tages auf den Sandplatz vor dem Hause und betrachtete gleichsam wehmütig die Rosen , die an der Wand des Hauses empor wuchsen . Natalie brachte viele Zeit mit Gustav zu . Die Geschwister mußten sich außerordentlich lieben . Er zeigte ihr alle seine Bücher , namentlich , die neu zu den alten hinzu gekommen waren , er erklärte ihr , was er jetzt lerne , und suchte sie in dasselbe einzuweihen , wenn sie es auch schon wußte und früher die nämlichen Wege gegangen war . Wenn es die Umstände mit sich brachten , schweiften sie in dem Garten herum und freuten sich all des Lebens , was in demselben war , und freuten sich des gegenseitigen Lebens , das sich an einander schmiegte , und dessen sie sich kaum als eines gesonderten bewußt wurden . Die Zeit , welche alle frei hatten , brachten wir häufig gemeinschaftlich mit einander zu . Wir gingen in den Garten , oder saßen unter einem schattigen Baume , oder machten einen Spaziergang , oder waren in dem Meierhofe . Ich vermochte nicht , in die Gespräche so einzugehen , wie ich es mit meinem Gastfreunde allein tat , und wenn auch Mathilde recht freundlich mit mir sprach , so wurde ich fast immer noch stummer . Die Rosen fingen an , sich stets mehr zu entwickeln , sehr viele waren bereits aufgeblüht , und stündlich öffneten andere den sanften Kelch . Wir gingen sehr oft hinaus und betrachteten die Zierde , und es mußte manchmal eine Leiter herbei , um irgend etwas Störendes oder Unvollkommenes zu entfernen . Die Mittage waren lieb und angenehm . Auch das , daß Mathilde und Natalie so fein und passend , wenn auch einfach angezogen waren , wie ich es von meiner Mutter und Schwester gewohnt war , gab dem Mahle einen gewissen Glanz , den ich früher vermißt hatte . Die Vorhänge waren gegen die unmittelbare Sonne jederzeit zu , und es war eine gebrochene und sanfte Helle in dem Zimmer