voran « , lachte Friedrich . » Zürnen wird er ohnehin keinem drüber , denn es trägt ihm ja Geld ein , woran ' s ihm immer fehlt . « » Schweig du still ! « gebot der Sonnenwirt . » Ich hab dann den Amtmann bitten wollen « , fuhr er gegen seine Frau fort , » er solle dem Buben attestieren , daß er abhängig sei und über kein Vermögen zu verfügen hab . Der Amtmann aber hat mich ausgelacht und hat mir geantwortet , da müßte man allen Kindern bei Lebzeiten ihrer Eltern Armutsattestate ausstellen , und überdies sei dies grad bei dem Buben nicht wahr , da er ja sein Mütterliches besitze , wenn er auch nicht frei darüber verfügen könne . « » Und von dem Mütterlichen « , sagte Friedrich , » wird die Strafe bezahlt , dann könnt Ihr Euch nicht beklagen , Vater , daß ich Euch Unkosten verursach . « » Du wirst dein Mütterlich ' s bald eingebrockt haben , du Lump , wenn du so fort machst « , versetzte der Sonnenwirt . » Vater « , sagte Friedrich , » gebet mir die Christine und gebet mir mein Mütterlich ' s dazu , daß ich ' n Anfang hab , dann will ich ' s Euch schriftlich geben , daß ich Euch nicht bloß mit keiner weiteren Anforderung beschwerlich fallen will , sondern will auf alles Erbteil an Euch verzichten . « » Du hast ohnehin kein Recht darauf « , erwiderte der Sonnenwirt . » Ich kann erben lassen , wen ich will , und wenn du dich nicht besserst , so laß ich dich ganz aus meinem Testament . « » Vater « , versetzte Friedrich , » wenn ' s durch Eure Härte dahin kommt , daß ich vielleicht noch vor Euch sterben muß , dann wird Euch gewiß dieses Wort gereuen . « » Es wär dir vielleicht besser , du führst noch bei guter Zeit in die Grube , eh das Unglück größer wird « , entgegnete der Alte . » Du kannst dich ja doch in nichts schicken . Mach nur so fort und verschenk Erbschaften , eh du sie hast . Du scheinst mir ' s mit dem Eigentum leichter zu nehmen , als billig ist . Freilich , du hast ja schon Proben davon gegeben und hältst dich lieber nach Zigeuner- als nach Christenart . « Friedrich fuhr auf , und der Zank drohte noch heftiger auszubrechen , als man über die Straße ein großes Geschrei vernahm , das demselben ein Ende machte . Es war ein Lärm und ein Zusammenlaufen , dessen Ursache man bald erfuhr . Während in der Sonne Vater und Sohn in bösem Wortwechsel begriffen waren , hatte sich in der Nachbarschaft noch ein ärgerer Auftritt zugetragen . » Der Kübler hat sich leiblos gemacht ! « rief man von allen Seiten . So war es auch . Der Kübler , der schon lange mit seinem Weibe im Unfrieden gelebt , hatte ihr zum Abschied Arndts Wahres Christentum ein paarmal um den Kopf geschlagen und sich dann mit einem stumpfen Messer den Hals abgeschnitten . Da solche extreme Begebenheiten unter der zahmen Bevölkerung ziemlich selten waren , so geriet der ganze Flecken in Aufregung , und jeder andere Handel schwieg über dem unehrlichen Grabe des Selbstmörders , den man nach Vorschrift bei Nacht in einer Waldklinge verscharrte . 20 Wenige Tage nach diesem Vorgang traf Friedrich , der sich nun an kein Verbot mehr gebunden fühlte , die Familie Christinens in großer Bestürzung an . Christine und ihre Mutter weinten laut , als er eintrat , und der Alte , der sein häusliches Mißgeschick mit leidlichem Gleichmut ertragen hatte , schien heute ganz zerschmettert zu sein . Auf Friedrichs Befragen erzählte er , er sei vom Pfarrer und auch vom Amtmann vorgefordert worden . Der Pfarrer habe ihm eine recht bibelmäßige Predigt gehalten wegen der Sünde , daß er die standeswidrige Liebschaft seiner Tochter geduldet , und ihn vermahnt , nunmehr in christlicher Demut das Unglück derselben als eine Strafe Gottes für seinen Hochmut hinzunehmen , auch ihm eröffnet , daß , wenn er nicht seine Einwilligung zu ihrer Heirat mit dem Sonnenwirtssohne entschieden versage , er in allen künftigen Fällen von Not oder Krankheit auf eine Unterstützung aus dem Heiligen nicht mehr rechnen dürfe . » Das kommt von meiner Frau Stiefmutter her , die hat sich hinter den Pfarrer gesteckt « , sagte Friedrich bitter . » Aber wartet nur , Vetter , es kommt gewiß noch eine Gelegenheit , wo ich ' s dem Höllenpfaffen eintränken kann , daß er einem Vater zumuten will , er solle dazu mithelfen , seine eigene Tochter um ihre Ehre zu bestehlen . « » So lang ' s am Sonnenwirt fehlt « , versetzte der Hirschbauer , » ist ' s eigentlich gleichgültig , ob ich meine Einwilligung geb oder nicht , und das hab ich auch dem Pfarrer gesagt . Aber es hat mir schier das Herz auseinandergerissen , daß man arme Leut so unterdrückt . Ich soll aus Hochmut Ihm die Tür zu meiner Tochter offengelassen haben , ich soll auf unrechten Wegen eine vornehme Verwandtschaft gesucht haben , während ich von Anfang an gegen die Sach gewesen bin ! Ich will Ihm jetzt keinen Vorwurf mehr machen , seit Er sich gestern vor ' m Kirchenkonvent so wacker gehalten hat und hat Gott und der Wahrheit die Ehr geben , was nicht ein jeder tut ; aber das kann ich Ihm sagen , Er ist ein Nagel zu meinem Sarg , und wenn das Ding sich nicht bald anders wendet , so wird man sehen , wie tief mir ' s ins Herz gefressen hat . Armut und Niedrigkeit kann ich tragen , aber der Schmach und Verachtung bin ich mein Leben lang aus dem Weg gangen , und ich spür ' s am Verfall in meinen morschen Knochen , daß mich auch