selbst und mit einem weichen Pfauenwedel . Sie nahm jeden Band einzeln heraus , trug ihn in das Vorzimmer und fegte ihn am geöffneten Fenster . Da lächelte er zufrieden , die andern Bücher , die hinten bis an die Decke die Zimmerwände füllten , sollten nur dann und wann , und nur ganz oberflächlich abgestäubt werden . Auch sollten dazu sonnige Tage abgewartet werden , weil die Sonne den Staub niederdrückt . Die Horazregale sollten dabei mit Leinentüchern überdeckt , und der Geheimrath selbst jedesmal vorher avertirt werden , um zu untersuchen , ob es nöthig sei . - Ob diese Bedingungen streng inne gehalten wurden , bleibt ein häusliches Geheimniß . Die letzte gewiß nicht , denn der Geheimrath hätte es nie für nöthig gefunden . Aber der Eifer der Geheimräthin musste nachgelassen haben ; die Luft verrieth , daß die Fenster sehr lange nicht geöffnet worden . Der chromatische Farbenspiegel der Scheiben , und die Spinneweben an den Fensterecken gaben den vollgültigsten Beweis dafür , daß , wie alle Passionen , auch die des Reinlichkeitssinnes einem Wechsel unterworfen sind . Oder waren es andere Gründe ? Grade diese Spinnen , der schillernde Glanz der Scheiben , der Duft des Unberührtseins war es , was dem Zimmer den Charakter sonntäglicher Heimlichkeit gab . Wohlverstanden der sonntäglichen Heimlichkeit einer alten deutschen Gelehrtenstube , in welche der Qualm des Tabaks noch nicht eingedrungen und den Büchergeruch noch nicht niedergedrückt hat . Und ganz zu dieser Stube , will man sagen wie die Seele zum Körper , oder die Spinne in ihrem Netze , passte die Gestalt des Geheimrathes , der den Kopf im Ellnbogen und den Ellnbogen auf einem Folianten in ihrer Mitte saß , wohlgefällig , zufrieden , schlau lächelnd . So hatte er das Wort gesprochen : » Und wir behalten Frieden und Alles bleibt beim Alten ! « als ein Seufzer aus der tiefen Stille des Zimmers ihm antwortete . Der Geheimrath glaubte an keine Gespenster , er sah auch nach keinem , als sein schlauer Blick über das Regal , welches die Zweibrückner Horaze trug , auf die schweinslederne Hinterwand fiel , wo Jemand auf der Leiter einen Folianten in der Hand wiegte . » Gehören Sie auch zur Kriegspartei , mein Herr van Asten ? « » Ich bin ein stiller Civilist , Herr Geheimrath , « war die Antwort . » Wozu beschweren Sie sich denn aber da mit dem Hugo Grotius ? Sein de jure gentium gehört doch sonst nicht zu Ihren Studien . « Wenn der Geheimrath soweit hätte sehen können , würde er eine leichte Röthe auf des jungen Mannes Gesicht bemerkt haben . » Nehmen Sie ' s nur runter , « fuhr er fort , » Sie können ' s auch mit nach Hause nehmen , wenn ' s Ihnen nicht zu schwer ist , die Edition ist nicht selten , man kann sie bei den Antiquaren bekommen . Der Montesquieu steht auch noch angeschrieben . « Der junge Mann war von der Leiter gestiegen , den Folianten im Arm : » Wenn sie mir also erlauben - « » Aber nehmen Sie sich in Acht , Ihr blauer Frack ist von dem Grotius ganz staubig . Der hat zwar auch mal in einer Kiste gesteckt , wenn ich mich recht entsinne , einer Bücherkiste , und da wird er noch staubiger rausgekrochen sein , aber er wollte nur in Freiheit kommen , nicht zu einer jungen schönen Demoiselle . Aber Sie wollen doch nicht der Mamsell Alltag aus dem Hugo Grotius Vorlesungen hatten ? Das Kind ist zwar gescheit , aber ich zweifle doch , daß ihr die Lektüre sehr plaisant sein wird . « Der Geheimrath war in ungewöhnlich guter Laune , der junge Mann schien außer Gewohnheit befangen . Indessen hatte er sich schnell gesammelt , während er den Staub vom Rock abklopfte . » Herr Geheimrath sind heiterer , seit Mamsell hier ist . Ihr Haus ward belebter . Stören Sie aber die vielen Gesellschaften nicht ? « » Au contraire ! Was so jetzt die Menschen allarmirt und auch sonst wohl bis zu mir drang , bleibt nun außer meinem Rayon . Die Herrschaften können das nun bequemer unter sich und mit meiner Frau abmachen . « » Sollte es nie in Ihren Rayon dringen ? « sagte van Asten sehr ernst . » Wenn ich mich einschließe , das wollte ich doch mal sehen . Aber ei , ei , Herr van Asten , will die Romantik Sie nicht verlassen ! Sie sehen da wieder eine Geistererscheinung . « » Die , welche ich sehe , Herr Geheimrath , sehen Viele mit mir . Dieser Herbst wird die Fluren , wo fröhliche Saaten gereift , mit Leichen und Blut decken . « » Sehn Sie mal , « sagte der Geheimrath , » was Sie alles sehen ! « und wischte mit dem Läppchen die Dinte aus der Feder , die er dann sorgsam vor sich auf das Papier legte . Sein Gesicht bekam dabei einen immer , was man nennt glaueren Ausdruck , wie ein kluger Mann , wenn er Einen , der sich auch für klug hält , auf eine Sandbank abgesetzt zu haben glaubt . » Und diese Vielen , die mit Ihnen diese erschreckliche Geistererscheinung sehen , sind , kurios genug , dieselben , die vor Freude damals zitterten , als der Herr General Bonaparte , wie sie es nannten , die Hydra der Revolution niedergetreten hatte . Da sollten wir Andern mit ihnen hüpfen und springen vor Entzücken , denn sie sagten uns , es wäre ein Messias der neuen Weltordnung . Sehen Sie mal , wir thaten das nun nicht , denn wir entsannen uns , daß dieselben spring-und hüpflustigen jungen und alten Herren ein Zehn Jahr vorher ebenso gesprungen und gesungen hatten , als diese Hydra in Paris den Kopf erhob , und sie hatten damals auch darin einen neuen Messias und Weltbeglücker , und wer