sie in den erleuchteten Salon wie um uns dort zu empfangen . Ich ging hastig die Stufen zur Terrasse hinauf , trat ein - und stand vor Otbert . Diese unangenehmste aller Ueberraschungen , so plötzlich folgend auf die heftigsten Emotionen , traf mich wie ein eiskalter Luftzug an einem glühend heißen Sommertage . Jener Schlag auf das Herz , den ich vor Arabellas Fenster empfunden , berührte mich abermals aufs Heftigste und ich sank leblos in Sedlaczechs Arme . Alles gerieth in Aufruhr : - aber es währte nicht fünf Minuten , so hatte ich meine Besinnung und folglich auch meine Kräfte wieder , und ich grüßte Otbert höflich und befremdet . Er beobachtete mich mit scharfen fast lauernden Blicken , suchte aber sehr ungenirt , vertraulich , ganz wie zu Hause zu sein , und sagte mir die größten Schmeicheleien über mein gutes Aussehen . Es muß für meine Hausgesellschaft ein merkwürdiges Schauspiel gewesen sein dies Wiedersehen von zwei Eheleuten , die nach mehr denn fünfjähriger Trennung in den ersten Stunden von nichts sprachen als von Fieschis Attentat gegen König Louis Philipp , das im Lauf des Sommers statt gefunden hatte . Die gewohnte Abendstunde hatte sie Alle versammelt und ich merkte ihnen - Sedlaczech ausgenommen - ihr Unbehagen an . Astralis war nicht wol und kam daher nicht zum Vorschein . Benvenuta hatte Otbert gänzlich vergessen , und hielt sich in scheuer Ferne von ihm . Gleich nach dem Thee verschwand Einer nach dem Andern . Da wandte ich mich freundlich aber eisig an Otbert und fragte ihn welcher Umstand ihn nach Engelau führe . Er sprang auf , ergriff meine Hand und rief lebhaft : » Die Sehnsucht Dich zu sehen , Sibylle ! « Ich ließ ihm meine Hand mit tödtender Gleichgültigkeit und erwiderte : » Lieber Otbert , Eines merke Dir : Komödie wird nicht mehr gespielt - und jezt wollen wir schlicht und verständig über den Zweck Deines Kommens reden ; - denn Du hast einen Zweck . « » Traust Du Dir wirklich so wenig Attractionskraft zu , Sibylle ? « » Du selbst hast mich gelehrt wie wenig Veranlassung ich habe mir die geringste zuzutrauen . « » Erinnere mich nicht an meine Thorheiten , theure Sibylle ! ein Weib mit allen Tugenden und Grazien so reich geschmückt wie Du , bleibt auf die Dauer der einzige Magnet für einen Mann . Nimm mich auf ! rief er mit einem Gemisch von Zärtlichkeit und Unterwürfigkeit ; - - nimm mich wenn auch nicht gleich zu Gnaden auf ! laß mich ein Noviziat bestehen .... aber hier , bei Dir ! « Ich betrachtete ihn mit seltsamen Empfindungen . Er war immer derselbe schöne eitle Otbert , er wollte immer gefallen und - merkwürdiger Weise ! er gefiel mir auch noch immer , jedoch so wie etwa ein Kunstwerk zweiter Ordnung , das in unsrer Seele Raum läßt für die Kritik , uns gefallen mag . Von warmen vibrirenden Lebensfibern so wie einst , regte sich nicht eine einzige für ihn . » Otbert ! sagte ich sehr gelassen , ich nehm ' es Dir nicht übel , daß Du in Deine Schauspielerkünste verfällst ! sie sind Dir genugsam zur zweiten Natur geworden um Dich glauben zu machen ich sei noch zu täuschen - ich ! die einen tiefen Blick in Deine Coulissenwelt gethan . Ich habe nicht das geringste Talent und folglich auch nicht die geringste Lust zur Schauspielerei : Du bist zu klug um das nicht längst erkannt zu haben - was ist also Deine eigentliche Absicht ? Nimm Dich zusammen und sprich die Wahrheit . « » Ich habe sie Dir gesagt : ich will Dich sehen und bei Dir leben . « » Bei mir und nicht mit mir ist peinlich . « » Es lebt ja Deine ganze Hausgesellschaft nichts weniger als peinlich , sondern sehr ungenirt bei Dir , mit Dir - .... ich weiß nicht was Du da für spitzfindige Unterschiede machst ! « » Ich kann sie Dir erklären : meine Hausgenossen leben unbefangen und zufrieden bei und mit mir innerhalb der Verhältnisse in denen wir zu einander stehen sollen . Du und ich hingegen - wir leben innerhalb eines schiefen , zerrissenen Verhältnisses . In der Ehe bedeutet mit einander - die Intimität der Liebe - also Glück ; bei einander - Schein , Lüge , Rücksichten , Zwecke .... was weiß ich ! also - ein äußerliches , unbefriedigendes und deshalb auf die Dauer peinliches Thun und Treiben . Spare es Dir und mir . « » Das heißt mit andern Worten : geh ! « rief Otbert mit aufwallender Empfindlichkeit . » Wenn Du das fühlst - weshalb bist Du gekommen ? « Fast mit Haß im Blick entgegnete er ruhig : » Um meine Tochter zu holen . « » Deine Tochter ? und bei mir ? « fragte ich gedehnt . » Nun ja , Astralis ! wen sonst ? « » Astralis ist Arabellas Tochter und ich habe der heimgegangenen Mutter den Eid abgelegt Mutterstelle bei ihr zu vertreten , bei dem verwaisten Kinde , welches sie mir in ihrem Testament zu Erziehung und Versorgung anvertraut hat . « » Das Alles ist ganz gut .... allein der Vater hat nähere Rechte - und ich nehme sie in Anspruch . « » Astralis Flowrence lautet der Taufschein meiner Pflegetochter . Arabella hat sie mir als ihr verwaistes Kind übergeben . Ob Du der Vater bist , ob ein Andrer es ist , kümmert mich nicht . « » Ah jezt spielst Du Komödie ! rief Otbert ; Du weißt sehr gut daß ich und kein Andrer Astralis Vater bin . « » Ich habe gesagt : es kümmert mich nicht ; und das ist mein voller Ernst . « » Wie ? die Gattin hab ' ich in Dir verloren und mein Kind soll ich durch Dich verlieren ? das ist ja aber himmelschreiend . « » Ja