auf , demselben seine schriftliche Zustimmung beizulegen . Während man einer Antwort von Berlin aus harrte , übernahm St. Luce , welchem man den Zutritt nicht länger zu weigern vermochte , die Kranke , die nun außer Bett in ihrer Chaise longue lag , auf Gotthards mögliche Entfernung vorzubereiten . Wehmüthig reichte sie dem alten Freunde die Hand . Ich wußte es ! war Alles , was sie sagte . Kronbergs Stimmung hielt nicht Stich , sie verwandelte sich , wie Annens Genesung vorschritt , mit jedem Tage mehr und mehr . Der Bruch mit der Capacelli war zu grell zur Dauer , er sah sie wieder und versöhnte sich mit ihr . Schon jetzt nahm er Gotthards Entfernung von Wien als etwas hin , das sich gebühre , daß seiner und Anna ' s Ehre wegen unvermeidlich , folglich kein Opfer sei ; er war wieder der vornehme , vom Glück verwöhnte Aristokrat , der des Untergeordneten Dasein kaltblütig verbraucht . Noch einmal sah Gotthard sie wieder , aber nicht allein ; St. Luce begleitete ihn hin . Anna saß zwischen ihren Kindern ; sie und Gotthard waren Beide überzeugt , daß vor der Hand von keiner Trennung der Knaben von ihr die Rede sei . Sie kannten Kronbergs Charakter und verrechneten sich nicht ; ihm war zu Muthe , als sei das Bleiben Egons der Kaufpreis für Gotthards Entfernung ; obgleich er sich überredete , er würde dieselbe mit Gewalt erzwungen haben , wenn der junge Mann nicht von selbst den Forderungen der Umstände nachzugeben sich entschlossen , so fiel ihm doch nicht im Traum ein , an diesem Preise zu mäkeln . Alles Markten und Feilschen war ihm von Grund der Seele aus zuwider . Es mag so bleiben , sagte er sich , bis über ' s Jahr ; der Kinder Anwesenheit wird sie für jetzt beruhigen und ich bringe dann später die beiden Knaben zugleich zu Geiersperg . Gotthard schrieb Annen einige Abschiedszeilen ; es waren wenige Worte , aber wie mit seinem Herzblut geschrieben . Sie weinte so heimlich , daß nicht einmal St. Luce ihre Thränen gewahrte . Ueberhaupt war Anna seit der Krankheit sehr verändert , die Trennung zerdrückte ihre noch nicht wieder erstarkte Körperkraft . Trennung ! ein Wort , das man tausendmal hört und ausspricht , das man in tausend verschiedenen Gestaltungen in ' s Leben treten sieht und doch niemals in seinen Folgen im Voraus richtig begreift ! dem Einen ein Ballast , der sein Lebensschiff im Gleichgewicht erhält , dem Andern der Stein , der ihn in die Todestiefe des Stromes hinabzieht ; Jenem ein Hauch , ein Nichts , das er vergißt , indem er kaum es ausgesprochen , Diesem ein schweres Dunkel , das ihn lebenslang umgibt , in welchem er sich selbst verliert ; - Ihr war ' s Erstarrung , Winterseelenschlaf . Sie vergaß der Trennung nie , in keiner Zerstreuung , in keinem Interesse , keiner Arbeit , ja sogar in keinem andern Schmerz . In jeder Secunde fühlte sie Gotthards Entfernung , wie man ein abgetrenntes Glied des eignen Körpers fühlt , immerfort es entbehrend , immerfort im Entbehren die Gegenwart seines Schattenbildes dunkel empfindend . - Sie schrieb ihm nicht , sie fragte selten nach ihm ; wenn ihr St. Luce zufällig eine Nachricht brachte , kostete das kleinste Wort derselben ihr einen ganzen Tag , sie konnte sich dann auf nichts mehr besinnen und ging umher wie ein Automat . In der Gesellschaft sagte man : das Nervenfieber habe sie sehr stark angegriffen , und der diesjährige Sommer sei zu heiß . Aber der Sommer und sein Siroccohauch verflogen - ihr Zustand war der nämliche geblieben : da brachte der October mit seinen bunten Blumen , die alle » Rosens spielten « und den Frühling nachäfften , die eine wahrste duftigste Frühlingsblüte , Leontinen . Leontinens Lebenssonne stand im Zenith . Jean Carlo war begnadigt , das heißt , er war verbannt - verbannt auf zwanzig lange Lebensjahre , mit dem Vollgenuß seiner Einkünfte . Der Marchese Viatti trat in Wien mit solchem Glanze auf , daß Kronberg erschrak ; er fürchtete , man werde einen Theil der schon gewährten Concessionen zurücknehmen . Er irrte ; Oesterreich liebt die Pracht und den Reichthum , wie es die Wohlthätigkeit liebt und dem Hochstehenden wie dem Gemeinen gern den Genuß gewährt und bereitet , den materielles Wohl verleiht . Das junge Paar miethete sich ein schönes Hotel , sah viele Leute bei sich ; und da eine so nahe Verwandtschaft jede Rivalität aufhob , erhöhte sein brillanter Haushalt den Nimbus , der Kronbergs Gastlichkeit umgab . Die beiden Familien erhielten ein ungeheures Uebergewicht in der höhern Gesellschaft . Sophie war fast immer auf dem Wege zwischen beiden Häusern . Bei Annen hielten sie die Kinder , und dann bedurfte ja die Kleine , wie sie insgeheim immer noch die Marchesin nannte , ihrer nicht - die war so glücklich ! - Duguet war nicht recht zufrieden mit dem Allen . Leontine hatte dem Dringen Jean Carlo ' s und der innern Unruhe ihres Gemüths nachgegeben - sie war zum Katholicismus übergetreten ! Ob sie den so oft und schwer vermißten Frieden dadurch errungen , war in diesem Augenblick der vollen Blütenzeit ihrer äußeren Verhältnisse schwer zu entscheiden ; kam sie doch kaum zur Ruhe des Nachdenkens über das Allernächste . Duguet also war sehr unzufrieden mit diesem Schritt . A quoi bon ces bêtises ? sagte er in seiner Revolutionsweisheit ; er war nicht mit dem neuentstandenen Kaiserthum Bonaparte ' s zur alten Religionsform zurückgekehrt , die Déesse de la raison , die zu seiner Zeit ein sehr schönes Mädchen und später ein altes garstiges Aepfelweib in Bonn war , steckte ihm noch im Kopfe . Sophie gehörte dem Realismus an : sie fand den Schritt nöthig , der künftigen Kinder der Marchesin wegen . Kronberg kümmerte sich gar nicht darum ; Anna blieb , wie immer , mild in ihrem Urtheil