einer scheußlichen Verirrung der Natur , seine Schwester liebt und sie von mir zum Weibe begehrt , Dich zur Lösung seiner frühern Verpflichtung gegen Anna Dorset zu gewinnen hofft . - Großer Gott ! was sprichst Du aus , Tochter ! Kind , halt ein ! Mein alter Kopf erfaßt es nicht , und mein Herz droht zu brechen , rief hier erblassend die alte Herzogin und sank in die Kissen zurück . Fasse Dich , theure Mutter , entgegnete die Herzogin mit der Hast und Ungeduld , welche , eine Folge ihrer Ueberreizung , sie verhinderte , die Leiden zu erkennen , die sie ihrer Schwiegermutter erregt hatte ; fasse Dich , wir müssen uns nicht trennen , ohne zu beschließen . Ich bedarf Deines Muthes , Deiner Kraft , Deiner Besonnenheit . Es ist so , wie ich Dir sagte , Robert verließ mich so eben , voll dieser Vorsätze . Ein zwei Stunden langer Kampf , in dem er mir überlegen war , da ich ihm die entsetzliche Ursache meiner Weigerung nicht entdecken durfte , hat uns um nichts weiter gebracht , und ich muß das Empörendste , was die Natur in sich schließt , vor meinen Augen sehen , ohne ihm wirksam Einhalt thun zu können . Die alte Herzogin bemühte sich mit großer Anstrengung , ihre Fassung wieder zu gewinnen , aber dies war nicht so leicht . Denn nächst der dringenden Lage des Augenblicks war ihr ein tiefer Schmerz dadurch geworden , daß das Andenken des geliebten , so hoch gestellten Sohnes durch einen Verdacht getrübt ward , dessen Gewicht sie sich nicht läugnen konnte , den sie vielmehr , gleich ihrer unglücklichen Schwiegertochter , nur zu begründet finden mußte . Aber ihr frommes und starkes Gemüth fand doch bald einen Ausweg ; mit einem tief gefühlten Schmerze nahm sie von dem ungetrübten Bilde ihrer Vergangenheit Abschied . War an dieser nichts mehr zu retten , waren doch vielleicht die Folgen von dem , was ihr daraus so eben entgegen getreten , noch für die Zukunft zu mildern , indem neues Unheil verhütet ward , eine Schuld vielleicht verringert , die ihr mütterliches Herz so nahe anging . Sie reichte tief bewegt ihre kalte Hand der glühenden Herzogin und sagte mit dem ernsten Tone der Ergebung : Nimm zuerst die Versicherung erhöhter Liebe und Hochachtung , meine edle Tochter ! Gott hat Dir ein großes und tiefes Leid gegeben , mitten in einem reichen Leben voll vielseitiger Befriedigung . Vielleicht ist es eine unerkannte Wohlthat mehr , wenn wir Gelegenheit fanden , Geduld und Großmuth zu üben , und wir wollen hoffen , daß Gott der Seele dessen gnädig ist , der so sich vor ihm verschuldete - um des unläugbar Guten und Edeln willen , das ja Dich schon verzeihlich gegen ihn stimmte , wie viel mehr den Vater aller Liebe und Erbarmung . Aber da uns Gott sichtlich auffordert , das Verschuldete in seinen verderblichen Folgen aufzuhalten , so hast Du Recht , mich aufzurufen . Es ist nicht die Zeit , den Gefühlen Raum zu gestatten , wir müssen klar in die Gegenwart schauen , um das , was uns Gott als Recht wird anerkennen lassen , mit festem Muthe zu vollführen . So höre denn , was ich gefühlt und früher schon mir angelobt , sprach die jüngere Herzogin mit schon festerem Tone . Das Kind , das ich als das seinige mir denken muß - und ist auch seine Mutter jene Buckingham , die mir den ersten Kampf des Bösen in dies Herz geschickt , ich kann es nimmer lassen ! Heilig ist mir , was von ihm stammt , theuer selbst , wie seltsam auch mit Grauen fast gepaart . Es ist mir oft , als ob im Traume , ja , wachend selbst , sein freundliches Auge flehend mir begegne ; ich weiß , er bittet um meinen Schutz für seine Waise . Ich weiß , er baut im Himmel selbst auf die Liebe dieser treuen Brust , in der er sich nie trog , und ich könnte keinen Frieden finden , wenn ich dies mir fast theure Wesen , das ich ja jetzt an meine Großmuth einzig noch verwiesen weiß , während sie in unschuldiger Hoffnung noch von Andern Schutz träumt , ihrem unverschuldet harten Schicksale überließe . Ich will daher ihr mütterlich gesinnt verbleiben , aber das Geheimniß ihrer unglücklichen Geburt , das darf sie nie und Keiner , wer es sei , erfahren . Es scheint , wir werden keine Antwort von Master Brixton erhalten ; schon zu lange blieb sie aus , um noch erwartet werden zu können , und weiter dürfen unsere Forschungen nicht gehen . Zu uns im stillen Kreise der Familie dachte ich sie zu zählen , geschwisterlich geliebt von meinen Kindern , ich wollte die Zukunft ihr zu sichern suchen durch eine nur allzu gerechte Abgabe unsers irdischen Besitzes , und so des Weiteren harren , hoffend , daß Gott an meiner Statt ihren seltenen Reizen und ihrem Seelenwerth einen dauernden Beschützer zu finden wissen werde . O , wie bald ward dieser friedliche Plan zerstört , der an uns allen und Dir zugleich , die ich so gern mit diesem Leid verschont hätte , dies drohende Unglück sanft vorüber zu führen bestimmt war . Was thun wir jetzt , um Robert zu entfernen , ohne unser Geheimniß zu verrathen ? Denn er ist hier allein zu beachten . Die Gräfin , an Gedanken und Gefühlen unschuldig wie ein Kind , theilt auch nicht die Ahnung des Verlangens , das Robert ihr in jedem Worte , in jedem Blicke gesteht . So laß uns denn , erwiederte die alte Herzogin , den Augenblick erwarten , wo Robert mir sein beabsichtigtes Vertrauen schenkt , ich will alsdann mit all dem Ernste , der hier nur zu sehr gerechtfertigt ist , meine Meinung über seine Verpflichtungen gegen die Gräfin Anna ihm vorhalten . Ich würde so in Wahrheit handeln müssen ,