Rocke , und würde ein Wildmeister , wie Ihr . Aber so ist es mein Beruf , der ganzen Welt Händel zu schlichten , wie es eben geht . Hier soll ich begnadigen , dort mit dem Schwerte drein schlagen ; an allen Orten soll ich zugleich seyn . Bald machen mich die Städte unwirsch , bald hab ' ich ' s mit der Herrenbank verdorben ; die Fürsten spreizen sich , die Bauern murren , die Ketzer predigen alles Unheil . Gegenwärtig hab ich ' s mit der Geistlichkeit zu thun , und der liebe Gott helfe mir gnädig über diesen stachlichen Zaun . Hab ' ich aber auch mit Angst und Noth dem Staatsleben so ziemlich aufgeholfen , - flugs reiben sich gewöhnliche Finsterlinge an meinem Ansehen im gemeinen Bürgerleben . Hat sich nicht erst vor Kurzem bei einem gewissen verdrießlichen Handel ein Dummbart unterstanden , sich , für meine Person auszugeben , und mich dadurch vor aller Welt in einen ärgerlichen Verdacht gezogen ? Doch übergenug . So wie des römischen Reichs erwählter Kaiser den ersten Mann vorstellt in der Christenheit , so sind seine Sorgen auch die größten , und darum bitte ich geziemend das liebliche Weiblein um einen Becher Wein , damit ich auf ihre Gesundheit trinkend , Grab und böse Erinnerung vom Herzen schwemmen möge . « Eifrig gehorsam stand die Wildmeisterin auf , griff nach den Schlüsseln am Schenktisch , und eilte nach dem Keller , um dem vornehmen Gast den verlangten Labetrunk so frisch als möglich zu reichen . Der Kaiser legte das auf seinen Knieen entschlummerte Mägdlein behutsam , wie eine sorgende Mutter , in ' s Ruhebettlein , und setzte sich wieder zutraulich zu dem Wildmeister , der , seinem Willen zuwider , ebenfalls sitzend verharren mußte . - » Bilger , « sprach Sigismund leiser : » Ich muß Euch bekennen , wie es nicht eitel Zufall ist , daß ich mich hieher begeben , obschon mir angenehm ist , wenn die Leute glauben , daß es auf einem unbestimmten Lustritte , oder Euch zu Liebe allein geschehen sey . Eigentlich jedoch bin ich hier , um ein Amt zu verrichten , das nicht zu den Regalien gehört ; das Marschalkenamt nämlich . - Eine edle Frau , an deren Schicksal ich viel Theil nehme , wünscht einige Tage in strenger Abgeschlossenheit in diesem Hause zuzubringen , da ihr zu Costnitz , wie sie befürchtet , eine nicht geringe Gefahr droht . Das schwache Weib zu schützen ist jedes Ritters Pflicht ; um wie viel mehr die Pflicht des Kaisers also , der ein Meister ist über alle Ritter deutschen Volks . Ich habe der edlen Frau meine Obhut zugesagt in diesem Schlosse , das der Bischof vom Reich zu Lehen trägt , und vertraue sie Eurem absonderlichen Schirm , so daß Ihr keinen Menschen in ihre Nähe lasset , der ihr Unheil bringen könnte . « » Das Vertrauen meines kaiserlichen Herrn zu rechtfertigen , wird mein Bestreben seyn ; « versicherte Bilger von der Rhön . - » Heute noch wird das würdige Frauenbild hier eintreffen , « fuhr der Kaiser fort : » Ich verbiete ausdrücklich nach ihrem Namen und Stand zu forschen . Ich habe ohnedies das Mißgeschick , meine Huld gegen ehrenwerthe Frauen häufig verkannt zu sehen ; ich will nicht ihre Namen der Verläumdung Preis geben . Es ist nichts Zarteres , als des Weibes Leumund . Wie gesagt jedoch : Euerm Schirm vertraue ich die Freundin , und empfehle sie der Dienstfertigkeit Eurer Ehewirthin , da sie , wie ich vermuthe , ihre Leute zu Costnitz lassen wird , bis die böse Conjunktur vorüber . « - » Es soll geschehen , wie kaiserl . Majestät befiehlt ; « erwiederte Bilger unterwürfig , und der Kaiser wurde durch solche Bereitwilligkeit dergestalt in gute Laune versetzt , daß er den Becher , den ihm Frau Katharine kredenzte , in einem Zuge auf das Wohlseyn des Hauses von der Rhön leerte . - » Traun ! « lächelte der Wildmeister : » es ist hohe Zeit . Ich bin der Einzige und Letzte meines Stammes , seit mein Vater vor einem Jahre zur Grube fuhr , und mir wird das Wappenbild nachgeworfen , wenn meine gute Hausfrau mich nicht mit einem Sohne erfreut . « - » Tröstet Euch mit Kaisern und Königen , denen es dann und wann um nichts besser geht ; « versetzte Sigmund : » und freut Euch , in dem Alter zu seyn , das eine Hoffnung noch zuläßt . Nun aber , lieber Wirth , laßt uns zu Roß steigen , um eurem holden Gaste entgegenzureiten . Er kann nicht mehr lange säumen . « - Der Kaiser umarmte zum Abschiede Frau Katharinen auf das Zierlichste , drückte einen Kuß auf ihre Stirn und Wange , ließ die goldne Kette von seinem Halse auf das Bettlein des schlummernden Kindes gleiten , und schied . Der Wildmeister ritt zu seiner Linken , und sie waren noch nicht weit vor das Städtlein hinausgekommen , als schon in der Ferne eine Sänfte sichtbar wurde , von einigen Reisigen geleitet . Der Anführer derselben , - ein buntgekleideter Rittersmann , - stolzirte selbstgenügsam voran . - » In dem Wiedehopfe erkenne ich meinen Mann ! « sprach der Kaiser lächelnd zu seinem Begleiter , und winkte den Scheckigen heran , der auch dienstfertig herzusprengte , während die Sänfte zögernd folgte . Drei Schritte von dem Kaiser entfernt , warf sich der Reiter vom Gaule , und nahte dem Fürsten mit allen Zeichen betroffner Ehrfurcht . » Sieh da , mein Herr von Königseck ! « redete ihn Sigmund , sich verwundert stellend , an : » Unverhofft kommt oft . « » Bei des heil . Stephans Krone ! Wie kömmt es , daß Ihr Euch aus der warmen Stube in den Frost wagt ? Wer ist die Schönheit , die Ihr in jener festverschloßnen Sänfte zu geleiten scheint ? « -