Fürstin zu , da versicherte er kichernd und fröhlich sich die Hände reibend , daß Schwester Hedwiga jetzt gut und artig geworden und alles tue , was er wünsche , auch ihm gar nicht so widerspreche und ihn ausschelte wie sonst . - Und damit begann er aufs neue , indem er militärisch kommandierte , die Prinzessin in allerlei Stellungen zu bringen , und jedesmal , wenn sie wie festgezaubert in der Stellung blieb , die er ihr gegeben , lachte er laut und sprang vor Freuden in die Höhe . » Das ist nicht zu ertragen , « sprach die Fürstin leise mit zitternder Stimme , indem Tränen ihr in den Augen glänzten , doch der Leibarzt trat auf den Prinzen zu und rief mit strengem gebietendem Ton : » Lassen Sie das bleiben , gnädigster Herr ! « Dann nahm er die Prinzessin in die Arme , ließ sie sanft nieder auf die Ottomane , die im Zimmer befindlich , und zog die Vorhänge zu . » Es ist , « wandte er sich dann zur Fürstin , » es ist zurzeit der Prinzessin nichts nötiger als die unbedingteste Ruhe , ich bitte , daß der Prinz das Zimmer verlasse . « Prinz Ignatius stellte sich sehr ungebärdig an und klagte schluchzend , daß jetzt allerlei Leute , die gar keine Prinzen wären und nicht einmal von Adel , sich unterfingen , ihm zu widersprechen . Er wolle nun bei der Prinzessin Schwester bleiben , die ihm lieber geworden sei als seine schönsten Tassen , und der Herr Leibarzt habe ihm gar nichts zu befehlen . » Gehen Sie , lieber Prinz , « sprach die Fürstin sanft , » gehen Sie in Ihre Zimmer , die Prinzessin muß jetzt schlafen , und nach der Tafel kommt Fräulein Julia . « » Fräulein Julia ! « rief der Prinz , indem er kindisch lachte und hüpfte , » Fräulein Julia ! - Ha , das ist schön , der zeige ich die neuen Kupferstiche , und wie ich abgebildet bin in der Geschichte vom Wasserkönig als Prinz Lachs mit dem großen Orden ! « - damit küßte er der Fürstin zeremoniös die Hand und reichte die seinige mit stolzem Blick dar dem Leibarzt zum Kuß . Der faßte aber die Hand des Prinzen und führte ihn zur Türe , die er öffnete , sich höflich verneigend . Der Prinz ließ es sich gefallen , auf diese Art hinausgewiesen zu werden . Die Fürstin sank , ganz Schmerz und Erschöpfung , nieder in den Lehnstuhl , stützte den Kopf in die Hand und sprach mit dem Ausdruck des tiefsten Wehs leise vor sich hin : » Welche Todsünde lastet auf mir , daß mich der Himmel so hart straft . - Dieser Sohn zu ewiger Unmündigkeit verdammt - und nun - Hedwiga - meine Hedwiga ! « - Die Fürstin verfiel in trübes düstres Nachdenken . Der Leibarzt hatte indessen mit Mühe der Prinzessin ein paar Tropfen irgendeiner heilsamen Arztnei eingeflößt und die Kammerfrauen herbeigerufen , die die Prinzessin , deren automatischer Zustand sich nicht im mindesten änderte , fortbrachten in ihre Zimmer , nachdem sie von dem Leibarzt die Weisung erhalten , bei dem kleinsten Zufall , den die Prinzessin erleiden könne , ihn sogleich herbeizurufen . » Gnädigste Frau , « wandte sich der Leibarzt zur Fürstin , » so höchst seltsam , so höchst besorglich auch der Zustand der Prinzessin scheinen mag , so glaube ich doch mit Gewißheit versichern zu können , daß er bald aufhören wird , ohne die mindesten gefährlichen Folgen zu hinterlassen . Die Prinzessin leidet an jener ganz besondern , wunderbaren Art des Starrkrampfs , die in der ärztlichen Praxis so selten vorkommt , daß mancher hochberühmte Arzt niemals in seinem Leben Gelegenheit fand , dieselbe zu beobachten . Ich muß mich daher in der Tat glücklich schätzen - « Der Leibarzt stockte - » Ha , « sprach die Fürstin mit bitterm Ton , » daran erkenne ich den praktischen Arzt , der grenzenloses Leiden nicht achtet , wenn er nur seine Kenntnis bereichert . « » Noch , « fuhr der Leibarzt fort , ohne den Vorwurf der Fürstin zu beachten , » noch vor ganz kurzer Zeit fand ich in einem wissenschaftlichen Buche das Beispiel eines Zufalls , der ganz dem gleich ist , in den die Prinzessin verfallen . Eine Dame ( so erzählt mein Autor ) kam von Vesoul nach Besançon , um einen Rechtshandel zu betreiben . Die Wichtigkeit der Sache , der Gedanke , daß der Verlust des Prozesses die letzte , höchste Stufe der empfindlichsten Widerwärtigkeiten , die sie erduldet , sein und sie in Not und Elend stürzen mußte , erfüllte sie mit der lebhaftesten Unruhe , die bis zu einer Exaltation ihres ganzen Gemüts stieg . Sie brachte die Nächte schlaflos zu , aß wenig , man sah sie in der Kirche auf ungewöhnliche Weise niederfallen und beten , genug , auf verschiedene Art tat sich der abnorme Zustand kund . Endlich aber an demselben Tage , da ihr Prozeß entschieden werden sollte , traf sie ein Zufall , den die anwesenden Personen für einen Schlagfluß hielten . Die herbeigerufenen Ärzte fanden die Dame in einem Lehnstuhle unbeweglich mit gen Himmel gerichteten funkelnden Augen , offenen und unbeweglichen Augenlidern , mit erhobenen Armen und gefaltenen Händen . Ihr vorher trauriges bleiches Gesicht war blühender , heiterer , angenehmer als sonst , ihr Atemzug ungehindert und gleich , der Puls weich , langsam , ziemlich voll , beinahe wie bei einer ruhig schlafenden Person . Ihre Glieder waren biegsam , leicht und ließen ohne den geringsten Widerstand sich in alle Stellungen bringen . Aber darin äußerte sich die Krankheit und die Unmöglichkeit irgendeiner Täuschung , daß die Glieder von selbst nicht aus der Stellung kamen , in die sie versetzt worden . Man drückte ihr Kinn abwärts , der Mund öffnete sich und blieb offen . Man hob einen Arm , nachher