kniete neben ihr hin und betete für sie aus Herzensgrunde . Da sah er auf einmal helle Flammen zu den Fenstern hereinschlagen , durch die offene Tür erblickte er auch schon die andern Gemächer in vollem Brande . Kein Mensch war da , die Nacht auch gewitterstill , sie mußte das Schloß in ihrer Raserei selber angesteckt haben , vielleicht um Friedrich zugleich mit sich zu verderben . Er nahm den Leichnam und trug ihn durch das brennende Tor ins Freie hinaus . Dort legte er sie unter eine Eiche und bedeckte sie mit Zweigen , damit sie die Raben nicht fräßen , bis er im nächsten Dorfe die nötigen Vorkehrungen zu ihrem Begräbnisse getroffen . Dann eilte er den Berg hinab und schwang sich auf sein Pferd . Hinter ihm stieg die Flamme auf die höchste Zinne der Burg und warf gräßliche Scheine weit zwischen den Bäumen . Das Schloß sank wie ein dunkler Riese in dem feurigen Ofen zusammen , über der alten , guten Zeit hielt das Flammenspiel im Winde seinen wilden Tanz ; es war , als ginge der Geist ihrer Herrin noch einmal durch die Lohen . - Zwanzigstes Kapitel Es war Friedrich seltsam zumute , als er den andern Tag am Saume des Waldes herauskam und den wirtlichen , zierlich bepflanzten Berg mit seinen bunten Lusthäusern und dunklen Lauben dort auf einmal vor sich sah , auf dem er beim Antritt seiner Reise die ersten einsamen , fröhlichen Stunden nach der Trennung von seinen Universitätsfreunden zugebracht hatte . Überrascht blieb er eine Weile vor der weiten , von der Sonne hell beschienenen Gegend stehen , die ihm wie ein Traum , wie eine liebliche Zauberei vorkam ; denn eine Gegend aus unserm ersten , frischen Jugendglanze bleibt uns wie das Bild der ersten Geliebten ewig erinnerlich und reizend . Dann lenkte er langsam den lustigen Berg hinan . Dort oben war alles noch wie damals , die Tische und Bänke im Grünen standen noch immer an derselben Stelle , mehrere Gesellschaften waren wieder bunt und fröhlich über den grünen Platz zerstreut und schmausten und lachten , aller kaum vergangenen Not vergessend . Auch der alte Harfenist lebte noch und sang draußen seine vorigen Lieder . Friedrich suchte das luftige Sommerhaus auf , wo er damals gespeist und den eben verlassenen Gesellen frisch zugetrunken hatte . Dort fand er den Namen Rosa wieder , den er an jenem schwülen Nachmittage mit seinem Ringe in die Fensterscheibe gezeichnet . - Er hielt beide Hände vor die Augen , so tief überfiel ihn die Gewalt dieser Erinnerung . Die treuen Züge blitzten noch frisch in der Sonne , aber die Züge jenes wunderschönen Bildes , das er damals in der Seele hatte , waren unterdes im Leben verworren und verloren für immer . - Er lehnte sich zum Fenster hinaus und übersah die schöne , noch gar wohlbekannte Gegend , und sein ganzer damaliger Zustand wurde ihm dabei so deutlich , wie wenn man ein lange vergessenes , frühes Gedicht nach vielen Jahren wiederliest , wo alles vergangen ist , was einen zu dem Liede verführt . Wie anders war seitdem alles in ihm geworden ! Damals segelten seine Gedanken und Wünsche mit den Wolken ins Blaue über das Gebirge fort , hinter dem ihm das Leben mit seinen Reisewundern wie ein schönes , überschwenglich reiches Geheimnis lag . Jetzt stand er an demselben Orte , wo er begonnen , wie nach einem mühsam beschriebenen Zirkel , frühzeitig an dem andern , ernstern und stillern Ende seiner Reise und hatte keine Sehnsucht mehr nach dem Plunder hinter den Bergen und weiter . Die Poesie , seine damalige , süße Reisegefährtin genügte ihm nicht mehr , alle seine ernstesten , herzlichsten Pläne waren an dem Neide seiner Zeit gescheitert , seine Mädchenliebe mußte , ohne daß er es selbst bemerkte , einer höheren Liebe weichen , und jenes große , reiche Geheimnis des Lebens hatte sich ihm endlich in Gott gelöst . Während er dies alles so überdachte , fiel ihm ein , wie Leontins Schloß ganz in der Nähe von hier sei . Er fühlte ein recht herzliches Verlangen , diesen seinen Bruder und jene Waldberge wiederzusehen . Der Gedanke bewegte ihn so , daß er sogleich sein Pferd bestieg und von dem Berge hinab die schattige Landstraße wieder einschlug . Die Sonne stand noch hoch , er hoffte den Wald noch vor Anbruch der Nacht zurückzulegen . Nach einiger Zeit erlangte er einen hohen Bergrücken . Die Lage der Wälder , der Kreis von niederern Bergen ringsumher , alles kam ihm so bekannt vor . Er ritt langsam und sinnend fort , bis er sich endlich erinnerte , daß es dieselbe Heide sei , über welche er in jener Nacht , da er sich verirrt und das seltsame Abenteuer in der Mühle bestanden , sein Pferd am Zügel geführt hatte . Der Schlag der Eisenhämmer kam nur schwach und verworren durch das Singen der Vögel und den schallenden Tag aus der fernen Tiefe herauf . Es war ihm , als rückte sein ganzes Leben Bild vor Bild so wieder rückwärts , wie ein Schiff nach langer Fahrt , die wohlbekannten Ufer wieder begrüßend , endlich dem alten , heimatlichen Hafen bereichert zufährt . Ein Gebirgsbach fand sich dort in der Einsamkeit mit seiner plauderhaften Emsigkeit neben ihm ein . Er wußte , daß es der nämliche sei , der die schöne Wiese von Leontins Schlosse durchschnitt , und folgte ihm daher auf einem Fußsteige die Höhen hinab . Da erblickte er nach einem langen Wege unerwartet auch die berüchtigte Waldmühle im Grunde wieder . Wie anders , gespensterhaft und voll wunderbarer Schrecken hatte ihm damals die phantastische Nacht diese Gegend ausgebildet , die heute recht behaglich im Sonnenscheine vor ihm lag . Der Bach rauschte melancholisch an der alten Mühle vorüber , die halbverfallen dastand und schon lange verlassen zu sein schien ; das Rad war zerbrochen und stand still . Auf der einen Seite der