und schwieg stille . Die Mutter war damals schon sehr kränklich , sie wurde oft von fürchterlichen Krämpfen ergriffen , die in einen todähnlichen Zustand übergingen . Wir , ich und Hermogen , wurden dann fortgebracht . Ich hörte nicht auf zu klagen , aber Hermogen sprach dumpf in sich hinein : » Der Teufel hat ' s ihr angetan ! « So wurde in meinem kindischen Gemüt der Gedanke erweckt , die Mutter habe Gemeinschaft mit einem bösen häßlichen Gespenst , denn anders dachte ich mir nicht den Teufel , da ich mit den Lehren der Kirche noch unbekannt war . Eines Tages hatte man mich allein gelassen , mir wurde ganz unheimlich zumute , und vor Schreck vermochte ich nicht zu fliehen , als ich wahrnahm , daß ich eben in dem blauen Kabinett mich befand , wo nach Hermogens Behauptung die Mutter mit dem Teufel sprechen sollte . Die Türe ging auf , die Mutter trat leichenblaß herein und vor eine leere Wand hin . Sie rief mit dumpfer , tief klagender Stimme : » Francesko , Francesko ! « Da rauschte und regte es sich hinter der Wand , sie schob sich auseinander , und das lebensgroße Bild eines schönen , in einem violetten Mantel wunderbar gekleideten Mannes wurde sichtbar . Die Gestalt , das Gesicht dieses Mannes machte einen unbeschreiblichen Eindruck auf mich , ich jauchzte auf vor Freude ; die Mutter , umblickend , wurde nun erst mich gewahr und rief heftig : » Was willst du hier , Aurelie ? - wer hat dich hieher gebracht ? « - Die Mutter , sonst so sanft und gütig , war erzürnter , als ich sie je gesehen . Ich glaubte daran schuld zu sein . » Ach , « stammelte ich unter vielen Tränen , » sie haben mich hier allein gelassen , ich wollte ja nicht hier bleiben . « Aber als ich wahrnahm , daß das Bild verschwunden , da rief ich : » Ach das schöne Bild ! wo ist das schöne Bild ! « - Die Mutter hob mich in die Höhe , küßte und herzte mich und sprach : » Du bist mein gutes , liebes Kind , aber das Bild darf niemand sehen , auch ist es nun auf immer fort ! « Niemand vertraute ich , was mir widerfahren , nur zu Hermogen sprach ich einmal : » Höre ! die Mutter spricht nicht mit dem Teufel , sondern mit einem schönen Mann , aber der ist nur ein Bild und springt aus der Wand , wenn Mutter ihn ruft . « Da sah Hermogen starr vor sich hin und murmelte : » Der Teufel kann aussehen , wie er will , sagt der Herr Pater , aber der Mutter tut er doch nichts . « - Mich überfiel ein Grauen , und ich bat Hermogen flehentlich , doch ja nicht wieder von dem Teufel zu sprechen . Wir gingen nach der Hauptstadt , das Bild verlor sich aus meinem Gedächtnis und wurde selbst dann nicht wieder lebendig , als wir nach dem Tode der guten Mutter auf das Land zurückgekehrt waren . Der Flügel des Schlosses , in welchem jenes blaue Kabinett gelegen , blieb unbewohnt ; es waren die Zimmer meiner Mutter , die der Vater nicht betreten konnte , ohne die schmerzlichsten Erinnerungen in sich aufzuregen . Eine Reparatur des Gebäudes machte es endlich nötig , die Zimmer zu öffnen ; ich trat in das blaue Kabinett , als die Arbeiter eben beschäftiget waren , den Fußboden aufzureißen . Sowie einer von ihnen eine Tafel in der Mitte des Zimmers emporhob , rauschte es hinter der Wand , sie schob sich auseinander , und das lebensgroße Bild des Unbekannten wurde sichtbar . Man entdeckte die Feder im Fußboden , welche , angedrückt , eine Maschine hinter der Wand in Bewegung setzte , die ein Feld des Tafelwerks , womit die Wand bekleidet , auseinanderschob . Nun gedachte ich lebhaft jenes Augenblicks meiner Kinderjahre , meine Mutter stand wieder vor mir , ich vergoß heiße Tränen , aber nicht wegwenden konnte ich den Blick von dem fremden herrlichen Mann , der mich mit lebendig strahlenden Augen anschaute . Man hatte wahrscheinlich meinem Vater gleich gemeldet , was sich zugetragen , er trat herein , als ich noch vor dem Bilde stand . Nur einen Blick hatte er darauf geworfen , als er , von Entsetzen ergriffen , stehen blieb und dumpf in sich hineinmurmelte : » Francesko , Francesko ! « Darauf wandte er sich rasch zu den Arbeitern und befahl mit starker Stimme : » Man breche sogleich das Bild aus der Wand , rolle es auf und übergebe es Reinhold . « Es war mir , als solle ich den schönen herrlichen Mann , der in seinem wunderbaren Gewande mir wie ein hoher Geisterfürst vorkam , niemals wiedersehen , und doch hielt mich eine unüberwindliche Scheu zurück , den Vater zu bitten , das Bild ja nicht vernichten zu lassen . In wenigen Tagen verschwand jedoch der Eindruck , den der Auftritt mit dem Bilde auf mich gemacht hatte , spurlos aus meinem Innern . - Ich war schon vierzehn Jahre alt worden und noch ein wildes , unbesonnenes Ding , so daß ich sonderbar genug gegen den ernsten feierlichen Hermogen abstach und der Vater oft sagte , daß , wenn Hermogen mehr ein stilles Mädchen schiene , ich ein recht ausgelassener Knabe sei . Das sollte sich bald ändern . Hermogen fing an , mit Leidenschaft und Kraft ritterliche Übungen zu treiben . Er lebte nur in Kampf und Schlacht , seine ganze Seele war davon erfüllt , und da es eben Krieg geben sollte , lag er dem Vater an , ihn nur gleich Dienste nehmen zu lassen . Mich überfiel dagegen eben zu der Zeit eine solch unerklärliche Stimmung , die ich nicht zu deuten wußte und die bald mein ganzes Wesen verstörte . Ein seltsames Übelbefinden schien aus der