damals mehr Schritte gegen dich gethan , aber eine zarte Furcht , nicht zudringlich zu scheinen , und meiner Freundschaft selbst ihren Werth dadurch in deinen Augen zu benehmen , hielt mich ab . Um desto erfreulicher war mir dein Brief , denn er gab mir Gewißheit über das , was ich im ersten Augenblick geahnet hatte , über die gleiche Stimmung unserer Seelen , und einen geheimen Zug , der uns wechselsweise zu einander führt . Ja , es bleibt ewig wahr - nur gleiche Denkart macht die Freundschaft fest , und nur unser Geschick bestimmt unsere Denkart . Wie kann das fröhliche Wesen , das im Sonnenschein des Glückes sein Freudenleben verflattert , mit dem Unglücklichen gleich fühlen , den ein ernstes Schicksal von der Wiege an zu Entbehrungen und Leiden erzogen hat ? Ihnen beiden muß notwendiger Weise die Welt , und Alles um sie her in einem so verschiedenen Lichte erscheinen , daß an einen festen Zusammenhalt , der gegen Zeit und Stürme ausdauert , nicht zu denken ist . So lange kein entscheidender Fall eintritt , wo Eines für das Andre auf die Probe einer schweren Wahl , oder eines großmüthigen Opfers gestellt wird , mag das Bündniß dauern . Kommt einmal jener Zeitpunkt , so muß die verschiedene Stimmung , der entgegengesetzte Geschmack , der ihnen ihr Glück in ganz verschiedenen Gegenständen zeigt , die losen Bande leicht zerreißen . Darum wohl den gleichgestimmten Seelen , bei denen ähnliche Schicksale - ähnliche Gesinnungen und ähnliche Wünsche erzeugt haben , die keiner Opfer bedürfen , um auf dem selbst gut geheißnen Pfade einig mit einander zu wallen ! Uns dunkeln Gemüthern , denen das Schicksal selten lächelt , hat es doch auch wieder einige Freuden geschenkt . Wir genießen das Glück der Freundschaft . Keine Zerstreuung wendet unsere Gedanken so leicht von der Freundin ab , keine Eitelkeit verleitet uns , auf fremde Kosten zu glänzen , keine Eroberungssucht bringt uns in Collisionen mit unsern Gespielinnen , uns , die wir nach nichts Anderem streben , als mit allen Kräften einen Gegenstand auf ewig fest zu halten , und keinen größern Schmerz kennen , als ihn zu verlieren , sey es durch den Tod oder durch Wankelmuth . Doch nein - nicht gleichviel ! O , meine Theophania , ich kenne dein Schicksal nicht ganz , aber fast möchte ich dich beneiden ! Der Tod entriß dir den Gemahl , den liebenden , den treuen , in der Zeit , als , nach deinen Jahren und deiner Trauer zu urtheilen , eure Liebe noch in schöner Blüthe stand , und der Quell der Empfindung voll und rein durch eure beiden Herzen floß . Du liebst ihn noch , obgleich die Urne seine Asche birgt , und du hoffst nach deinem Glauben , in einer Region des Lichts und unzerstörbaren Freude ihn wieder zu sehen . Ihr Glücklichen ! Eure Liebe hat eure Verbindung , sie hat Euer Daseyn überlebt . O ! weh denen , deren Daseyn , deren Verbindung ihre Liebe überlebt ! Wenn Eines kalt und abgestorben an des Andern Seite kaum noch den Schatten jener Entzückungen nachzubilden fähig ist , die es einst hinrißen , wenn jenes Feuer , in dem sich die trunkenen Seelen zur Götterwonne emporschwangen , zu matten Aeußerungen achtungsvoller Freundschaft herabgekommen ist , wenn die glühende Brust des länger Getreuen vergebens ihr Feuer in die kalte Asche zu strömen sucht , und ein ungeheurer Schmerz um das , was war , und nicht mehr werden kann , die tief erregte Brust zerreißt , die mit allen ihren Wunden , sich nur in abgemessener Förmlichkeit an einen Marmorbusen gedrückt fühlt - das ist Schmerz , Theophania ! wüthender , verzehrender Schmerz , und daß er der letzte ist , ist das einzig Tröstliche daran ! Du hast , wie es scheint , meine geliebte Freundin ! einen flüchtigen Scherz , den wir uns in deiner Gegenwart erlaubten , etwas zu ernst genommen . Calpurnia ist noch nicht Braut , sie ist nur die geachtete vertraute Freundin jenes Mannes , dessen Bild du gesehen hast . Daß er für sie empfindet , ist wohl nicht zweifelhaft - aber wer kann auf Männerliebe bauen ? Es ist nicht lange , daß er einen sehr theuern Gegenstand , eine Freundin verloren hat , die er von Jugend auf mit heftiger und unglücklicher Zärtlichkeit geliebt hat . Dennoch fängt er an , bei der reizenden Calpurnia seines Verlustes zu vergessen , und der unbeschreiblichen Gewalt zu weichen , mit der dies gefährliche Mädchen bisher auf alle Männer wirkte , indeß sie selbst unbefangen blieb . Nur bei Agathokles scheint ihre Stunde auch gekommen zu seyn , und wenn keine neuen Hindernisse eintreten , wenn die Zeit über das Vergangene den mildernden Schleier gezogen haben wird , so sehe ich diesem Bündniß mit Hoffnung und Freude entgegen . Dir aber den Zeitpunkt zu bestimmen , ist , wie du selbst einsiehst , nicht möglich . Agathokles ist mit den Cäsarn in Nisibis , wo der Friede geschlossen wird ; wir hoffen ihn erst in einem Monate zu sehen . Vielleicht kann ich dir dann mehr sagen . Calpurnien will ich den Antheil , den du an ihrem Schicksal nimmst , melden ; ich weiß , es wird sie freuen , von einer Frau geachtet zu seyn , deren Anblick nichts Gewöhnliches verkündigte , und deren näherer Umgang das Versprechen des ersten Augenblicks wahr gemacht hat . Was die Bitte betrifft , so glaube ich sie im Voraus in meiner Freundin Namen zusagen zu können , und so ersuche ich dich , sie mir mitzutheilen , von was immer für einer Art sie seyn mag . Theophania kann um nichts bitten , dessen Gewährung nicht ihren Freundinnen zur angenehmen Pflicht würde . Leb ' wohl ! 55. Junia Marcella an Theophania . Apamäa , im November 302 . O meine Theophania ! meine theure unvergeßliche Freundin ! Du hast Recht , wenn du im Anfange