Ei , so weint nicht ! ... Ich will Euch sagen , wie es ist ... Ich hätte gute Freunde und Gönner - sagt man ? ... Nun , das San-Officio in Neapel war sackgrob - ... Aber gut - ich fand immer , die Leute sind geneigter , uns Gehör zu geben , wenn sie grob sind ... Leider , leider - kann ich dasselbe nicht vom Ohr und Mund Seiner Majestät , Monsignore Celestino , sagen ... Das ist wahr , artig war er ... Dem mußt ' ich haarklein erzählen , was seit Jahr und Tag hier in diesen Bergen vorgegangen ist ! ... Und wenn ich jetzt so schlummerköpfig nachdenklich bin , so ist es blos , weil ich , aufrichtig gesagt , meine Erzdummheit bereue ... Ich ging auf alle seine Artigkeiten ein ... » Gut ! Gut ! Das freut mich ! Um so besser ! Und was wünschen die guten Brüder von San-Firmiano ? « - ... Ich Tropf ! Das hätt ' ich mir doch sagen sollen , daß es mit all diesen Süßigkeiten nur bitter stand - ! ... Wir Brüder haben in San-Firmiano um nichts gebeten , als um was die Hechte bitten , wenn in einem Teich ihrer zu viel sind ... Laßt Euer Licht leuchten vor den Leuten ! hat schon unser allerheiligster Erlöser gesagt - und nur deshalb sehnen sich unsere Gefangenen von San-Firmiano in ihre Klöster und Pfarreien zurück , um zu zeigen , daß sie aus Wölfen gute Hirten geworden sind ... Seht nun , das alles hab ' ich in Neapel vorgetragen ; aber - Ei was ! Bei Alledem kann ich mich irren ! Es ist im Namen unsres heiligsten Erlösers gar nicht unmöglich - wir finden in San-Firmiano fröhliche Gesichter und Euer edler Bruder lacht hellauf , wenn er morgen früh - eher rath ' ich nicht bei unserm Kloster anzupochen - die Ueberraschung hat : Gelobt sei Jesu Christ ! von seiner Schwester zu hören und gar von der Kleinen da - wie heißt sie ? ... Alles heißt hier Marietta ... Kommt niemand von Euch auch einmal - auf den Namen - Hedwigis - ? ... Diese Worte waren so gutmüthig , endeten mit einem so elegischweichen Tone , daß Rosalia Mateucci der wohlthuenden Wirkung derselben sich nicht entziehen konnte ... Sie sagte : Bei San-Gennaro ! Hat denn San-Gio jetzt gar die neue Beleuchtung von Neapel - ! Seht , wie hell es da liegt ! ... - Nun lachte sie freudiglich ... Scagnarello fand die Aufnahme des Mönches beim Erzbischof von Neapel ebenfalls nicht so bedenklich und im Gegentheil außerordentlich schmeichelhaft ... Nun versteh ' ich , sagte er , warum die Leute Recht haben , wenn sie sagen , daß sogar Seine Heiligkeit in Rom ein alter Freund und Bekannter von Euch wäre und Euch schon in Rußland kannte ; denn unser heiliger Vater ist weitgereist ! - ... Ja aber auch mit Recht ! Habt Ihr nicht das hochheilige Erbe Petri vom Grizzifalcone befreit ? ... Wußte denn auch der Erzbischof das alles von Euch ? ... Hm ! auch vom Kreuz - da überm Neto ? ... Und - hm ! hm ! - von Eurem - feurigen Hunde ? ... Auf den ich Euch manchmal aufbinden möchte ! schnitt Hubertus die neugierige Rede ab ... Was schlagt Ihr nur so grausam auf Euern armen Pepe ! In Spezzano , vor Eurer Abfahrt nach Cosenza , da konntet Ihr ihm gewiß schmeicheln ! Da konntet Ihr ihn nennen : Pepito ! Mein zuckersüßes Brüderchen ! Unterwegs aber ist alles vergessen ! ... Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehs und Wort halten muß man Jedermann - selbst seinem Maulesel ! ... Ein alter Jäger weiß ich , daß im Wald und auch draußen in der Welt unsere besten Freunde - wie oft - doch nur unsere Pferde und unsere Hunde sind ! - ... Hubertus sprach voll Scherz , aber auch voll Wehmuth und hörbaren Anklangs an einen Gegenstand , der ihn rührte - ... Doch kam er nicht auf den Hund ... Im Gegentheil zeigte er Rosalien die sich jetzt ein wenig öffnende Gegend , an deren östlicher und walddunkler Grenze , dicht unter den glänzendsten Sternbildern , eine schwarze Thurmspitze in die Höhe ragte - das Kloster San-Firmiano ... San-Giovanni war erreicht ... Ein Bergflecken , wo sich vor Jahrhunderten einige Menschen um einige halbzerstörte Thürme der Normannenzeit angesiedelt und einige hundert Nachkommen hinterlassen haben , die keinen Anblick für Götter bieten ... Aber ein Maler hätte darum doch seine Lust an diesem Städtchen gehabt ... Die Thurmmauern ragten von Epheu überwuchert ... In riesiger Ausdehnung spazierte der immergrüne Kletterer bis auf die Felsen hernieder und an diesen wieder , wie eine einzige Wiese , entlang bis zu den rauschenden , sich hier vereinigenden Gewässern des Neto und des Arvo ... Ein viereckiger Glockenthurm der Kirche war der Mittelpunkt einiger im wirren Durcheinander von den beiden Wildbächen sich aufdachenden sogenannten » Straßen « ... Nun erst entdeckte man , warum es scheinen konnte , als wäre in San-Gio die Gasbeleuchtung eingeführt ... Schon in einiger Entfernung hörte man die beim Morraspiel üblichen , aber in San-Gio nie so laut vernommenen Flüche und Verwünschungen ... Auch deutsche Laute wurden hörbar ... Pechkränze und Bivouakfeuer loderten auf ... Auch San-Giovanni war von Soldaten überfüllt ... Hubertus sah das voll äußersten Erstaunens , sprang vom Wagen und eilte in wilder Erregung auf den Marktplatz ... Fußnoten 1 Gregorovius ' » Siciliana « . 2 Ueblicher Brauch . 3 Ph. J. von Rehfues ' Schriften . 10. Der » Torre del Mauro « eine Locanda , die einer Scheune ähnlich sah , war erreicht ... Man fand sie von Soldaten in Beschlag genommen ... Ein Leutnant in einer jener überladenen südeuropäischen Uniformen , mit Troddeln und Stickereien , die bei uns keinem Obersten zukommen würden , stand mit der Cigarre im niedrigen rauchgeschwärzten Thor eines von brennenden