Land blieb des Königs Beichtvater , Monsignore Celestino Cocle , Erzbischof von Neapel , ein fanatischer Agent des Al Gesú , eben jener » rechte Mann « , von welchem die Wünsche der Bewohner San-Firmianos abhängen sollten ... Zehn Jahre , erzählte wehklagend die Frau , hab ' ich meine Kniee gebeugt vor dem heiligen Erzbischof von Cosenza ... Jeden Quatember , wenn neue Priester geweiht wurden , lief ich zu Fuß die zehn Miglien von Nocera nach Cosenza und beugte meine Kniee auch nach der Messe noch ... Wenn der heilige Herr in seinen Palast ging , rief ich ihn um Gnade an für meinen unglücklichen Bruder ... Und immer gab er mir seinen Segen und sagte : Ihr seht ja , liebe Frau , die Pfarre von San-Giovanni bleibt ihm offen ; das Sacro Officio prüft lange , aber gründlich - ! ... Heiliger Gennaro ! ... Zehn Jahre prüfte das Officio - ! ... Ich wußte nicht , ob mein Bruder noch lebt - ! ... Wir schickten - mein Dionysio ist gut - was wir nur vermochten - bald an den ehrwürdigen Guardian , bald an den heiligen Erzbischof - - aber meines Paolo Briefe meldeten nichts von seiner baldigen Freiheit ... Sogar damals , als doch alles frei wurde , als selbst die , denen zeitlebens die Kugel am Fuß zu tragen besser gewesen wäre , zu Ehren kamen , kehrte mein Bruder nicht aus dieser traurigen Einöde zurück ... Damals hatte nur Marietta leider das Fieber , mein Dionysio mußte unter die Guardia civica , Jeder war froh , wenn in seinem Garten noch die Feigen wuchsen - Verdienst gab es nicht ... Dann aber , als die Ruhe wiederkehrte , als alle Welt erzählte , wie die Gefangenen und Verwundeten in San-Firmiano christlich verpflegt wurden , da fiel ich vor dem heiligen Erzbischof in der Kirche selbst auf die Kniee und bat vor allem Volk um Paolo ' s Freiheit ... Zum Glück - verzeih ' mir ' s die heilige Jungfrau ! - war gerade unser Pfarrer von San-Spiridion gestorben und weil ich hörte , daß sich zehn Pfarrer um die Stelle bewarben und sie vorerst keiner bekommen sollte , weil auf ein Jahr die Einkünfte auch dem heiligen Erzbischof gutschmecken , kauft ' ich nochmals , nach allem , was schon draufgegangen war , für zehn Ducati Wachskerzen und schenkte sie in Cosenza der heiligen Rosalia ... Seitdem hieß es : » Seid gutes Muthes , Frau , reist getrost nach San-Giovanni - In San-Firmiano sind Wunder geschehen - Der Guardian hat einen Boten nach Neapel geschickt an das heilige Officio . Wir wissen es ja , das ganze Kloster ist heilig geworden - Sie bekommen alle die besten Stellen in der Christenheit , denn die Mutter Kirche ist gütig und belohnt jeden , welcher sie liebt - ja , und ein Bote , Frâ Hubertus , muß bald zurück sein von Neapel - « ... So sprach der Erzbischof und das ganze Kapitel stimmte ein ... Da vertraut ' ich denn und machte mich auf den Weg und jetzt bin ich da und Ihr seid es auch und nun bringt Ihr doch nichts und schweigt - ? Ihr wißt , denk ' ich , nur zu gut , daß mein guter Bruder nur durch Euch ins Elend gekommen ist .... Ohne Euch könnte er längst in Nocera Bischof sein ... Diese muthige , für Scagnarello zum Bewundern sachgemäße und kenntnißreiche , nur am Schluß etwas frauenzimmerlich ausfallende Rede hatte Hubertus theils mit seufzenden , theils mit begütigenden Worten begleitet ... Scagnarello hoffte , der schwer Beleidigte würde mit einer Rechtfertigung früherer Misverständnisse , vor allem mit Rückblicken auf die wunderbare Geschichte vom feurigen Hunde vernehmbar werden ; aber Hubertus beschäftigte sich allein mit dem Kinde und sang seine » russischen « Lieder ... Rosalia Mateucci ersah nun wol aus Allem , daß Hubertus kein Vertrauen auf den Erfolg seiner Mission hatte , und fuhr in ihren Klagen über diese arge Welt fort ... Sie ließ dabei jedem seine äußere Ehre , bezeichnete ihn aber bei näherer Betrachtung um so mehr als Spitzbuben ... Vom Standpunkt einer vermögenden Krämerin von Nocera gab sie einen Rückblick auf die ganze bewegte Zeit der letzten Jahre - namentlich auf die wilde Anarchie , welche damals entstand , als die in Neapel durch Lazzaroniaufstand und Schweizerregimenter gesprengte Nationalvertretung sich in Cosenza noch einmal , unterstützt von einem Aufstand der Calabresen , wieder gesammelt hatte , doch von jenem ehemaligen Räuber , spätern General Nunziante , im Süden , vom General Lanzi im Norden angegriffen mehr durch Uneinigkeit , als Ueberlegenheit der Truppen sich auflöste ... Die Bewaffneten wurden damals zu Flüchtlingen , und wie es im Süden geht , zu Wegelagerern und Räubern ... Dieser anarchische Zustand hatte im Silaswald erst seit kurzem aufgehört ... Das Kloster San-Firmiano hatte lange Zeit nur ein Gefängniß und Lazareth sein können , wo die Brüder sich wahrhafte Verdienste erwarben ... Und nun sollten alle diese guten Thaten ohne ihren Lohn bleiben ? Märtyrer sollten sich bewährt haben und keine Krone gewinnen - ! Da müßte ja der Giosafat von Lipari als ein wahrer Retter ersehnt werden und mit der Zeit in Neapel am königlichen Schlosse kein Stein mehr auf dem andern bleiben ... Hubertus entgegnete in leidlichem » Campanisch « auf diese unausgesetzten Verwünschungen , die schon Marietta ' s Weinen und Scagnarello ' s loyalen Protest zur Folge hatten : Beim heiligen Hubert , meinem Schutzpatron ! Frau , ich kann Euch versichern , daß ganz San-Giovanni und wer anders noch von damals am Leben ist , sich freuen wird , Euch und die kleine Marietta zu sehen ... Euern heiligen Bruder nehm ' ich nicht aus , wenn ich auch zweifle , daß Eure Hoffnung , ihn als Pfarrer in San-Spiridion nach Nocera zu bekommen , so bald in Erfüllung geht , zugleich auch , ob dies seinen Wünschen entspricht ... Indessen beruhigt Euch ! ...