Sein Maccaroni wurde jetzt wacker durch die Peitsche unterstützt ... Die Frau konnte nicht umhin anzuerkennen , daß Scagnarello ' s Vermuthung über einen an einem hölzernen Kreuz auf einem Stein sitzenden Mönch Wahrscheinlichkeit für sich hatte ... Die braune Kapuze war halb niedergeschlagen ; so schwarz und starr konnte darunter hervor nur ein Kopf lugen , der so gut wie keiner war oder wenigstens nur dasjenige , was übrigbleibt wenn von einem Kopf Haare und Fleisch weggenommen werden ... Scagnarello , jetzt vollends ermuthigt und sogar von dem hinter den Felsen her immer heller und heller läutenden Glockenthurm von San-Gio schon angenehm überrascht , schwang seine Peitsche und gab der hochgespannten Frau , die glücklich war , schon jetzt dem Manne zu begegnen , welcher die gute Kunde aus Neapel nach San-Firmiano bringen sollte , jede tröstliche Versicherung ... Ein Franciscaner , in Sandalen , mit brauner Kutte , den weißen wollenen Strick um die magere Hüfte , saß in der That auf dem Stein am Wege ... Es war Frâ Hubertus ... Er saß am Gedächtnißkreuz des von ihm vor Jahren hier in den brausenden Neto geschleuderten Jân Picard ... Als er die Klingel des Pepe hörte , stand er auf und ging fürbaß ... Er schien keine Neigung zu haben , auf eine verspätete Equipage zu warten und sich in seinen wahrscheinlich düster angeregten Empfindungen stören zu lassen ... Ihn einzuholen wäre beim Bergauf unmöglich gewesen , wenn ihm nicht Scagnarello alle möglichen Interjectionen nachgerufen hätte aus jenem unerschöpflichen , in seinem Reichthum noch von keinem Gelehrten würdig abgeschätzten Wörterbuch der neapolitanischen Natursprache ... Zu den thatsächlichen Motiven , welche Scagnarello mit civilisirteren Worten einmischte , um den rüstigen Greis zum Stehenbleiben zu bewegen , gehörte , in seltsamen Abkürzungen freilich , die ganze Geschichte der Frau , welche hinter ihm hochaufgerichtet stand , in der Linken mit dem schlafenden Kinde , in der Rechten mit ihrem Tuch , mit dem sie unablässig wehte ; gehörte endlich auch ein Gruß vom Erzbischof von Cosenza und die ganze Ausmalung aller der Glückseligkeiten , die sich nun in San-Firmiano und in San-Spiridion zu Nocera begeben würden ... Der lange hagere Knochenmann stand endlich still und lachte des tollen Gewälschs ... Sein Kopf wurde darüber ein einziges - Gebiß von Zähnen ... In der » Campanischen « Sprache , jenem Italienisch der Neapolitaner , in welchem die Buchstaben mit allen nur erdenklichen Freiheiten behandelt werden , oft der eine ganz für den andern eintritt und statt » Michel « Kaspar gesagt wird , hatte Hubertus in der That Fortschritte gemacht ... Er blieb stehen ... Dann freilich entsprach seinem ersten frohen Gruß an die ihm sehr wohl erinnerliche Schwester Paolo Vigo ' s keineswegs sein fernerer Mittheilungsdrang ... Letzterer schüttelte er zwar als alter Freund die Hand und nahm das jetzt erwachte , schreiende Kind auf den Arm , versichernd , daß seine Sehnsucht , den trefflichen Bruder der Signora nach sechs Wochen wiederzusehen , nicht minder groß , als die ihrige nach so vielen Jahren wäre - ja er kannte das schöne dem Bruder winkende Gotteshaus zu San-Spiridion in Nocera vollkommen und gab zu , daß der Erzbischof von Cosenza hinlänglich heilig wäre , um auch weissagen zu können ... Gewiß ! Gewiß ! Es wird alles gut werden ! wiederholte er zum öftern ... Aber - dem ganzen Wesen fehlte die rechte , von Innen kommende Freudigkeit ... So kommt Ihr von Neapel und habt noch nichts Bestimmtes erfahren ? fragte die Frau voll Bestürzung über dies Benehmen und lud den frommen Bruder ein , neben ihr Platz zu nehmen ... Hubertus folgte dieser Aufforderung , nahm die noch an Schönheitsanschauungen nicht gewöhnte und wenig vor ihm erschreckende kleine Marietta auf den Schoos , sang ihr eine alte holländische Liedstrophe und versicherte , die Hoffnung wäre das schönste Lebensgut , das sich der Mensch nur immer frisch in allen Nöthen bewahren müsse ... Die Hoffnung ? ... Bei San-Gennaro ! rief die Frau und zitterte ... Weiter bringt Ihr nichts von Neapel zurück , als - Hoffnung ? ... Und schöne Feigen ! Seht die Feigen ! erwiderte Hubertus und reichte deren aus seiner Kutte Marietten eine Hand voll , während die Frau ihm bereits ihre Eßwaaren angeboten hatte ... Was kann mir alles das helfen ? wehklagte Rosalia Mateucci ... Hab ' ich darum so viele Jahre die Reise von Nocera nach Cosenza gemacht ? ... Haben wir darum zwanzig Ducati an die Mutter Gottes Della Salute und abermals funfzehn an den heiligen Gennaro von Cosenza bezahlt ? ... Das wird sich einbringen , Frau ... Hofft in Gottes Namen ! wiederholte Hubertus ... Inzwischen fing er mit einem bei weitem dringlicheren Interesse an , dem Meister Scagnarello sein Erstaunen über die neue Garnison von Spezzano auszudrücken ... Was wollen nur all diese Reiter und Jäger wieder ? Geht der Weg nach Frankreich durch den Silaswald ? ... Scagnarello deutete an , daß nicht gut von solchen Dingen zu reden wäre , seitdem hier schon die besten Leute zu den » Canarienvögeln « in Neapel gekommen wären ... Guter Bruder , was bringt Ihr von Neapel ? ... drängte die Frau ... Ihr redet von Canarienvögeln ... Nur zu wohl weiß ich , die Raben , die schwarzen , die hacken dem heiligen Franciscus gern die Augen aus ... Steht das wo geschrieben ? entgegnete Hubertus und schien betroffen von dieser Rede , die er vollkommen verstand und für ebenso prophetisch hielt , wie sie wohlgesetzt war ... Die Jesuiten ( diese nur konnte Rosalia unter den schwarzen Raben verstanden haben ) , hatten allerdings hier die Hauptentscheidung ... ... Auf den Spruch der Jesuiten hatte der Erzbischof von Cosenza als die letzte Instanz verwiesen , von welcher hier alles abhängen würde ... Alle Welt wußte , daß zwar in den Bewegungstagen zwanzig Kutschen voll Jesuiten aus Neapel hatten entfliehen müssen , sie waren aber in vierzig wiedergekommen und die rechte Hand des Herrschers über dies unglückliche