der schauerlichen Einsamkeit , wagte , auf alle diese unheimlichen Dinge anzuspielen ... Es ist eine Pflicht unserer Seelenhirten , sagte er nach einer Betrachtung über feurige Hunde , die sich öfters hier den Schäfern nächtlich zugesellen , für das geistige und leibliche Wohl der Ihrigen zu sorgen ... Der Pfarrer in Spezzano ist gewiß ein Santo , aber auch er heilt die Kröpfe und kann Geister bannen ... Meinen Pepe da hat er mit allen Weihen versehen ... Rosalia Mateucci hatte das Thema des verhängnißvollen Hundes verlassen ... Scagnarello richtete jedoch mit umspähender Miene an sie die Frage : Frau - noch seh ' ich den Bruder Franciscaner nicht - sagt : Ist es wahr , hat der den Hund ganz feierlich begraben - ? ... Kaum war das aus der Hölle gekommene Thier , erzählte sie , gefallen , so kam , wie wir damals glaubten , ein Abgesandter des Satans , der die ihm verfallene unreine Seele abholen sollte ... Auf dem Platz erschien ein langer hagerer Mönch mit einem Todtenkopf , der , wie die Magd erzählte , im Kloster Firmiano vor kurzem erst Herberge gefunden hatte ... Die Kinder liefen ihm aus dem Wege - eine Sprache hatte er , wie unser Truthahn , wenn ich mein rothes Kleid anziehe ... Das alles hat sich geändert ! unterbrach Scagnarello ... Jetzt fürchten ihn nur noch die Leute mit zu langen Flinten und besonders der Schmied von Spezzano ... Denn ein Hufeisen bricht er wie trockene Nudeln entzwei , wenn die Arbeit schlecht ist ... Gäule heilt er , die schon unter den Galgen kommen sollten ... Talarico ! Der bekam Angst vor ihm , als er hörte , daß das der Frate war , der in Rom dem Grizzifalcone den Garaus gemacht ... Nun , bei San-Firmiano ! Der heilige Vater hat ihn auch gewiß nur hergeschickt , daß er ' s dem Giosafat ebenso machen sollte ... Signora , ich hörte aber doch - mit dem Hund hatt ' es Dinge auf sich , die einen guten Christen um die Absolution bringen können ... Andere meinen , der Alte mit dem Todtenkopf hat wenigstens seitdem nichts mehr mit der Hölle ... Ein Heiliger ist ' s geworden , wie nur der Erzbischof von Cosenza auch - und - Euer , unter uns gesagt , vortrefflicher Bruder - ... In voller Glückseligkeit über diese Anerkennung sagte Rosalia : Ja , Signor ! ... Ich glaube es für gewiß , daß Frâ Hubertus sich zu Gott gebessert hat ... Gerade von ihm hat mir der heiligste Erzbischof von Cosenza gesagt : Geht getrost , liebe Frau ! Bis Ihr in San-Giovanni in Fiore seid , ist Frâ Hubertus von Neapel zurück gekehrt ... Und nun ist er da ... Und ich denke doch , es muß alles gut werden ... Scagnarello erhielt noch einmal die Flasche , leerte sie und lobte sehr den Wein von Nocera ... Auf seine Frage , was nur der Todtenkopf in Neapel gethan hätte , erhielt er die Antwort : Der heilige Erzbischof schickte ihn nach Neapel , um sein Begehren beim rechten Mann vorzubringen ... Beim rechten Mann ? ... wiederholte der Kutscher ... Und welches Begehren - ... Daß die Bewohner von San-Firmiano nicht mehr - wie die Canarienvögel von Cosenza gehalten werden ... Sind sie denn nicht alle Santi geworden ? Hat mein Bruder sie nicht bekehrt ? Hat der Todtenkopf ihnen nicht allen die Schrecken der Hölle zu Gemüth geführt , die er so gut kannte - ? ... Ich sage Euch , bis nach Nocera hin steht das Kloster im Geruch der Heiligkeit - ! ... Scagnarello wußte vollkommen , daß unter den Canarienvögeln die gelbgekleideten Galerensträflinge zu verstehen sind , die in Neapel öffentlich im Dienst der Straßen- und Hafenpolizei arbeiten müssen ... Auch über die gute Aufführung der Bewohner von San-Firmiano herrschte , nur Eine Stimme und Alle wußten , daß Dom Sebastiano darüber nicht reden konnte , ohne so zornig zu werden wie ein Puterhahn ... Nach einer seiner letzten Predigten gab es Tugenden , die blos vom Teufel kämen - ... Doch war Scagnarello vorsichtig und hielt seine Meinung zurück ... Die Einsamkeit , welche dann und wann nur vom Gruß eines Hirten oder eines mühsam ausbiegenden Eseltreibers unterbrochen wurde , hörte bei Annäherung an San-Giovanni auf ... Es wurde lebhafter rings im Gebirge ... Zwar war die Nacht nun ganz hereingebrochen , Nebel stiegen auf , welche die Feuchtigkeit der Luft so vermehrten , daß Scagnarello und Rosalia ihre braunen Mäntel übernahmen ; der mondscheinblaue Luft- und Nebelhauch gab den grünen Waldabhängen , den einzelnen Wiesenteppichen eine geisterhafte Beleuchtung ; aber , wo der Strom der Gewässer am Wege nicht zu rauschend stürzte , da hörte man deutlich und von mannichfachem Echo weitergetragen , das Locken und Rufen der Hirten an ihre Heerden , die zur Nachtruhe unter den mächtigen Eichen sich lagerten , hörte das Blasen einer einsamen Schalmei oder an einer andern Stelle das unaufhaltsame und unerschöpfliche Lungen voraussetzende Schnurren eines Dudelsacks ... Jagdschüsse erschollen sogar zuweilen dicht über den Häuptern der Gefährten und machten den Pepe stutzig und unterbrachen dann die Reise durch ein Intermezzo von Apostrophen , die Scagnarello an die Vernunft des Thieres richtete ... Tüchtige Peitschenhiebe unterstützten die Beweiskraft ... Um ein verhältnißmäßiges Stück war man schon ganz in die Nähe San-Giovannis gekommen ... Rosalia erkannte die Gegend ... Die mit Früchten überladenen Kastanienbäume , die zuweilen am Wege standen , rauschten ihr wie mit vertrautem Gruß ... Dort stand ein altes Gemäuer , das der urältesten Zeit Groß-Griechenlands angehörte ... Der Mond schien durch die zerklüfteten Fenster ... Sie kannte jeden dieser , bald als Aufbewahrungsort des frischgemähten Heus , bald als Versammlungsort der Hirten bei Unwettern benutzten Orte ... Ihr Herz wurde ihr immer frohbanger und zagendhoffnungsvoller ... Scagnarello erzählte jetzt von einem Stein , an welchem sie bald angekommen sein müßten , wo Frâ Hubertus vor Jahren mit jenen zwei Männern gerungen