eben der rastlose Drang des Adels- , Beamten- und Militairegoismus als einzige politische Richtschnur vorschrieb ... Fürst Egon aber konnte nicht anders erwarten , als daß die Stände ihre Zustimmung zur Emission von einer Million Stadtkämmereischeinen geben würden . Die Bedingung wurde nur gestellt , daß die Stadt nun das ihr verbleibende alterthümliche Erbe auch einer neuen Verwerthung unterwürfe und die öffentliche Kontrole gestattete . Die Häuser in der Brandgasse sollten niedergerissen , neugebaut , neuorganisirt werden . Man wollte , daß nun auch alle alten Herbergen provisorischer Zustände gelüftet , die Spelunken lichtscheuer Bettlerexistenzen gereinigt würden . Dabei traf sich der eigne Fall , daß gerade ein Mann , der statt Bartusch ' s , des Blutsaugers , des bösen Drängers und Quälers der Brandgasse , ein Wohlthäter , Rettungsengel und milder Richter dieser Höhlen geworden war , nun in die Lage kam , an der materiellen Befriedigung der beiden Männer , die sich als die eigentlichen Herren der Brandgasse jetzt ergeben hatten , an dem Abkaufe dieser Erbschaft betheiligt zu werden . Es war zuerst im November des vorigen Jahres gewesen , als sich die verdächtigen Wolken , die die Erscheinung Murray ' s begleitet hatten , allmälig verzogen . Ein reicher , angesehener Fremder , dem die heimischen Bekanntschaften den Glanz seines Namens mehrten , erbot sich in demselben Augenblicke zu einer ansehnlichen Kaution für ihn , als er durch die Zeugnisse Louis Armand ' s fast gezwungen war , einzugestehen , daß er im Forsthause bei Plessen nur von einem in Amerika verstorbenen Bruder des Schmieds Jakob Zeck und seiner Schwester Ursula Aufträge zu überbringen hatte und bei dieser Gelegenheit in die Lage kam , einen tückischen , mörderischen Schlag , den der Blinde auf seine Schwester ausführen wollte , durch jedes nächste ihm zu Gebote stehende Mittel zu hintertreiben . Diese Aussagen blieben unwiderlegt , da Louis Armand damals noch in dem Ansehen stand , ein Jugendfreund des Ministers zu sein . Die Aufträge , die Pax später von Charlotte Ludmer für seine Hohenberger Reise bekommen hatte , waren nicht auf eine Gewaltthat gerichtet . Vermuthete sie Friedrich Zeck in jenem Engländer , der sich ihrer Nichte so eifrig angenommen hatte , so konnte ihr nur an dessen Beobachtung , geräuschloser , vielleicht durch Geld oder durch stille Gewalt vermittelter Entfernung , nicht aber an einer Verhaftung liegen , die zuletzt Geständnisse zu Tage gefördert hätte verletzendster Art für lebende , in sorglose Sicherheit eingewiegte Personen . Deshalb hatte sie von Fritz Hackert nur unter der Hand erfahren wollen , ob nicht dieser Murray ein Gauner und an diesen und jenen Merkmalen erkennbar wäre . Besorgniß genug erweckte ihr Hackert ' s Schweigen , noch größere die Freigebung des Gefangenen auf ein bedeutendes Lösegeld . Endlich aber erhielt sie die Nachricht von Hackert , daß jener Fremde ein wirklich harmloser Emissär amerikanischer religiöser Vereine wäre , der am liebsten auf Kirchhöfen weile und sich mit dem Schicksale der Armen beschäftige . Gern hätte sie ihn selbst gesprochen , gern von ihm gehört , wann , wo , unter welchen Umständen jener Friedrich Zeck gestorben wäre , auf dessen Veranlassung er die schlimme Begegnung im Plessener Forst hatte , allein der gern und öfters bei ihr gesehene Hackert brachte ihr darauf hin eine wunderlich zustimmende Antwort des Sonderlings , der sie entnehmen konnte , daß hier in der That einer jener Bußprediger vorhanden war , der diese Gelegenheit benutzen wollte , nun auch ihr recht in ' s Gewissen zu reden . Auf die Gefahr hin , daß ihr dieser Mann von einer jenseitigen Welt sprechen konnte , schlummerte ihre Absicht , Murray kennen zu lernen , und ihre Furcht ein . Sie mochte solche » Quäker « nicht sehen . Friedrich Zeck hatte nie die Absicht gehabt , sich etwa an Pauline von Harder und Charlotte Ludmer zu rächen . Es war eine wirkliche Frömmigkeit , die ihn erleuchtete . Es lag ihm im Leben nur noch an dem Loose des Knaben , den aufzusuchen ihn dasselbe Pflichtgefühl trieb , das die frömmelnde Fürstin Amanda einst ihr Testament hatte niederschreiben lassen . Wie er Hackerten finden mußte , erfüllte ihn freilich mit Schmerz genug . Er fand doch zuletzt einen verwilderten , trotzigen , aller Innerlichkeit baaren Sinnenmenschen , mit dem er sich , um sein besseres Gefühl zu wecken , wohl hütete , zu verfahren wie mit Auguste Ludmer . Die gewaltsame Unterwerfung unter seinen eignen edlen Geist hätte er wohl ausgeführt , er hätte nur seine Geschichte , die Namennennung der Mutter Hackert ' s anwenden dürfen , um den Hochmüthigen ganz in der Gewalt zu haben , aber er lehnte diese Gewalt ab , er fürchtete , etwas Künstliches in seine Entwickelung hineinzutragen . Er wollte seinen Sohn gewähren lassen und ihm selbst nur als eine Anlehnung seines eignen Wachsthums dienen . Die Erfolge dieser Erziehung waren im Beginn wenig ermuthigend . Er entsetzte sich genug , wie verworren , ja grundverdorben diese Seele war . Vor dem tiefeingewurzelten Pessimismus derselben schauderte ihn . Alles wäre schlecht , Jeder sähe nur auf seinen Vortheil , Alles löge und die Tugend wäre Maske , die nur die Dummen blendete ! So lauteten seine stehenden Sätze , die er selbst mit der Nachwirkung der Gefühle verband , die ihm die Freude geweckt hatte , seinen räthselhaft verborgenen und sich ihm noch nicht ganz enthüllenden Vater damals auf dem Kirchhofe zu finden . Seine Menschenverachtung ging soweit , daß er selbst am Vater zu bohren , an dem zu wühlen , zu untergraben anfing und ihm gleichsam Fallen stellte , um die Schadenfreude zu genießen , auch ihn straucheln zu sehen , auch ihn auf Prahlerei und Eitelkeit zu ertappen . Er konnte nicht begreifen , warum Murray in der Brandgasse wohnen blieb und die drei Zimmer der Louise Eisold behielt . Er vermittelte manche Bestellung , die vom Vater für Kupferstecherarbeiten wieder übernommen wurde ; aber wenn er sie nur langsam ausführte , wenn