alles und sagte beim Anstreifen an diese unheimlichen Erinnerungen : Bitte ! Bitte ! - fragte aber doch , ob sich die Frau noch des Skeletts erinnerte , das dazumal ihren Bruder um den Tod des höllischen Hundes so in Harnisch gebracht hätte ? ... Des Frâ Hubertus ! sagte die Frau mit einem halb beklommenen , halb freudigen Tone ... Er lebt noch ... Ich weiß es ja - ! ... An seinen Knochen kann man zwar von Fleisch kein Pfund mehr zählen ! entgegnete Scagnarello , aber - gewiß lebt er noch - und ich will Euch nur gestehen - ich hatte mich nicht heute Nacht noch in den Wald gewagt , könnten wir nicht hoffen , noch den Bruder Hubertus einzuholen ... Heilige Mutter Gottes ! rief die Frau freudig erregt und wagte die gefährlichste Stellung von der Welt in Scagnarello ' s zweirädrigem Karren . Sie stand auf , hielt ihre schlafende Marietta mit Gefahr , selbst überzustürzen , im Arm und reckte spähend den Hals in die Weite ... Saht Ihr denn den Frâ Hubertus ? rief sie und lugte in die dunkle Ferne ... Beruhigt Euch ! sprach Scagnarello und bezog diese Aufregung misverständlich auf eine Anwandlung von Furcht ... Wenn ich meiner Frau , meinen Kindern und dem Pepe zugemuthet habe , mich bis Mitternacht noch auf die Straße zwischen Spezzano und San-Gio hinauszulassen , so ist es , aufrichtig gesagt , geschehen , weil ich hörte , daß Frâ Hubertus uns ein paar hundert Schritte voraus ist ... Denn was der Frate nun auch sein mag , ob ein Russe oder von Geburt ein Türke , wir alle haben ihn hier anfangs gleichfalls für den leibhaftigen Boten der Hölle gehalten - ja da erst gar , als er den fremden Mann nicht weit von hier in den Neto gestoßen - ! ... Ich bitte Euch ! ... sagte die Frau sich niedersetzend ... Aber habt darum keine Furcht ! fuhr Scagnarello fort ... Holen wir den Bruder ein , so haben wir mit ihm ein Regiment Soldaten ... Der Pfarrer von Spezzano , im Vertrauen gesagt , mag ihn noch jetzt nicht - aber darum hat der Bruder , der soeben in Neapel war , doch hohe Gönner und Beschützer und , was seine Leibeskräfte anlangt , so kenn ' ich manchen , der ihm noch jetzt abends aus dem Wege geht - ... Er war in Neapel - Und ist zurück ! ... Ich weiß es ja - weiß alles - ... rief Rosalia freudig und verstummte dann . Letzteres zum Aerger Scagnarello ' s ... Er merkte , daß es etwas ganz Neues aus dem Leben seiner Passagierin zu erfahren gab ... Diese wich seinen Fragen aus und versank in eine wehmüthige Stimmung ... Es knüpften sich ihr aus der Zeit , wo sie vor Jahren ihres Bruders Wirthschaft in San-Giovanni geführt hatte , an diesen » Bruder mit dem Todtenkopf « Erinnerungen voll Schrecken ... Ihr Bruder Paolo hatte lange liebevoll für die Seinigen gesorgt , hatte ihnen jede Ersparniß nach Salerno , wo sie her waren , geschickt , hatte , der gute Sohn , die Gebühren seiner ersten Messen nur seiner Mutter verehrt ... Zwei Jahre war sie dann bei ihm im Silaswalde gewesen und hatte das Ihrige gethan , ihm einen so traurigen Aufenthalt einigermaßen erträglich zu machen ... Aber Paolo Vigo verfiel in Melancholie , zumal durch die Nähe des Klosters San-Firmiano selbst ... Seinem Gemüth mußte es schmerzlich sein , so viel verabscheuungswürdige Priester kennen zu lernen , die in jenem in Felsen eingezwängten , eine melancholische Aussicht in eine düstere Waldgegend bietenden Kloster leben mußten ... Außerdem lebten hier alle ehrlichen Leute damals im Kampf mit Giosafat Talarico ... Die Räuber der Abruzzen , die Genossen des Grizzifalcone , standen mit denen Calabriens in einem Schutz- und Trutzbündniß und bedrohten unausgesetzt die Sicherheit der Einsamwohnenden ... Schon waren aus dem Kirchlein in San-Giovanni die heiligen Geräthschaften des Opferdienstes gestohlen worden ... Kein Wunder , daß der Pfarrer sich mit Waffen versah und zu jeder Zeit eine geladene Flinte über seinem Bett hängen hatte ... Nun geschah es aber eines Tages , daß die Bewohner von San-Giovanni in der größten Aufregung durcheinander rannten , auf dem Marktplatz , dicht vorm Fenster des Pfarrers auseinander flohen und sich in ihren Häusern versteckten ... Rosalia und ihr Bruder traten ans Fenster und erkundigten sich nach dem Grund des lauten Geschreis ... Da hieß es , im Orte wär ' ein toller Hund ... Vom Fenster aus erblickte man in der That ein wandelndes Thiergerippe , die Zunge lang aus dem Munde hängend , die Haare borstig aufwärts gebäumt - es war ein Hund , der einem verhungerten Wolfe glich ... Kaum konnte das entsetzliche Thier sich aufrecht erhalten ... Schon knickte es zusammen und taumelte dann wieder wildschnappend auf , bis es aufs neue zusammensank ... Der Pfarrer erwies den Bewohnern von San-Giovanni die Wohlthat , in rascher Regung die Flinte zu ergreifen , abzudrücken und das Ungethüm niederzuschießen ... Und eben die Folgen dieser raschen That waren die seltsamsten ... Sie lagen in Schleier gehüllt , endeten aber damit , daß Rosalia ' s Bruder oft tagelang abwesend war , mit dem Bruder Hubertus gesehen wurde , sogar einen Ziegenhirten in San-Giovanni , der schon seit lange für einen Ketzer galt , an seinen Tisch nahm , zuletzt mit der Bibel auf der Kanzel erschien und in einer Weise predigte , die einen so großen Anstoß erregte , daß ihn sein Diöcesanbischof suspendiren mußte ... Man ließ ihn bis auf Weiteres im nahgelegenen Kloster wohnen und verbot ihm seine kirchlichen Functionen und Reden ... Aus dieser provisorischen Maßregel wurde ein Zustand , welcher Jahre dauerte und nicht mehr enden zu wollen schien ... Die Stolgebühren von San-Giovanni behagten auch dem Dom Sebastiano von Spezzano ... Scagnarello war durch die Hoffnung , bald den riesenstarken Bruder Todtenkopf einzuholen , so ermuthigt , daß er , trotz