ein anderer Wein wächst , als den zu meiner Zeit kaum die Ziegen getrunken hätten ... Signore ! Nein ! ... Seine Excellenza hat mir eine bessere Hoffnung gemacht ... Mein Bruder wird Pfarrer zu San-Spiridion in Nocera ... Ho ! Habt ihr Euch nicht versprochen , Frau ? brach Scagnarello in Erstaunen aus und Pepe benutzte ein Sichumwenden seines Herrn , um sogleich still zu halten ... San-Spiridion in Nocera ? ... Da tauscht er ja mit keinem Erzbischof drüben in Sicilien ... Dies setzte er mit einem Avanti ! und einem tüchtigen Peitschenhieb hinzu ... Freilich - in Sicilien hab ' ich ein Kloster gekannt , wo die Brüder verhungerten , wenn sie nicht abends mit der Flinte aufpaßten , ob Engländer vom Aetna kamen ... Aber in Nocera soll Euer Bruder Pfarrer werden ! ... Scagnarello war gutmüthig genug , seine Meinung : » Ich dachte , daß ihm sowol im Jenseits , wie schon hienieden die ewige Verdammniß bestimmt ist « - nicht auszusprechen ... Bei San-Gennaro ! sagte die Schwester Paolo Vigo ' s ; ich dächte , daß er sich diese Auszeichnung redlich erworben hat ... Zehn Jahre hat er büßen müssen und die Heiligkeit ist er selbst geworden ... Wißt Ihr für ganz gewiß , daß sie ihn losgeben ? äußerte Scagnarello mit bescheidenem Zweifel und der giftigen Rede des Pfarrers von Spezzano gedenkend ... Der heilige Erzbischof von Cosenza , fuhr die Frau fort und reichte ihrem mildurtheilenden Führer , der die schlimmen Ansichten der übrigen Bewohner von Spezzano gegen ihren Bruder nicht zu theilen schien , eine Flasche Wein aus einem ihr zu Füßen stehenden großen Korbe , der mindestens auf eine Woche mit all ' den Dingen versehen war , die man , nach ihrer Erfahrung , hinter San-Giovanni in Fiore nicht mehr als in der Welt auch nur gekannt vorauszusetzen berechtigt war - der heilige Erzbischof von Cosenza , sagte sie zuversichtlich , hat es noch gestern betheuert ... Ich bin dreimal von Nocera herübergekommen und jedes mal war der heilige Herr liebreicher und gnädiger mit mir ... Alles hab ' ich ihm erzählt , warum mein Bruder ins Unglück gekommen ist - ... Redet nur nicht davon ! ... unterbrach sie jetzt Scagnarello mit einigem Schaudern , die Flasche zurückgebend , aus der er einen kräftigen Zug gethan hatte ... Der Trunk hatte , schien es , sein Gedächtniß gestärkt , das ihm anfangs versagte , als es sich um den Gewinn von zwei Ducati handelte ... Rosalia Mateucci nahm die Flasche , stellte sie wieder in den Korb und schwieg in der That ... Sie verstand vollkommen , daß es gewisse unheimliche Dinge im Leben ihres Bruders gab , von denen man in solcher Abenddämmerung und in der stillen Gebirgswildniß nicht sprechen soll ... Ohnehin galt der Silaswald für verzaubert ... Es ist dies die Ruhestätte , wo noch immer der » große Pan schläft « ... In Abenddämmerung begegnen uns hier noch Satyrn mit Bocksfüßen und Hörnern genug , sehen aus den Bäumen noch nickende langhaarige Dryaden , ertönt oft noch ein schrilles Lachen in der Luft und niemand weiß , wo all die vergessenen Schelmerein des Alterthums am Tage sich versteckt halten ; des Nachts sind sie da ... Rosalia Mateucci begann wieder ihr Wiegenlied ... Die Sonne war höher und höher an die Buchengipfel gestiegen und endlich ganz verschwunden ... Schon hatte der Mond sich in dem weiteren Himmel , der auf kurze Zeit jetzt zur Rechten sichtbar wurde , mit silbernem Glanze gezeigt ... Die Straße , die eigentlich nur ein jetzt ausgetrocknetes Flußbett war , zwängte sich durch zwei Felsen , die sich so nahe standen , daß sie oberhalb , einige hundert Fuß höher , durch eine Brücke hätten verbunden werden können ... Scagnarello wußte nun allmählich im vollen Zusammenhang , daß seine Passagierin Rosalia Vigo , die jüngste Schwester ihres Bruders Paolo Vigo war , der in Neapel Theologie studirt hatte und doch nur die ärmste Pfarre der Welt , zu San-Giovanni in Fiore im Silaswalde , gewann ... Ein feuriger , muthiger , wissensdurstiger Jüngling , hatte er aber diese Pfarre bereitwilligst angetreten , weil sie mit einer Aufsicht über das naheliegende Kloster San-Firmiano , eine Art geistlicher Strafanstalt , verbunden war ; andererseits weil das Innere des theilweise unzugänglichen Silaswaldes noch von Ketzern bewohnt sein sollte , welche sich aus urältesten Zeiten dort erhalten haben und mit zerstreuten Anhängern in Verbindung standen , die an gewissen Tagen , auf nur ihnen bekannten Wegen , dort zusammenkamen3 ... Seinem jugendlichen Glaubenseifer hatte sich die Bekämpfung und Ausrottung dieser Secte gerade empfohlen ... Die Ketzer trieben Zauberei , besonders mit Hülfe der Bibel ... Da erfuhr dann aber alle Welt , daß im Gegentheil auch Paolo Vigo plötzlich von ihnen verwirrt wurde , die Bibel auf die Kanzel von San-Giovanni mitbrachte und auf Denunciation des Pfarrers von Spezzano suspendirt , ja nunmehr selbst in jenes Kloster der Pönitenten verwiesen wurde , wo er hatte erziehen und bessern wollen ... Der Guardian dieses Klosters mußte in San-Giovanni solange die Messen übernehmen , während die übrigen pfarramtlichen Handlungen von Spezzano aus verrichtet wurden ... Rosalia Mateucci wußte gegen die Auffassung des Pfarrers von Spezzano und des Signor Scagnarello über ihren Bruder an sich nichts einzuwenden ... Doch behauptete sie , daß ihr Bruder , wenn auch eine Zeit lang von Zauberern verblendet , doch nie im Stande gewesen wäre , in die unkatholischen Greuel mit einzustimmen ... Daß Paolo Vigo beschuldigt wurde , vorzugsweise gegen Einen , den auch Scagnarello vollkommen als einen gefürchteten Hexenmeister kannte , Nachsicht geübt zu haben - das alles ließ sich nicht wegleugnen ... Auch nicht die haarsträubende Geschichte von einem feuerschnaubenden , geradezu aus der Hölle gekommenen Hunde , welcher auf dem Markt von San-Giovanni in Fiore einst laut geredet und die Seele des Pfarrers in seine Gewalt zu bekommen begehrt haben sollte , obgleich derselbe ihn dann mit eigener Hand todtschoß ... Scagnarello wußte das