« » Wir kommen von Triest und wollen nach Korfu . « » Dann haben wir den gleichen Weg , dahin gehe ich auch , aber ich bin erst in der letzten Nacht an Bord gekommen , als der Dampfer in Brindisi anlegte . « Es trat ein kurzes Schweigen ein , fast wollte es scheinen , als waltete bei diesem unerwarteten Zusammentreffen irgend ein Zwang vor ; aber jetzt mischte sich Herr Wellborn in das Gespräch und bat , dem fremden Herrn vorgestellt zu werden , in dem er so etwas wie einen Weltreisenden witterte . Er stürzte sich deshalb schleunigst auf diese neue Bekanntschaft , die sich nur leider sehr kühl verhielt . Adlau streifte ihn mit einem flüchtigen Blick , nahm die Vorstellung mit einer ziemlich nachlässigen Verbeugung entgegen und sagte gar nichts , während der junge Mann auf ihn einsprach . » Ich mache gegenwärtig meine erste größere Reise , « erklärte er . » Ich bin gewissermaßen noch Lehrling in dem höheren Reiseleben , hoffe aber mit der Zeit Meister darin zu werden , wie die Frau Baronin es ist , und wie Sie es ohne Zweifel sind , Herr Adlau . Habe ich vielleicht das Vergnügen , einen unserer kühnen Forscher und Entdecker in Ihnen zu begrüßen ? Einen Afrikareisenden – « » Bitte , nichts dergleichen , « schnitt ihm der andere ohne weiteres das Wort ab . » Wirklich nicht ? Aber Sie sehen so ungemein tropisch aus und Sie äußerten ja auch vorhin , daß Sie an den entlegensten Punkten der Welt zu finden seien . Wo waren Sie zuletzt , wenn ich fragen darf ? « » In Amerika . « » O , Amerika ! Das kenne ich auch noch nicht , aber ich will später jedenfalls hinüber . Waren Sie in New York , Chicago ? « » So ziemlich überall in dem ganzen Weltteil . « » Das muß höchst interessant gewesen sein ! « » Je nachdem , « sagte Adlau trocken . » Es kann unter Umständen auch recht ungemütlich sein . Man entbehrt dort bisweilen die allernotwendigsten Kulturerrungenschaften . Handschuhe zum Beispiel kann man weder beim Goldgraben in Kalifornien noch in den Ranchos von Brasilien tragen . « » Fatal , aber trotz alledem interessant , « meinte Herr Wellborn , der sehr enganschließende wildlederne Handschuhe trug und den Spott durchaus nicht merkte . Er fragte unermüdlich weiter , bis Robert Adlau ungeduldig wurde und ihn abschüttelte . Er wandte sich wieder dem Geheimrat zu mit den Worten : » Ich komme soeben vom Rhein , aus unserer gemeinsamen Heimat , und da darf ich wohl nicht versäumen , mich Ihnen als zukünftigen Gutsnachbar vorzustellen . « » Als was ? « fragte Rottenstein verwundert . » Ich wüßte wirklich nicht – « » Nun , Sie sind doch Besitzer von Lindenhof , wie man mir sagte . « » Gewiß , vor fünf Jahren , als ich meinen Abschied nahm , habe ich den hübschen kleinen Landsitz erworben . « » Das hörte ich zufällig beim Abschluß meines Kaufvertrages ; nun , unmittelbar daran grenzt das Gebiet von Brankenberg . « » Brankenberg ? Das haben Sie doch nicht etwa gek – « dem alten Herrn blieb vor Erstaunen das Wort im Munde stecken . » Gekauft , allerdings , « ergänzte Adlau , » Herr von Brankenberg hat sich nur noch eine kurze Frist ausbedungen . Er will erst im November das Schloß räumen und das Gut übergeben , und da ich in der Zwischenzeit doch nichts beginnen konnte , so beschloß ich einen Besuch bei meiner Schwester , die gegenwärtig in Korfu lebt als Frau unseres dortigen Konsuls . « Rottenstein sah noch immer aus , als traute er seinen Ohren nicht , aber auch Frau von Wilkow , die sich bisher gar nicht an dem Gespräch beteiligt hatte und kaum zuzuhören schien , wurde aufmerksam . Auch sie streifte den neuen Gutsherrn mit einem höchst erstaunten Blick , indessen äußerte sie nichts darüber , sondern sagte nur : » Wir erfuhren allerdings von Metas Heirat . Sie haben sie ja wohl jahrelang nicht gesehen ? « » Das letzte Mal vor zwölf Jahren , als ich Europa verließ . « » Das ist allerdings eine lange Zeit . « » O ja ! Lang genug , um in der Heimat vergessen zu werden . « Die Worte klangen so herb , als läge ihnen eine geheime Bedeutung zu Grunde . Die junge Frau hob den Kopf und schien im Begriff , eine gereizte Antwort zu geben , aber es kam nicht dazu . Der alte Ausdruck von Müdigkeit und Gleichgültigkeit legte sich wieder über ihre Züge , und sie erwiderte mit einem leichten Achselzucken : » Das Vergessen pflegt meist gegenseitig zu sein ; aber ich finde es recht kühl hier oben , ich werde hinunter in die Kajüte gehen . Du bleibst wohl noch auf dem Deck , Papa ? « Sie neigte flüchtig das Haupt gegen die Herren und ging ; gleichzeitig verlor Herr Wellborn auch alle Lust , noch länger auf dem Deck zu bleiben . Er bemächtigte sich eiligst des Fernglases , das die Dame hatte liegen lassen , und trug es ihr nach . Zwischen den beiden Zurückgebliebenen aber wollte kein rechtes Gespräch in Gang kommen , obgleich dies Wiedersehen nach so langer Zeit doch Stoff genug dazu bot . Der alte Herr kämpfte sichtlich mit einer Verlegenheit , deren er nicht Herr zu werden vermochte , und Adlau blickte schweigsam und zerstreut in das Meer hinaus . Auf einmal aber richtete er sich empor , mit einer raschen Bewegung , als würfe er irgend etwas Lastendes von sich . » Herr Geheimrat , wozu der Zwang zwischen uns beiden ! Sind wir uns denn so fremd geworden ? Als Sie mich erkannten , sah ich ja , daß Sie mir die alte freundliche Gesinnung bewahrt haben , und ich bin auch der alte geblieben