und an sich selber ! Er hat sein Schicksal ja verdient ; damit ist der Stab über ihn gebrochen und der erhabene Tugendstolz seines Weibes versagt ihm jedes Wort der Versöhnung , versagt ihm sogar den Anblick seines Kindes – “ „ Um Gotteswillen , Reinhold , mäßige Dich ! “ fiel Ella angstvoll ein . „ Wir sind nicht allein hier – wenn ein Fremder uns hörte ! “ Er lachte bitter auf . „ Nun , dann vernähme er das große Verbrechen , daß der Mann es einmal wagt , zu seiner Frau zu sprechen . Und wenn alle Welt es erfährt , mich kümmert es jetzt nicht mehr , auf wen die Entdeckung , auf wen die Verurtheilung fällt . – Ella , Du bleibst , “ unterbrach er sich , außer sich , als er sah , daß sie sich entfernen wollte . „ Einmal muß es herunter [ 589 ] von der Brust , was ich mondenlang mit mir herumgetragen habe , und da Du sonst unerreichbar für mich bist , so wirst Du mich hier und jetzt anhören . Du wirst , sage ich . “ Er ergriff ihren Arm , um sie gewaltsam zurückzuhalten ; in demselben Augenblicke aber erschien Marchese Tortoni in der Thür und trat fast stürmisch zwischen Beide . Reinhold ließ den Arm seiner Gattin fahren und wich zurück . Cesario ’ s Aussehen verrieth ihm , daß dieser wenigstens die letzte Scene mit angesehen haben müsse ; mit finsterer Stirn und ernstem Blicke stellte sich der Marchese sofort an die Seite der jungen Frau . „ Darf ich Ihnen meinen Arm anbieten , Signora ? “ sagte er sehr entschieden . „ Ihr Herr Oheim ist bereits in Sorge wegen Ihrer Abwesenheit . Sie gestatten wohl , daß ich Sie zu ihm begleite . “ Reinhold war bereits Herr seiner Ueberraschung geworden , nicht aber Herr seiner Aufregung . Die Störung in einem solchen Augenblick reizte ihn auf ’ s Aeußerste , und der Anblick Cesario ’ s an der Seite seiner Frau raubte ihm vollends die Fassung . „ Ich bitte , daß Sie sich entfernen , Cesario , “ sagte er heftig und gebieterisch , mit jener Ueberlegenheit , die er von jeher über seinen jungen Freund und Bewunderer ausgeübt hatte , aber er vergaß , daß er bei diesem jetzt nicht mehr im Vordergrunde stand . Die Augen des Marchese blitzten vor Entrüstung , als er erwiderte : „ Der Ton Ihrer Bitte ist so seltsam , Rinaldo , wie die Bitte selbst ; Sie werden es daher begreiflich finden , wenn ich ihr nicht nachkomme . Ich habe allerdings nicht die deutschen Worte verstanden , die Sie mit Signora Erlau wechselten , aber ich sah doch , daß sie zum Bleiben gezwungen werden sollte , wo sie zu gehen wünschte . Ich fürchte , daß sie des Schutzes bedarf – befehlen Sie über mich , Signora ! “ „ Sie wollen sie gegen mich schützen ? “ rief Reinhold auffahrend . „ Ich verbiete Ihnen , sich dieser Dame zu nahen . “ „ Sie scheinen zu vergessen , daß es sich hier nicht um Signora Biancona handelt , “ sagte der Marchese schneidend . „ Dort mögen Sie ein Recht haben , zu verbieten oder zu erlauben , hier aber – “ „ Hier habe ich es mehr als jeder Andere . “ „ Sie lügen . “ „ Cesario ! Das Wort werden Sie mir bezahlen , “ brauste Reinhold auf . „ Wie es Ihnen beliebt , “ gab der Marchese ebenso heftig zurück . Ella hatte es bisher vergebens versucht , die drohenden , Schlag auf Schlag fallenden Reden der wild erregten Männer zu unterbrechen ; man hörte nicht auf sie , aber die letzten Worte , deren Bedeutung sie nur zu gut verstand , zeigten ihr die ganze Gefahr dieses unseligen Zusammentreffens . Rasch entschlossen trat sie dazwischen und rief mit einer Entschiedenheit , die ihr selbst in dieser Minute Gehör erzwang : „ Marchese Tortoni , gehen Sie nicht weiter ! Es ist ein Mißverständniß . “ Cesario wandte sich sofort zu ihr . „ Verzeihung , Signora ! Wir vergaßen Ihre Gegenwart , “ sagte er ruhiger . „ Aber Sie übersehen , daß in den Worten Signor Rinaldo ’ s eine Beleidigung für Sie liegt , die ich nicht gesonnen bin , zu dulden . Ich kann und werde meine Worte nicht zurücknehmen , es sei denn , Sie selbst überzeugten mich , daß er sich im Rechte befindet . “ Ella rang in qualvollster Unentschlossenheit mit sich selber . Reinhold stand stumm und düster ; sie sah , daß er jetzt nicht sprechen würde , daß er sie mit diesem Schweigen zwingen wollte , ihn zu verleugnen oder als Gatten anzuerkennen , aber ihn verleugnen , hieß hier das Schlimmste herbeirufen . Die Beleidigung war einmal gefallen , und bei dem Charakter der beiden Männer war ein blutiger Zusammenstoß unvermeidlich , wenn sie nicht zurückgenommen wurde . Der jungen Frau blieb keine Wahl mehr . „ Signor Rinaldo geht zu weit , wenn er jetzt noch Rechte beansprucht , die er einst besaß , “ entgegnete sie endlich . „ Eine Beleidigung aber lag in seinen Worten nicht , er sprach – von seiner Gattin . “ Reinhold athmete tief auf – also endlich bekannte sie sich doch dazu , und das vor Cesario . Dieser aber stand wie vom Blitz getroffen . Wie oft er auch schon nach der Lösung des Räthsels gesucht haben mochte , eine solche hatte er nicht erwartet . „ Von seiner Gattin ? “ wiederholte er fast betäubt . „ Wir sind schon seit Jahren getrennt , “ sagte Ella tonlos . Diese Erklärung gab dem Marchese seine ganze Fassung zurück . Er errieth sofort den Grund der Trennung , kannte er doch Beatrice Biancona . Der eine Name machte ihm Alles klar und ließ ihm keinen Zweifel darüber ,