handelt sich nicht blos um den höheren Lohn , um das Bischen Sicherheit in den Schachten . Das mag für die genug sein , die sich nur für Weib und Kinder quälen , und nichts weiter kennen ihr Lebelang ; die Muthigen unter uns wollen mehr . Die Zügel wollen wir in Händen haben ; respectiren soll man uns als Gleichberechtigte ! Das mag sich freilich schlecht genug lernen für die unumschränkten Herren , aber jetzt sind wir an der Reihe . Wir haben endlich begriffen , daß unsere Hände es sind , die Euch Alles erringen , wovon Ihr allein die Früchte genießt . Ihr habt unsere Arme lange genug zur Sclavenarbeit gebraucht ; jetzt sollt Ihr sie fühlen lernen ! “ Die Worte wurden mit einer so furchtbaren Heftigkeit herausgeschleudert , als sei jedes derselben schon eine Waffe , zum Treffen und Tödten bestimmt . Die ganze maßlose Leidenschaftlichkeit Ulrich ’ s brach wieder hervor , und die Wuth , die einer ganzen Classe galt , wendete sich im Augenblick gegen den Einen , der gerade vor ihm stand . Die Lage dieses Einen war bedenklich genug , diesem Manne gegenüber , der mit geschwollenen Stirnadern und geballten Fäusten bereit schien , seinen Worten die That folgen zu lassen . Aber Arthur zuckte nicht einmal mit der Wimper und wich auch keinen Schritt aus der gefährlichen Nähe . Er stand wieder da mit jener Haltung kalter , stolzer Ruhe , das große Auge fest auf den Gegner gerichtet , als habe er mit diesem Auge allein die Macht , ihn zu zwingen . „ Ich glaube , Hartmann , Sie werden vorläufig die Zügel noch den Händen lassen müssen , die gewohnt und im Stande sind , sie zu regieren . Auch das will gelernt sein ! Mit roher Gewalt stiftet man Empörungen an und reißt Schöpfungen nieder , aber man erbaut keine neuen damit . Versucht es , die Werke hier mit Euern Händen allein zu leiten , wenn das so sehr gehaßte Element fehlt , das diesen Händen die Richtung , das den Maschinen die Triebkraft und der Arbeit den Geist giebt und das für jetzt noch uns gehört . Stellt Euch dem ebenbürtig an die Seite und man wird Euch die Gleichberechtigung nicht länger versagen . Was Ihr jetzt in die Wagschale zu werfen , habt , die Massen allein , das sichert Euch noch nicht die Herrschaft ! “ Ulrich wollte antworten , aber noch erstickte die Leidenschaft seine Stimme . Arthur warf einen Blick nach dem Walde hinüber , wo die Röthe jetzt dunkler und dunkler glühte , und wandte sich dann zum Gehen . „ Hätte ich vorher gewußt , daß jedes Wort der Versöhnung vergebens sein würde , ich hätte diese Unterredung nicht gesucht . Ich bot Ihnen den Frieden und das Bleiben auf den Werken ; das Opfer hätte vielleicht kein Anderer gebracht und ich habe mich schwer genug dazu zwingen müssen . Auch das wird mit Haß und Hohn zurückgestoßen . Sie wollen mein Feind sein – nun so seien Sie es denn , aber nehmen Sie auch die Verantwortung für Alles , was jetzt geschieht , ich habe umsonst versucht , es zu hemmen ! Wie der Streit selbst auch jetzt ausfallen mag – wir Beide sind zu Ende mit einander . “ „ Glück auf ! “ rief ihm Hartmann dumpf nach . Es klang wie schneidender Hohn , und das war es wohl auch in diesem Augenblick . Der junge Chef schien es nicht mehr zu hören . Er war bereits einige Schritte fort und schlug jetzt die Richtung nach den Häusern ein . Ulrich blieb zurück ; über seinem Haupte schwankten die Weidenzweige im Abendwinde auf und nieder . Auf der Wiese wallte weißer Duft , und drüben über den Tannen glänzte es noch einmal auf , unheimlich und roth wie Blut , um dann langsam zu verblassen . Der junge Bergmann starrte unbeweglich in den flammenden Abendhimmel ; der unheimliche Schein lag auch auf seinem Antlitz . „ Wir sind zu Ende ? Nicht doch , Herr Arthur Berkow , wir fangen jetzt erst an ! Ich habe nur die Feigheit nicht eingestehen wollen , die mich immer noch zurückhielt ; ich wagte mich nicht an ihn , so lange sie an seiner Seite war . Jetzt ist die Bahn frei – jetzt wollen wir abrechnen ! “ In der Residenz wogte das ganze buntbewegte Treiben eines Sommernachmittages . In den Hauptstraßen drängte sich die Menge der Spaziergänger , Geschäftsleute und Arbeiter in ewig wechselndem Gewühl ; dazwischen tönte endloser Lärm und endloses Wagengerassel ; von allen Seiten wirbelte der Staub auf , und die heißen Strahlen der Nachmittagssonne , die schon anfingen etwas schräg zu fallen , beleuchteten das Ganze . Von den Fenstern des Windeg ’ schen Hauses , das in einer dieser Hauptstraßen lag , schaute eine junge Dame hinab auf dieses Getümmel , das ihr beinahe fremd geworden war in der Einsamkeit ihrer Waldberge . Eugenie war in das väterliche Haus zurückgekehrt , und damit schien die kurze Zeit ihrer Ehe ausgelöscht und vergessen . Im Familienkreise wurde dieser Punkt nur höchst selten und nur dann berührt , wenn von der bevorstehenden Scheidung die Rede war . Die Söhne folgten darin dem Beispiel ihres Vaters , der sich einfach vorgenommen zu haben schien , jene Erinnerung todtzuschweigen , in seinem Hause wenigstens , während er zugleich in der Stille die nöthigen Schritte zur Einleitung des gerichtlichen Scheidungsprocesses that . Bis dahin sollte die Sache der Welt gegenüber noch nicht berührt werden . Die Dienerschaft und die wenigen um diese Zeit noch in der Residenz anwesenden Bekannten wußten nur von einem vorübergehenden Besuche der jungen Frau bei den Ihrigen , der durch die Verhältnisse auf den Gütern ihres Mannes veranlaßt und geboten war . Eugenie bewohnte wieder die Zimmer , die sie vor ihrer Vermählung inne gehabt hatte ; in der Einrichtung derselben war nichts verändert worden , und wenn sie