einfallen lasse , durch die Glaswand des Wintergartens zu schielen , sei nichts weniger als einladend . Allem Anschein nach suchte sie sich » der aus allen Ecken gähnenden Langeweile « durch Unterhaltung in ihren Räumen zu entziehen – sie setzte offenbar ihre Tanzübungen fort . Die kleine Paula erzählte , die Mama habe Flügel wie die Englein in Josés Bilderbuch , sie habe » immer keine Strümpfe an « und lauter Gold und Silber auf ihren Kleidern ... Dabei wurden drüben große Kisten gepackt und fortgeschickt – » lauter altmodische Toiletten « , welche die Modistin in Berlin auffrischen und verändern sollte ... Lucile ging jetzt auch öfter in Begleitung ihrer Kammerjungfer aus , und nie kehrte sie zurück , ohne daß Träger mit umfangreichen Paketen ihr folgten . Sie kaufte an Stoffen und modernen Schmucksachen , was ihr gefiel , und verhielt sich den Preisen gegenüber mit der Gleichgültigkeit einer überseeischen Grundherrin , die Tausenden und aber Tausenden zu befehlen hat . Nun kam sie eines Nachmittags , zum Ausgehen gerüstet , in den großen Salon . Sie sah ein wenig erhitzt aus , und die Augen glänzten aufgeregt durch den Gazeschleier , den sie gegen Staub und Sonnenbrand bereits vor dem Gesicht kokett aufgesteckt hatte . » Meine Kasse ist leer , Mercedes , « sagte sie obenhin . » Ich habe verschiedenes zu bezahlen und brauche mindestens fünfhundert Taler . « Mit nachlässiger Gebärde hielt sie die kleine behandschuhte Rechte hin , um das Verlangte in Empfang zu nehmen . » Du hast vor kurzem erst eine gleich große Summe geholt – « versetzte Donna Mercedes erstaunt – sie wollte offenbar noch etwas hinzufügen , allem die kleine Frau unterbrach sie sofort . » Oh bitte , rege dich doch ja nicht auf um einer solchen Kleinigkeit willen , « sagte sie boshaft und winkte beschwichtigend mit der Hand . » Aber auch fünfhundert Taler ! « wiederholte sie mit Pathos . » Ein Heidengeld ! Meiner Mama freilich fielen fünfhundert Taler nur so durch die Finger , wenn es galt , auf den Gastreisen Trinkgelder zu geben – das könnten wir arme Schlucker natürlich nicht ... Bah , möchtest du mir nicht auch die paar Bissen , die ich esse , in den Mund zählen , Donna Mercedes ? « – Sie streckte bitter auflachend die Hände gen Himmel . – » Das ist die glänzende Versorgung , die man mir vorgespiegelt hat , als ich mich entschloß , mit nach Amerika zu gehen ! ... Übrigens « – sie fuhr mit einer sprechenden Gebärde mit der Hand über den Kais – » ich will gleich meinen Kopf verwetten , daß dir nicht das Recht zusteht , meinen Geldverbrauch in der engherzigen Weise zu kontrollieren ; und deshalb werde ich mich endlich einmal beschweren – « Sie verstummte – dort auf dem Schreibtisch , an welchem ihre Schwägerin saß , lag bereits das Geld hingezählt . Donna Mercedes zeigte schweigend mit dem Finger auf die Banknoten – kein Muskel ihres Gesichts bewegte sich . Lucile strich das Geld zusammen und ließ es in ihre Tasche gleiten . » Ich werde Paula mitnehmen , - « – sagte sie – » das Kind braucht notwendig einen neuen Hut – « » Paula hat sich im Garten müde gelaufen – sie schläft drüben in der Kinderstube . « » So werden wir sie wecken . « – Sie flog , als habe sie keinen Augenblick Zeit zu verlieren , durch das Krankenzimmer in die Kinderstube ; allein Donna Mercedes folgte ihr auf dem Fuße und hielt sie an der Tür zurück . » Welche Torheit , Lucile ! « zürnte sie . » Um einer Laune willen das Kind aus seinem erquickenden Schlaf aufzuschrecken ! « Aber schon hatte die kleine Frau förmlich erbittert die zurückhaltenden Hände abgeschüttelt ; sie stieß die Tür auf und lief geräuschvoll in die Kinderstube hinein . Deborah saß strickend am Fenster , und die kleine Paula lag ausgekleidet in süßem Schlummer in ihrem Bettchen . » Dummheit ! « zankte Lucile im höchsten Arger die schwarze Wärterin aus . – » Was fällt dir ein , das Kind zu einer kurzen Mittagsruhe bis aufs Hemd auszuziehen ! ... Auch das noch ! « stieß sie in namenloser Ungeduld hervor und stampfte mit dem Fuß den Boden . Sie riß die hingeworfenen Röckchen vom Stuhl und fing an , das Kind zu schütteln . » Paula , Paula , wach auf ! « rief sie – es klang etwas wie Angst und prickelnde Unruhe aus diesen Tönen . Aber die Kleine schlief den Schlaf tiefster Ermüdung ; sie schlug die Augen nicht auf , und das Köpfchen sank schlaftrunken auf das Kissen zurück . Inzwischen hatte sich die Schwarze erhoben und stellte sich beweglich bittend und protestierend vor die kleine Schlummernde . » Ich weiß nicht , was ich von dir denken soll , Lucile , « rief Donna Mercedes , ganz betroffen über das aufgeregte Gebaren ihrer Schwägerin . » Denke , was du Willst ! ... Ich werde doch wahrhaftig so viel Recht haben , mein Kind mitzunehmen , wenn es mir beliebt ! ... Du wirft Paula sofort anziehen , Deborah ! « befahl sie . – » Dabei wird die kleine Schlafmütze schon aufwachen . « » Das Kind bleibt in seinem Bett , « entschied Donna Mercedes mit kalter Ruhe . » Ach , Tante , was ist mit Paula ? « rief José mit seiner schwachen Stimme ängstlich erregt herüber . Bei diesen Lauten erschrak Donna Mercedes . » Lucile , sei vernünftig , « sagte sie beschwichtigend , als spreche sie zu einem widerspenstigen Kinde . » Gehe später – dann kannst du Paula mitnehmen . « » Ich will aber nicht . « – Eine dunkle Röte bedeckte das zarte Gesicht unter dem Schleier , und es sah fast aus , als kämpfte die kleine Frau mit aufsteigenden Tränen . In diesem Augenblick trat