Haud uach der Edeldame auszuftreckeu - er verehrte sie audächag , aus der Ferue , als guten Engel feines Hanfes . Und nuu , feit sie ihn verlassen wuchs ihm ein sonderbares , starkes Verlangen in die Seele hinein , daß er nichts denken konnte als das einet ohne sie geht es gar nicht , ist es kein Leben ! Und er sah sie beständig da drüben wieder sitzen am Fenster , die Kinder um sich - es war zum Verzweiselu , reiu zum Verzweifelu ! Er lachte über sich und schüttelte den Kopf , daß die Kinder verwuudert aufhorchteu uud sich mit den Ellbogen saeßeu ob des Vaters souderbareu Wefeus . Und dann fuhr er aus seiuem Brüteu empor uud strich dem stämmigen Bubeu über den Kops . , ,Nuu , was kann ich euch deuu heute Gutes thuu , damit ihr merkt , daß mich eure Gedichte erfreut habeu ? Sie faheu sich uutereiuauder an uud schwiegeu . , , Wollt ihr Ehokolade uud Brezelu ? Die Karoliue soll fie euch uachmittags briugen . Sie schüttelten dieKöpse , uud die beideu Iüugfteu drängten sich an die Aelteste und der Junge wifperte ihr etwas zu . , ,Tante Hede soll wiederkommeu , wir habeu solche Sehn sucht uach ihr ! platzte der laugausgeschoffeue Backfisch eudlich los uud die Thräueu schoffeu ihm in die blaueu Augen . , ,Wir haben Sehnfucht ! echoten die beiden anderen , und der Iunge erklärte altkluge , , ' s ist ja gar kein Leben mehr , das hat Karline auch gefagt ! Der Oberförfter ftaud auf uud trat von feiuem Häuflein fort , er mochte sie nicht feheuiu ihrem kiudlicheu Iammer . , Tante Hede muß den kleinen Heini jetzt pflegen , der hat keine Muaer mehr , sagte er gepreßt . , ,Wir habeu auch keine Mama , rief die Iüugfte schmolleud . , ,Aber ihr feid nicht die Berwaudteu der Taute ' , der Heini ist ihr Neffe uud ist krauk , das wüßt ihr bedeuten , ,Weuu sie nicht wieder kommt , werde ich aber auch krauk ! trotzte der Junge . , ,Vielleicht scheukt uns die Taute einen Nachmittag uud trinkt Kaffee mit uus ! Geht alle Drei hiuauf uud biaet fie darum , schlug er vor . Und die Eile , mit der sein Vorschlag ausgeführt wurde , ließ ihn trübe lächeln Er versolgte die Kiuder , am Feufter fteheud , mit feinen Blicken ^ sie sprangen den Schloßberg hinaus , wie losgelaffeue Füllen uud er ftaud da uoch , als sie wiederkamen mit hängenden Köpfen . Und er , der Vierzig . jährige , hatte Herzklopfen wie ein Gymnasiast ^ Sie fingen alle Drei zngleich an zu reden , ,Sie kommt nicht , Vater , Taute kann nicht - hier ist ein Brief , Vater ! , ,Sie will nicht ! dachte er niedergeschlagen - aber war . um ? Er nahm das Schreiben uud ging hinüber in seine Stube . Ihre Vifiteukarte fiel ihm eutgegeu , unter zierlich geftocheuem Wappeu der Namet Hedwig von Kerkow , uud dazu geschriebeut , ,wüuscht herzlich Glück zum heuagen Tage ! Hätte sie doch lieber gar nicht gratuliert ! dachte er uud das Blut schnß ihm in die Stiru . Er legte das Blättchen auf die Spiegelkousole uud rückte uäher zu feiueu Bücheru und Papieren , um sich in die Arbeit zu vertiefeu . Die Aelteste trat [ 246 ] nach einer ganzen Weile herein und schlich zu ihm . „ Tante Hede sagt , sie wäre selbst gekommen , aber sie kann leider nicht fort ; sie hat gerad ’ den Diener schicken wollen mit der Karte . “ „ So , so ! “ nickte er . „ Ich kann euch nun nicht helfen ihr müßt eure Chokolade ohne Tante trinken . “ „ Vater , ich glaube , Heini muß sterben , “ begann das Kind von neuem , „ Tante Hede sah so blaß aus und war so traurig ! “ „ Erzählte sie euch das ? “ „ Nein - ich denke nur so . Und sie hat uns alle geküßt und gesagt , wir sollten sehr artig sein heute . “ „ Dann seid es nur auch , “ mahnte der Oberförster . „ Zur Chokolade komme ich hinüber , heute nachmittag . “ Das Kind ging . Der Vater warf die Feder fort und starrte vor sich hin . Hatte er ihr eigentlich etwas zuleide gethan ? Er grübelte und grübelte , aber er fand nichts . - Sie hatte fort gewollt , und er hatte als ehrlicher bescheidener Mensch seine Wünsche den ihrigen nachgesetzt . Nicht einmal zu sagen hatte er gewagt . „ Das geschieht mir zu großem Leid ! “ Er hatte einfach gesprochen : „ Wenn das so liegt , darf ich Sie nicht zurückhalten . “ Er kam gar nicht darauf , der gute einfache Mensch , daß seine Bescheidenheit mißverstanden werden konnte . Also er fand nichts , er glaubte nur , sie habe ihren alten Stolz hervorgesucht ; nun , da es ihr möglich war , wieder standesgemäß zu leben , und - - na ja die Pflege des kranken Würmchens . - Den Nachmittag vergaß er die festliche Chokolade und mußte erst geholt werden . Und die Kinder mochten das Getränk nicht , denn Karoline hatte es anbrennen lassen , Mariechen warf ihre Tasse um und begoß sich von allen Seiten ; es war kalt uud ungemütlich im Zimmer und der Junge heulte über Zahnschmerzen . Der Oberförster verlangte Karoline zum Heizen . Die Aelteste ging in die Küche , um diesen Wunsch des Vaters zu melden , die vielgeplagte Karoline aber war schlechter Laune und schimpfte entsetzlich , daß sie vom Auswaschfaß fort sollte , es sei eine heillose Wirtschaft jetzt im Hause , und sie könne das bald nicht mehr aushalteu , und wenn einer Witwer sei und habe Gelegenheit zum Heiraten und er thue es dann nicht , so sei das man