, sehr glücklich , und mein einziges Sehnen gipfelte in dem Wunsche , Dich mein Weib nennen zu können . – Da kam die Gräfin Ruth Satewski in das Schloß . Wir hatten einmal in frühester Jugend eine Leidenschaft füreinander gehabt , als das kleine graziöse Mädchen noch mit eingeflochtenen Zöpfen und im kurzen Kleidchen einhersprang . Aber so jung , so klein sie war , das reizende Kind verstand damals schon , den Kopf des blöden Kadetten vollständig zu verdrehen . Wir bildeten uns ein , Brautleute zu sein , und quälten einander sogar mit Eifersucht , z. B. wenn ich ein anderes kleines Mädchen öfter beim Drittenabschlagen geklopft oder beim Fanchonspielen gehascht hatte , oder wenn sie mit gar zu verführerischer Miene mit meinem Vetter , dem langen Edgar , zu flüstern beliebte . Das war während der Sechswochenferien in Bonn bei meinen Eltern . Dann ging ich wieder ins Korps nach Potsdam und sie mit ihrer Gouvernante ins heimatliche Schulzimmer , wo uns wahrscheinlich die romantischen Ideen unter lateinischen und französischen Vokabeln verschwanden . Ich hatte sie nicht wiedergesehen , ich hatte nur gehört , daß sie vermählt war , und dachte manchmal , sie muß eine schöne Frau geworden sein , dieses kleine brünette Geschöpf mit den wunderbaren Augen . Dann kam eine Zeit , Gretchen , wo ich alle Augen der Welt über Deinen süßen blauen Sternen vergaß , die glücklichste , gesegnetste Zeit meines Lebens . Und da auf einmal strahlten mir wieder jene dämonischen dunklen Augen entgegen . Ich gestehe es ehrlich – ich war frappiert von der außergewöhnlichen Schönheit meiner Cousine , doch fühlte ich mich so sicher in Deinem Besitz , daß mir gar nicht der Gedanke kam , sie könne uns gefährlich werden . Doch die junge Witwe war nicht allein schön , sie war auch klug und kokett , und in der Langeweile ihres Witwenstandes fing sie an , ihre Netze nach mir auszuwerfen . Sie stieß auf Widerstand , ich war geflissentlich ungalant und mitunter sogar ungezogen gegen sie , das reizte sie noch mehr . Mit der ihr eigenen Schlauheit sagte sie sich : » Es muß ein Grund da sein , weshalb er sich von mir zurückzieht . Ein Mann läuft nicht ohne weiteres davon vor einer schönen Frau , wenn nicht Motive vorhanden sind , die ihn dazu zwingen – suchen wir die Ursache dieses Sprödetuns ! « – Sie suchte und fand – fand , daß ich Dich liebte ! Ich bin überzeugt , daß sie gelacht hat , als sie dies entdeckte , und zu sich selbst gesagt : » Wenn es weiter nichts ist ? « Sie fing ihren Feldzugsplan sehr fein an , sprach von Dir als von einem guten , lieben Mädchen , entfaltete ihr ganzes brillantes Unterhaltungstalent in glänzendster Weise , plauderte , neckte und mokierte sich auf die pikanteste und angenehmste Art der Welt . Und als es ihr gelungen war , als sie sah , daß mich diese sprühende , oft frivole Unterhaltung amüsierte , und ich ihr belustigt zuhörte , da fing sie an , mich auf den Pastor Renner aufmerksam zu machen , zuerst mit ein paar hingeworfenen Worten , so daß ich kaum ahnen konnte , sie seien für mich berechnet . Dann erzählte sie allerliebst komisch eine Szene – wobei sie bewunderungswürdig seinen Gang und seine Sprache nachahmte – wie er Dich anschmachte , und was er sage , und wie sehr sie sich über so eine beginnende Liebe à la Voß ' Luise amüsiere . Zuerst achtete ich nicht darauf , dann kam etwas wie Eifersucht über mich und ich beschloß aufzupassen – möglich , daß man in dieser Leidenschaft alles sieht , was man sehen will . Ich glaubte zu bemerken , daß Du Dich dem jungen Manne gegenüber keineswegs so benahmst , wie es einer Braut zukommt , und daß er geradezu unverschämt war . In meinem Unmut wurde ich kühler gegen Dich , ich nahm öfter meine Zuflucht zu meiner Cousine , saß ganze Abende lang in ihrem Boudoir , während sie im spitzenbesetzten Negligé auf der Chaiselongue ausgestreckt lag , und plötzlich war ich so weit gekommen , daß ich für das schöne kokette Weib eine heiße Leidenschaft fühlte . Zwar zuckte mein Herz im Anfang noch krampfhaft auf , wenn sie mir von Deiner heimlichen Verlobung mit dem jungen Prediger erzählte , aber ein Blick auf das schöne Gesicht ließ es wieder ruhig werden . Offen gestanden , Gretchen , ich habe nie recht eigentlich an Deine Untreue geglaubt , aber ich wünschte mitunter , es möchte der Fall sein , damit ich nicht diese Qual zu ertragen brauchte . Ruth zog mich an sich , wie einen Nachtschmetterling das Licht . Wenn ich bei ihr war , hatte ich alles vergessen , auch Dich , Gretchen ! Und dann sah ich später Deine verweinten Augen , Dein bleiches Gesicht , und war in einer Stimmung , daß ich mir am liebsten eine Kugel vor den Kopf geschossen hätte – so erbärmlich , so ekelhaft kam ich mir vor . Das einfachste wäre gewesen , ich hätte Dich gefragt : Gretchen , liebst du mich noch , oder ist es wahr , was man mir erzählt ? Dann wäre ja alles gut geworden – aber ich wollte nicht , der Bruch mit Ruth wäre unvermeidlich gewesen , und ich konnte nicht leben ohne sie . So ließ ich es gehen – wie mir zumute war , das hat mir wohl jeder ansehen können . So kam ein Abend , an dem ich wieder mit kaum zu bemeisternder Sehnsucht nach Bendeleben geritten war und in das kleine Boudoir Ruths trat . Ich hatte einige Tage vorher einen Brief für Dich an die Schloßgärtnerin abgegeben , er war in einer Anwandlung von Reue geschrieben . Antwort hatte ich darauf nicht erhalten . Ruth lag nicht wie sonst auf dem Sofa , sondern ging aufgeregt , mit blitzenden Augen und