geradezu durch die kümmerlichsten Mittel in Szene gesetz werden . Hundert oder zweihundert verwegene Bursche , Bursche , die , was auch kommen möge , nur zu gewinnen haben , rottieren sich zusammen , und in weniger als einer halben Stunde sind aus den zweihundert zwanzigtausend geworden . Aber diese zwanzigtausend sind au fond nichts als eine Täuschung . Jeder will sehen und hören , und vielleicht hinterher ein wenig renommieren , das ist alles ; er denkt nicht daran , Hand anzulegen , wenn es ernst wird , er will nicht kämpfen oder sich persönlich Gefahren aussetzen , er will nur mit schreien und möglichst mit unnütz sein , während die andern die Kastanien aus dem Feuer holen . Diese » andern « aber sind immer nur wenige . Wer dies im Auge hat , der wird solcher Bewegungen in der Regel leicht Herr werden und meistens ohne große Opfer hüben und drüben ; aber an diesem freien Blicke gebricht es in revolutionären Zeit fast immer . Jeder ist angekränkelt , jeder erkennt der Auflehnung ein bescheidenes Maß von Berechtigung zu , oder setzt auch wohl Mißtrauen in die Mittel und Wege , mit denen er in den Kampf eintreten soll . So wird die Entschlußkraft gebrochen . Das Schlimmste tun dann schließlich noch die » Berater « . Unter diesen sind immer einige , die mit der Angst des eigenen Herzens die Herzen derer , bei denen die Entscheidung liegt , anzustecken wissen . Mitunter sind es auch Mitverschworene . So war es am 14. Juni . Geschwätz , Zureden und , als alles nicht ausreichte , direkte Lüge , brachen , ohne daß ein Schuß gefallen wäre , den Widerstand der Zeughausverteidiger und die jubelnde Menge trat ein . Aber nicht lange sollte sie sich dieses Sieges erfreuen . Das mittlerweile gesammelte 1. Bataillon Vierundzwanziger erhielt Befehl , das Zeughaus wiederzunehmen , und vom Kupfergraben , wie zugleich vom Kastanienwäldchen aus , rückten alle vier Kompanien gegen dasselbe vor . Die Menge wich und durch sie hindurch drangen jetzt die Hauptleute von Brause und von Stülpnagel in das Zeughaus ein , säuberten den Hof , nahmen in der obersten Etage dem Gesindel die bereits geraubten Waffen wieder ab und jagten dasselbe die Treppe hinunter oder zu den Fenstern hinaus . In Zeit von zwei Stunden war alles beendet und die Ordnung der Dinge wiederhergestellt . So der Juni 1848 . Ernster , bedeutsamer waren die Mai-Ereignisse des folgenden Jahres , insonderheit der Straßenkampf in Dresden . Hier stand man einer wirklichen revolutionären Macht gegenüber . Auf diese Kerntruppe der Revolution paßte nicht mehr das , was ich vorstehend von bloßen Krawallern und Tunichtguten gesagt habe , hier befehdeten sich zwei Prinzipien , von denen jedes seine Truppen ins Feld stellte . Die Ereignisse von damals sind halb vergessen , sie sollten es nicht sein . Sie gaben uns einen Vorgeschmack von dem , was kommen wird . Am 3. Mai war der Aufstand in Dresden ausgebrochen . An der Spitze standen Tschirner , Todt , Heubner , Bakunin . Die Barrikaden ( so wird erzählt ) waren nach Anleitung Sempers errichtet , die revolutionäre Armee selbst aber bestand aus Turner- , Künstler- und Studetenkorps , aus Teilen der Schützengilde , der Bürgerwehr , aus formierten Abteilungen militärisch eingeübter Bergleute und aus Umsturzmännern von Fach , namentlich Polen . Es handelte sich also nicht um » Gesindel « , das bekämpft werden sollte , sondern , wie schon hervorgehoben , um eine Elitetruppe , die nach Intellekt , Wissen und bürgerlicher Stellung erheblich höher stand , als die uckermärkischen Füsiliere , die hier unsererseits in den Kampf eintraten . Je bestimmter ich auf seiten dieser letzteren stehe , desto freier auch darf ich es aussprechen , daß nichts falscher und ungerechter ist , als auf die Scharen des Maiaufstandes verächtlich herabzublicken . Die Schuld lag bei den Führern . Und auch hier ist noch zu sichten . Neben Ehrgeizigen und Böswilligen standen aufrichtig begeisterte Leute . Eine Republik herstellen wollen , ist nicht notwendig eine Dummheit , am wenigsten eine Gemeinheit . Das sächsische Militär war nicht stark genug , den Aufstand zu unterdrücken . Am 5. oder 6. Mai gingen deshalb von Berlin aus das 1. und das Füsilierbataillon vom Alexanderregiment nach Dresden ab , um die sächsischen Truppen in ihrem Kampfe zu unterstützen . In der Nacht vom 7. auf 8. folgte unser vierundzwanziger Füsilierbataillon . Am 8. früh traf es in Neustadt-Dresden ein und rückte um ein Uhr mittags zur Ablösung der verschiedenen Detachements des Alexanderregiments über die Elbbrücke . Die halbe Altstadt war um diese Zeit bereits zurückerobert , aber in der im Besitz der Insurgenten verbliebenen Hälfte steigerte sich der Widerstand , besonders am Altmarkt und in dem zwischen der Wilsdruffer- , Scheffel- und Schloßgasse gelegenen Häuserkarree . Unsere Füsiliere begannen den Kampf sofort , aber der Hauptangriff wurde doch bis zum 9. morgens verschoben . Die 9. Kompanie ( rechter Flügel ) ging in der Frühe genannten Tages mit allen drei Zügen vor . Hauptmann von Malotki nahm das Postgebäude , Leutnant von Glasenapp das Englische Haus , Leutnant von Horn eine starke Barrikade an der Scheffel- und Wallstraßen-Ecke . Die 10. Kompanie ( linker Flügel ) setzte sich vom Neuen Markt her in den Besitz des Café français und avancierte von hier aus gegen die ebenfalls mit Insurgenten besetzte Kreuzkirche . Die 11. und 12. Kompanie ( Zentrum ) arbeiteten sich in den Häusern der Sporer- und Schössergasse gegen den Altmarkt vor , während andere Abteilungen , bei denen sich der Bataillonskommandeur Major Schrötter befand , die Hauptstraße hielten und die hier errichteten , mit der roten Fahne geschmückten Barrikaden wegnahmen . Die Hauptaktion hatte die 9. Kompanie . Noch geraume Zeit nachher bot das Postgebäude samt den angrenzenden Baulichkeiten ein deutliches Bild des Kampfes , der hier getobt hatte . Die Verluste der Insurgenten waren groß , der ganze Hergang aber , rein auf seinen militärischen Gehalt hin angesehen ,