Erziehung ... « » Nein , Mutter , « sagte er , » nein , da ist nicht bloß Angewöhntes , da ist Angeborenes « - » Armes Kind ... « » Kaum . Sie fühlt ja keine Leere . Und wenn sie den rechten Mann bekommt - ich meine , solchen , der den gleichen Geschmack hat « - » Raspe , « flüsterte sie , » wir wollen doch hoffen .. « Er lächelte schmerzlich in sich hinein . » Die Fürstin Siegstein sagte mal zu mir , « erzählte Sophie sich ermutigend , um dadurch den Sohn zu ermutigen , » sie sagte : Das Herz kommt nach , wenn der Kopf durchaus weiß : es ist vernünftig . Es ist so viel angeborenes Bedürfnis in einem zu lieben . Das hilft denn nach , wenn der Verstand mal ' ne unabänderliche Lebenslage etabliert hat . Und dann die Gewohnheit . Die gute Hälfte von dem , was man für Liebe hält , ist Gewohnheit , sagte die Fürstin . Sie heiratete ihren Mann mit vielen Bedenken und war nachher so glücklich . « » Es war da wohl umgekehrt : der Kopf war einverstanden , das Herz wurde nicht gefragt . Es gibt ja auch Fälle , Mutter - Fälle - wo das Herz wohl möchte - und wo es sehr weh tut , wenn der Kopf nein sagt ... « Das war sein Fall - sie wußte es , und ihre Seele weinte . » Der Kopf ist auch manchmal eigensinnig , « schmeichelte sie . » Was hab ' ich als bescheidener Mann denn anders , als im Einklang mit mir selbst zu sein . Darin liegt meine Würde , Mutter - tut sie nicht ? « Sophie fühlte eine Träne in ihrem Auge - Hoffnungen begraben tut weh . - Und gerade diese . - Auf der der Segen eines teuren Verstorbenen zu liegen schien . Noch weher aber tat es , den Sohn in schmerzlichen Kämpfen zu wissen ... » Um Allert hab ' ich auch Sorgen , « sagte sie vor sich hin . » Ich weiß es , Mutter . « Und dann schwiegen sie und hörten dem großen Rauschen des Meeres zu , das in rastloser Bewegung gegen das Hindernis anbrauste , als welches das rote Felseneiland in seiner Breite stand . - Auf der Heimreise war Tulla sehr unruhig . Sie dachte : heute ist sein Urlaub zu Ende . Und sie begriff sein Schweigen nicht . Und ganz allmählich überkam es sie : auch sein Wesen begriff sie nicht . So gütig - so ernst . Ja , wie ein Schleier von Traurigkeit lag ' s darüber ... Warum nur ? Sie zermarterte ihren Kopf ... Ganz gewiß - er dachte , er könne es nicht wagen . Er war einer von den wenigen Männern , die durchaus nicht in den Verdacht kommen wollen , daß sie an das Geld und nicht an das Herz des Mädchens denken ... Oh , wie sollte sie es ihm nur zeigen , daß sie ganz felsenfest an seine Uneigennützigkeit glaubte - daß sie darauf schwor : ihr Geld sei ihm Nebensache - daß sie wisse : er könne , wenn er nur nach Geld heiraten wolle , so viel Partien machen . Natürlich war es ganz unmöglich , ihm das zu sagen . Aber in ihrer zitternden Aufregung zeigte sie ihm , ohne zu wissen , ganz unverhüllt die Sehnsucht ihres jungen Herzens . Und er spürte es . Sein Gemüt war ihm schwer . Er empfand es als Grausamkeit vom Schicksal , daß es ihm Glück vorgaukelte , das bei ernstem Betrachten nur brüchig aussah . Wie viel Reiz hatte dies schlanke junge Geschöpf , mit den dunklen , bettelnden Augen im schmalen Gesicht ... Und das Verlangen wallte in ihm auf , sie in seine Arme zu nehmen und sie herauszuretten aus ihrem leeren Luxusleben . Nein - stark sein - ein Mann bleiben . Und als rechter Mann nicht nur auf die Stimme des Blutes hören , sondern auch auf die Stimme der Vernunft . Er glaubte nicht an sein Glück mit ihr . Er sah es - er fühlte es : sie standen auf verschiedenen Ufern - von den ernsten Eichenhainen des seinen führten keine Brücken zu den goldenen Gärten des ihren . Es gibt Naturen , die nicht kraftvoll genug sind , um verpflanzt werden zu können . Dies liebliche Kind würde niemals seine Anschauungen begreifen ... Als man sich der Landungsbrücke näherte , der weltberühmten » Alten Liebe « von Cuxhaven - dieser Stätte , an welcher der Völkerverkehr vorbeiflutet - die den Schmerz der Ausreisenden und die Wonne der Heimkehrenden kannte , die alle Hoffnungen und alle Enttäuschungen auf ihren Balken hatte flüstern und weinen hören - da wurde Tullas Herz von Angst ganz fassungslos . Und sie bat : » Bleiben Sie noch - verlängern Sie Ihren Urlaub . « » Nein , « sagte er , » es ist unmöglich . « Er war ernst und blaß . Der Dampfer legte an - die Unruhe des Von-Bord-Gehens kam - zur Rückfahrt , elbaufwärts wollten sie ja die Bahn benutzen . Ein heimlichholdes Wort - eine Frage , die man nur ohne Zeugen ausspricht - das war nun nicht mehr möglich . Und Tulla wußte : er wird nichts sagen ... Warum nicht ? O Gott - wie schwer , wie schrecklich ! Warum nicht ? Sie hatte ihm doch so viel , als möglich war , Beruhigendes über die Verhältnisse gesagt ! Warum sprach er nicht ? Es war schließlich doch wohl wegen der Mama , und es paßte ihm doch wohl nicht , daß die Mama wieder heiratete ... Tulla fand und fühlte keinen Grund ... Der Jammer in ihrem Herzen wurde immer größer . Nun sank alles zusammen . Die Minuten , die verrannen , schienen alles Leben , alle Hoffnungen mit sich fortnehmen zu wollen ... Gleich war